Nach der schrecklichen Tat von Bernd W. in Trier

Was geht in einem Menschen vor, der Amok läuft?

Bernd W. heißt der mutmaßliche Amokfahrer von Trier
Bernd W. heißt der mutmaßliche Amokfahrer von Trier
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02. Dezember 2020 - 14:50 Uhr

Fünf Tote und mehrere zum Teil schwerst Verletzte

In ganz Deutschland herrscht Bestürzung und Fassungslosigkeit nach der schrecklichen Tat eines 51-Jährigen in Trier. Mit einem SUV raste der mutmaßliche Täter Bernd W. durch die Innenstadt. Zwischen der Porta Nigra und der Fleischstraße soll er mit über 100 Stundenkilometern in Zickzack-Linien durch die Fußgängerzone gefahren sein. Dabei gab es fünf Tote und mehrere zum Teil schwerst Verletzte. Mittlerweile ist klar: Unter den Toten ist auch ein Baby.

Untersuchungshaft oder psychiatrisches Krankenhaus?

Die Tat des 51-jährigen Deutschen aus dem Kreis Trier-Saarburg wird von der Staatsanwaltschaft Trier zuerst als mehrfacher Mord, Mordversuch und gefährliche Körperverletzung eingestuft. Nach derzeitigem Ermittlungsstand liegen Polizeiangaben zufolge keine Hinweise auf politische oder religiöse Motive des in Trier geborenen Mannes vor. Verschiedenen Medienberichten zufolge soll er allerdings ein massives Alkoholproblem gehabt haben.

Anhaltspunkte für ein Krankheitsbild

Bernd W. könnte allerdings auch psychisch krank sein. Es gebe Anhaltspunkte für ein psychiatrisches Krankheitsbild, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen am Dienstag in Trier. Ein Arzt habe Bernd W. begutachtet, es werde vermutlich ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. Die Justizbehörde muss daher noch entscheiden, ob sie Untersuchungshaft beantragt oder die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung.

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Täter bereits häufig länger psychisch erkrankt

Amokexperte Dr. Jens Hoffmann
Amokexperte Dr. Jens Hoffmann
© privat, Institut Psychologie & Bedrohungsmanagement/privat, Institut Psychologie & Bedrohungsmanagement

Was passiert bloß in Menschen, die in einer vielleicht verzweifelten Lebenssituation eine solch unfassbar grausame Tat vollziehen? Amokexperte Dr. Jens Hoffmann vom Institut Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt weiß: "Bei einer solchen schweren zielgerichteten Gewalttat gibt es im Vorfeld in fast allen Fällen Auffälligkeiten, manchmal auch Drohungsäußerungen, häufig sind die Täter bereits seit längerem psychisch erkrankt." Es gebe allerdings durchaus auch hochaggressive Täter ohne psychische Erkrankung, so der Experte.

"Es kommt vor, dass die Täter aufgrund ihrer Realitätsverzerrung glauben, sich und andere schützen zu müssen, bei dem Attentat auf den damaligen SPD-Politiker Oskar Lafontaine war das zum Beispiel der Fall." Der hohe Grad an Alkoholisierung des mutmaßlichen Täters Bernd W. könne gegebenfalls daher rühren, dass er sich schon seit längerem mit Alkohol selbst medikamentierte - das komme immer wieder vor.

Amokexperte empfiehlt Bedrohungsmanagement-Stellen

Zur Bekämpfung solcher tragischen Fälle empfiehlt Amokforscher Hoffmann die Installation von Bedrohungsmanagement-Stellen, wie sie zum Beispiel in Nürnberg und in anderen Regionen der Republik bereits erfolgreich betrieben würden. "Die gute Zusammenarbeit von Psychologen und Polizei kann solche schweren Gewalttaten verhindern helfen", so der Experte. Wenn ein Mensch den Eindruck habe, dass von jemandem in seinem Umfeld eine Bedrohung ausgehe, solle er am besten herausfinden, ob es in seiner Region ein solches Zentrum bereits gebe, rät Hoffmann. Sei das nicht der Fall, sei die örtliche Polizei nach wie vor die beste Adresse, um seine Sorgen dort zu schildern.