GSG 9 erklärt Abou-Chaker-Clan den Krieg

Razzia bei Berliner Clans: Es geht um Immobilienbetrug und Gewalt-Inkasso

11. Dezember 2020 - 12:11 Uhr

Polizeibekannter Clan im Fokus der Razzia

Am frühen Donnerstagmorgen durchsuchten Berliner Polizeibeamte mehrere Adressen polizeibekannter Großfamilien aus dem Clan-Milieu. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin werden drei Haftbefehle und 33 Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt. Im Fokus der Razzia steht laut RTL-Informationen die Clan-Familie Abou-Chaker, ein Oberhaupt der kurdischstämmigen Familie Sürer sowie Angehörige der Rockergruppierung Hells Angels. Im Video äußert sich der Staatsanwalt zur Razzia.

500 Polizeibeamte im Einsatz

Auch Angehörige der Hells Angels sollen beteiligt sein
Auch Angehörige der Hells Angels sollen beteiligt sein
© dpa, Arne Dedert, ade hpl rho

Bei dem Großeinsatz sind 500 Polizeibeamte an mindestens zehn Adressen im Einsatz, darunter auch die Spezialeinheiten SEK und GSG 9 der Bundespolizei, wie die Generalstaatsanwaltschaft Berlin vermeldet. Das LKA Berlin führt in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Berlin seit einem Jahr Ermittlungen gegen derzeit 36 Personen verschiedener Nationalitäten wegen des Tatverdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung.

"Die Strukturen sind andere als bei der Mafia, aber es sind in beiden Fällen kriminelle Vereinigungen, die es lahm zu legen gilt", so Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei in Berlin. Der Kreis der Tatverdächtigen besteht aus Angehörigen der Rockergruppierung Hells Angels sowie aus weiteren der Organisierten Kriminalität zuzurechnenden Personen. Die heutigen Durchsuchungsmaßnahmen dienen unter anderem der Sicherung von Vermögenswerten.

"Bei den Taten, die Gegenstand des Haftbefehls sind, gab es ein Zusammenwirken mit Anwälten, Maklern und Notaren, um die Betrugsdaten durchzuführen" berichtet Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Es ist von diversen Wirtschaftsdelikten auszugehen. Unter anderem geht es um Gewaltinkasso und Betäubungsmittelhandel. Ganz konkret wirft die Staatsanwaltschaft den mutmaßlich Beteiligten vor, ein älteres Ehepaar um ihre Immobilie gebracht zu haben. Wert: Drei Millionen Euro. Mit fingierten Ausweisen und Nachweisen sollen sie sich das Haus überschrieben haben. "In die Pläne zur Verwertung der Immobilie sollen weitere Beteiligte eingebunden gewesen sein", so Martin Steltner weiter.