Prozessbeginn im Fall Susanna: Ali B. gesteht Tötung von Susanna

Susannas Mutter Diana Feldmann kann ihre Tränen nicht zurückhalten

12. März 2019 - 17:18 Uhr

Ali B. muss sich wegen Mordes und Vergewaltigung an Susanna vor Gericht verantworten

Der irakische Flüchtling Ali B. (22) soll die erst 14-jährige Susanna Feldmann im Mai 2018 vergewaltigt und ermordet haben: In Wiesbaden hat am Dienstag der Prozess gegen Ali B. begonnen. Das Interesse der Öffentlichkeit ist groß. Verhandelt wird auch ein Raubüberfall, der mit den Taten an Susanna in Verbindung stehen soll. Ali B. gestand die Tötung von Susanna unt entschuldigte sich für seine Tat. Susannas Eltern sind schwer mitgenommen von dem Prozess. RTL-Reporter Benjamin Holler war vor Ort und berichtete aus dem Gerichtssaal.

Susannas Eltern sind vor Gericht anwesend

12.03.2019, Hessen, Wiesbaden: Zuschauer drängen sich vor dem Verhandlungssaal im Prozess gegen den 21-jährigen Ali B. Die Strafkammer wirft dem aus dem Irak stammenden Flüchtling vor, im vergangenen Mai die aus Mainz stammenden 14-jährige Susanna ve
Vor dem Zuschauereingang in Wiesbaden bildete sich eine lange Schlange.
© dpa, Boris Roessler, cul

Viele Zuschauer wollen den Prozess rund um Susanna mitverfolgen. Es sind so viele, dass der Vater des getöteten Mädchens kaum einen Platz findet. Da er kein Nebenkläger ist, muss er im Zuschauerraum Platz nehmen – erst auf Bitten eines Justizbeamten wird ein Platz in der dritten Reihe für ihn geräumt.

Auch Susannas Mutter Diana ist da. Als Nebenklägerin darf sie direkt vorne im Gerichtssaal sitzen. Sie trägt eine silberne Kette mit dem Gesicht ihrer Tochter, gefasst und mit starkem Blick betritt sie den Gerichtssaal. Sie schaut Ali B. direkt ins Gesicht. Erst als die Anklage verlesen wird, kämpft sie mit sich und wischt sich die Tränen aus den Augen - nur wenige Meter vom mutmaßlichen Killer entfernt. Sie muss mit anhören, wie die Vergewaltigung ihrer toten Tochter in grausigen Details beschrieben wird.

„Wenn du keinen Scheiß machst, muss ich auch keinen Scheiß machen“, soll Ali zu Susanna gesagt haben

Susanna
Susanna aus Mainz wurde im Juni 2018 mutmaßlich von Ali B. ermordet.
© deutsche presse agentur, dpa, brx tba

Die Staatsanwältin verliest die Anklage. "Wenn du keinen Scheiß machst, muss ich auch keinen Scheiß machen", sagte Ali B. demnach zu Susanna, bevor er sie vergewaltigte. Als sie danach ankündigte, zur Polizei zu gehen, tötete er sie laut Ermittlern. Er beugte den Arm um ihren Hals, mehrere Minuten strangulierte er sie. Soweit die Anklageschrift.

Susannas Mutter wischt sich Tränen aus den Augen, wirkt aber schnell wieder gefasst. Sie stellt sich diesem Schrecken, will Ali B., dem Mörder ihrer Tochter, in die Augen schauen.

Ihre Anwälte sagten in einer Verhandlungspause, dass Diana Feldmann sehr angeschlagen sei. "Ihr fällt es schwer, sich mit dem Sachverhalt auseinanderzusetzen, sie ist sehr emotional." Sie sei lange auf den Tag vorbereitet worden und seit der Tat in psychologischer Betreuung.

Ali B. gesteht Tötung vor Gericht

12.03.2019, Hessen, Wiesbaden: Der 21-jährige Ali B. verdeckt zum Prozessauftakt sein Gesicht. Die Strafkammer wirft dem aus dem Irak stammenden Flüchtling vor, im vergangenen Mai die aus Mainz stammenden 14-jährige Susanna vergewaltigt und ermordet
Ali B. vergrub beim Prozessauftakt die Hände in sein Gesicht, sprach nur sehr leise.
© dpa, Boris Roessler, cul

Ali B. beschrieb vor Gericht die Tötung ihrer Tochter bis ins Detail – und entschuldigte sich für seine Taten. "Ich bereue alles", sagt Ali B. nach der Unterbrechung. Das mit dem Gefängnis sei irgendwann vorbei – der Schmerz nicht. "Meine Entschuldigung kann nichts wieder gut machen. Mir war wohl nicht bewusst, was ich gemacht habe. Seit dem Geschehen beschäftigt mich das die ganze Zeit." Susannas Mutter weinte während der Aussage, ihr Vater war wie versteinert.

RTL-Reporter Andreas Schopf zum Prozessauftakt

Susannas Leiche war erst am 6. Juni 2018 in einem Erdloch gefunden worden. Ali B. hatte sich kurz nach der Tat zusammen mit seinen Eltern in den Irak abgesetzt, wo er jedoch festgenommen und der Bundespolizei übergeben wurde, die ihn unter umstrittenen Umständen zurück nach Deutschland brachte. Seitdem sitzt er in Frankfurt in Untersuchungshaft. Ihm werden neben dem Mord und der Vergewaltigung an Susanna noch weitere Taten vorgeworfen, die allerdings in separaten Verfahren geklärt werden sollen.