Führerschein gegen Geld

Haben Betrüger Theorie-Tests für Prüflinge erledigt?

Zwei Männer sind wegen Fälschung beweiserheblicher Daten in mehreren Fällen angeklagt.
Zwei Männer sind wegen Fälschung beweiserheblicher Daten in mehreren Fällen angeklagt.
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25. Mai 2021 - 14:04 Uhr

Angeklagt wegen Fälschung beweiserheblicher Daten

Am Landgericht Hannover müssen sich seit Dienstag zwei Männer verantworten, die gegen Bezahlung theoretische Fahrprüfungen für Fahrschüler abgelegt haben sollen. Angeklagt sind ein 29-Jähriger und 26-Jähriger. Der ältere Mann soll in 72 Fällen Identitäten gefälscht und Fahrprüfungen abgelegt beziehungsweise Vertreter vermittelt haben. Der 26-Jährige soll in neun Fällen Prüfungen für Fahrschüler erledigt haben. Die Führerscheinprüflinge sollen für eine bestandene theoretische Fahrprüfung bis zu 2000€ gezahlt haben. Mit der Masche soll der 29-Jährige über 52.000 Euro eingenommen haben. Die beiden sollen im gesamten Bundesgebiet agiert haben, vor allem aber in Hannover.

Angeklagter: "Ich bereue sehr, was ich getan habe"

Beim Prozessauftakt zeigt sich der 29-Jährige gesprächig. Über seinen Anwalt gibt er zu Protokoll, dass er seine Taten bereue. Über "falsche" Freunde sei er an den Betrugs-Job gekommen. Er habe zwei Kinder und stecke in finanziellen Schwierigkeiten. Zurzeit gehe er wegen seiner Probleme zum Therapeuten. "Mir wurde das alles zu viel, also bin ich zum Arzt gegangen", sagt er vor Gericht. Aufgeflogen war der Betrug, weil die Polizei Hannover in der Sache Nachforschungen anstellt hatte und Zweifel an den Identitäten in den theoretischen Führerscheinprüfungen aufgekommen waren.

Der 26-jährige Angeklagte entschuldigt sich vor Gericht bei dem Polizeibeamten, den er bei seiner Festnahme körperlich angegangen hatte: "Es tut mir leid, dass ich ihn geschubst habe." Er wurde beim TÜV Hannover auf frischer Tat ertappt.

Urteil könnte im Juni fallen

Wegen des gewerbsmäßigen Betrugs drohen den Angeklagten bis zu 10 Jahre Gefängnis, erklärt Annika Osterloh vom Landgericht Hannover im RTL-Interview. "Da sich der 29-jährige Angeklagte schon im Zwischenverfahren vor Eröffnen des Hauptverfahrens weitestgehend geständig eingelassen hat", könne die Strafe für ihn erheblich milder ausfallen, so die Richterin weiter. Das Urteil wird am 10. Juni erwartet.

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Jeder dritte Fahrschüler schafft die theoretische Fahrprüfung nicht

Die "Kunden" der mutmaßlichen Betrüger wollten sich offenbar den Prüfungsstress ersparen. Denn laut einer Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts ist die theoretische Führerscheinprüfung für viele Prüflinge ein großes Problem. Im theoretischen Teil aller Pkw-Klassen lag die Misserfolgsquote 2017 laut Kraftfahrt-Bundesamt bundesweit bei 39 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 wurden bei der Theorie aller Pkw-Klassen 32,3 Prozent der Prüfungen nicht bestanden. Der Deutschen Presseagentur zufolge vermuten Verkehrsexperten unter anderem komplexere Verkehrssituationen als Ursache, haben aber noch keine eindeutige Antwort. Denkbar wäre auch, dass die hohe Durchfallquote mit der Smartphone-Nutzung oder einem stetig steigendem Stresslevel im Alltag zu tun hat. (mtu/dpa)