True Crime aus Hessen

Der Fall "Manfred Seel": Ehemann, Vater, Massenmörder?

01. September 2021 - 12:08 Uhr

Ein perfektes Doppelleben

Er war hilfsbereit, spielte in einer Jazzband und war Ehemann und Vater – doch Manfred Seel hatte noch ein zweite, eine dunklere Seite. Er soll mehrere Frauen gequält und getötet haben. Ein sadistischer Massenmörder in einer perfekten Familienidylle. Wer war dieser Mann, der Leichenteile seiner Opfer in blauen Fässern in seiner Garage aufbewahrt hat? In unserer Wochenserie gehen unsere Reporter auf Spurensuche und beleuchten die spektakulärsten Kriminalfälle aus Hessen.

Tochter entdeckt Leichenteile beim Entrümpeln der Garage

Es ist eine grausame Entdeckung, die ausgerechnet die Tochter von Manfred Seel im Jahr 2014 in der Garage ihres Vaters macht. In blauen Fässern findet sie mehrere Leichenteile: zwei Füße, Unterschenkel, ein Kopf und ein Torso. Das Opfer: Britta Dialo, eine Prostituierte, die seit 2004 vermisst wird. Experten des Landeskriminalamts nehmen die Ermittlungen auf und gründen die Soko "Alaska" – eine Anspielung auf Manfred Seel, der auch im Sommer bevorzugt Pelzkleidung trug und Alaska als Lieblingsreiseziel auserkoren hatte.

Mindestens fünf Frauen ermordet

HANDOUT - Ein am 19.05.2016 vom hessischen Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden veröffentlichtes Foto zeigt den mutmaßlichen Serienmörder Manfred S.. Im Fall des mutmaßlichen Serientäters aus dem Taunus steigt die Zahl der Verdachtsfälle: Die Polizei
Ein perfektes Doppelleben. Hat Manfred S. mindestens fünf Frauen bestialisch ermordet?
© dpa, -

Die Ermittlungen bringen schaurige Details ans Tageslicht. Es wird vermutet, dass Manfred Seel zwischen 1971 und 2004 mindestens fünf Frauen ermordet hat. Dabei soll es sich vor allem um drogenabhängige Prostituierte gehandelt haben. Im Keller seines Hauses finden die Ermittler mehrere PCs, auf deren Festplatten sich 32.000 gewaltpornographische und gewaltverherrlichende Fotos und Filme befinden.

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Freunde sind fassungslos

Manfred Seel hat sein Umfeld perfekt getäuscht. Günter Gernet war mehrere Jahre mit ihm befreundet, spielte mit Manfred Seel in einer Jazzband. "Der müsste dann ein fast perfektes Doppelleben geführt haben, weil auch die Leute, die ich kenne und die ich schon gesprochen hab, die haben gesagt, verstehen wir nicht, das gibt's doch gar nicht", so Günter Gernet. Kriminalpsychologin Lydia Benecke erklärt die zwei Seiten des Manfred Seel folgendermaßen: "Die sagen, es gibt mein Familien-Ich, als Vater und Ehemann und es gibt mein dunkles Ich, das Fantasien auslebt und die zwei ziehe ich an, wie einer seinen Arbeitsanzug anzieht und zuhause seine privaten Sachen anzieht." Doch warum hat Manfred Seel auch noch Trophäen seiner Opfer aufgehoben? "Wenn er Trophäen mitnimmt, wenn er auf bestimmte Art verstümmelt, dann ist das sein Drehbuch und dass das zur Befriedung seiner Fantasie dient", so die Kriminalpsychologin. Täter wie Manfred Seel möchten die Angst des Opfers sehen, wollen Macht über sie haben und auch nach dem Tod noch Dinge mit ihren Opfern machen können, erklärt die Psychologin weiter.

Es kam nie zu einem Prozess

Für seine Taten hat sich Manfred Seel nie verantworten müssen. Er starb mit 67 Jahren, kurz bevor seine Tochter die Leichenteile in seiner Garage findet. Nach langen Ermittlungen würde die Soko Alaska aufgelöst. Eindeutige Beweise, dass Manfred Seel all diese Frauen bestialisch ermordet hat, konnten die Ermittler nicht finden. Die Indizien sprechen aber dafür. (dgö)