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Reitsport: Touchieren verboten! RTL-Expertin Birgit von Bentzel ordnet wegweisende Entscheidung ein

Schutz für Pferdebeine

Touchieren verboten! RTL-Expertin ordnet wegweisende Entscheidung ein

RTL deckt Verstöße bei Reit-Star Beerbaum auf Hat er wirklich Tiere gebarrt?

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Jetzt ist es offiziell: Die umstrittene Trainingsmethode des "Touchierens" von Pferden beim Sprung ist im deutschen Reitsport verboten worden. RTL-Reitexpertin Birgit von Bentzel findet: Das wurde höchste Zeit! Anfang des Jahres hatten RTL-Recherchen einen Reit-Skandal um Ludger Beerbaum aufgedeckt.

Deutsche Reiterliche Vereinigung schafft Touchier-Tatsachen

Klare Absage an die Trainingsmethode „Touchieren“: Der Beirat Sport der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) votierte bei den FN-Tagungen in Münster einstimmig für eine Änderung der Leistungsprüfungsordnung und schaffte damit Tatsachen.

RTL-Reitsport-Expertin Birgit von Bentzel begrüßt die Entscheidung, diese sei „eigentlich überfällig, denn das Barren oder Touchieren wurde ja nur aus einem Grund gemacht: Um dem Pferd Schmerzen zuzufügen, damit es höher springt. Für mich ist das Tierquälerei“, erklärt die RTL-Reporterin. Umso mehr freut sie sich, dass die Änderung einstimmig beschlossen wurde.

Die FN folgte damit der einstimmigen Empfehlung der "Kommission Ausbildungsmethoden". Diese habe sich seit 2021 auf Bitte der Vereinigung "ausführlich" mit dem Thema beschäftigt.

Die Kommission sei zu dem Schluss gekommen, dass die Methode des Touchierens "fast keine Fehlertoleranz" erlaube. "Kleine Abweichungen können negative Folgen für das Pferd haben."

Birgit von Bentzel nimmt Profis in die Pflicht

Warum das Verbot so wichtig ist, erklärt Birgit von Bentzel: „Schmerzfreies Training sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Wir haben eine Verantwortung gegenüber den Lebewesen hier auf der Erde und damit auch gegenüber Pferden. Ich finde vor allem im Spitzensport sollten die Profis Vorbild sein, wie sie mit ihrem Tier umgehen. Und da ist Respekt für mich sehr wichtig.“

Dass Touchieren überhaupt gesetzlich erlaubt war, sei traurig, findet von Bentzel. „Sogar Ludger Beerbaum räumte ein, dass es nach den bisherigen Regelungen schwer zu vermitteln war, wo die Grenze des Erlaubten beim Touchieren lag.“

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Der Unterschied zwischen Barren und Touchieren

Das Touchieren wurde 1990 im Zuge der "Barr-Affäre" um Reitstar Paul Schockemöhle in die Richtlinien der FN aufgenommen. Beim Barren werden die Pferde am Sprung mit einer Holzlatte an die Vorderbeinen geschlagen, um diese noch höher anzuziehen. Beim Touchieren sollen die Pferde hierzu durch leichte Berührungen mit genau festgelegten Stangen (maximales Gewicht von 2.000 Gramm bei drei Meter Länge haben, rund, glatt und aus nicht splitterndem Material) angeregt werden.

Das Problem: "Selbst Fachleuten fällt es oft schwer zu veranschaulichen und zu vermitteln, wo die Grenze des bisher erlaubten, fachgerechten Touchierens am Sprung ist", so die FN. In der Trainingspraxis sei das "Risiko einer Abweichung" von den Richtlinien "hoch". Nur durch ein Verbot des Touchierens könne man die Pferde vor einer "falschen Anwendung" und die Tierhalter vor den Konsequenzen einer solchen geschützt.

Fall Beerbaum sorgte für Aufregung

Die FN betonte, dass es nicht Aufgabe der Kommission sei, "die im RTL-Beitrag vom 11. Januar 2022 gezeigten Bilder juristisch zu bewerten und Ordnungsmaßnahmen auszusprechen."

RTL extra hatte auf dem Gestüt von Reitstar Ludger Beerbaum recherchiert. Exklusive Videoaufnahmen einer Insiderin sowie eigens gedrehtes Material legen den Verdacht nahe, dass der Olympiasieger im Training die verbotene Methode des "Barrens" angewendet habe.

Beerbaum ließ daraufhin mitteilen: "Die im Beitrag gezeigten Szenen auf dem Reitplatz haben mit Barren nichts zu tun. Es handelt sich dabei um erlaubtes Touchieren, das von einem erfahrenen, routinierten Pferdefachmann durchgeführt wurde. Der im Video zu sehende Gegenstand erfülle die Vorgaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung für ein zulässiges Touchieren: nicht länger als drei Meter, maximal zwei Kilogramm schwer."

Die Staatsanwaltschaft Münster hatte nach den Vorwürfen ein Ermittlungsverfahren gegen den viermaligen Olympiasieger eingeleitet. Die Ermittlungen dauern weiter an, wie die Staatsanwaltschaft auf RTL-Anfrage mitteilte. „Der Ausgang des Verfahrens ist angesichts der laufenden Ermittlungen weiterhin offen.”

Schnelle Entscheidung überrascht: "Druck war zu groß"

Die schwammige Grenze zwischen Barren und Touchieren hebt die FN jetzt endgültig auf: Touchieren ist künftig tabu, ein Training wie auf Beerbaums Gestüt somit künftig verboten.

Die schnelle Entscheidung überrascht selbst Experten. „Ich glaube der öffentliche Druck war doch zu groß. Dann kann es manchmal ganz schnell gehen. Ich hatte das nicht erwartet, dass es so schnell geht und mit dem Verbot endlich so eine klare Lösung gibt“, sagt von Bentzel. „Auch wenn die FN betont, die Entscheidung habe nichts mit dem Fall Ludger Beerbaum zu tun über den RTL im Januar berichtet hat, kam das Thema dadurch auf den Tisch. Und das ist gut so.“ (msc/mar)