Sie wollte ihre Küchenmesser nicht auf den Boden legen

Polizist erschießt demente 75-Jährige an eigener Haustür

Ein Polizist erschoss die demenzkranke Amelia B. (75).
Ein Polizist erschoss die demenzkranke Amelia B. (75).
Las Cruces Police Department

Amelia B. ist tot. Die 75-jährige demente Frau wurde an ihrer eigenen Haustür von einem Polizisten erschossen. Ihre Tochter hatte in New Mexico die Polizei gerufen, weil sie sich bedroht fühlte. Doch das löste eine Ereigniskette aus, die einem Alptraum für die Familie gleicht.

Tochter rief die Polizei

Den tödlichen Schuss auf Amelia B. fing die Bodycam des Beamten in Las Cruces in New Mexico (USA) am 16. April ein – und auch das Geschehen vorher. B.s Tochter hatte die Polizei gerufen, weil sie Angst hatte, ihre Mutter würde versuchen, sie zu töten. Am Telefon sagte sie: „Ich brauche hier einen Beamten oder einen Krankenwagen oder irgendjemanden! Meine Mutter wird immer aggressiver“, soll sie laut „Daily Mail“ am Telefon erzählt haben.

Doch sie wies auch direkt darauf hin, dass ihre Mutter Demenz habe: „Ich verstecke mich in einem Raum, weil sie mir droht, mich zu töten… Ich habe meine Kleine bei mir.“ Außerdem erzählte die Tochter den Medienberichten zufolge, sie sei sich nicht sicher, ob ihre Mutter am Morgen ihre Medikamente genommen habe.

Tote Frau sprach kein Englisch

Die Notrufzentrale schickte einen Polizisten vorbei, der bereits seit neun Jahre Diensterfahrung habe. Als er am Haus ankam, verließen zwei Frauen die Wohnung. Bei einer der beiden handelte es sich wohl um eine weitere Enkelin von B. Sie wiesen den Beamten daraufhin, vorsichtig mit der alten Dame zu sein. Als nächstes kam B. an die Tür, zwei Küchenmesser in der Hand. Immer wieder forderte der Polizist B. lautstark auf, die Messer hinzulegen. Im Hintergrund hört man die beiden Frauen, die zuvor das Haus verließen, laut rufen.

Der „Las Cruces Sun News“ erzählt Enkelin Inoh später: „Ich habe die ganze Zeit versucht, ich im zu sagen ‚Erschieß sie nicht, sie ist psychisch krank‘“. Bei „Las Cruces News“ betonte sie: „Es gab keine Gefahr.“ Auch hätte B. kein Englisch gesprochen.

Angehörige: Demente Großmutter hatte selbst Angst

Sie sei erst am Tatort eingetroffen, nachdem der Notruf bei der Polizei eingegangen sei. Auch beschrieb Inoh die Situation etwas anders als die Frau am Telefon: Die demente Großmutter habe Angst vor dem Teil der Familie gehabt, der in der Wohnung gewesen sei. Oft wissen demente Menschen nicht mehr genau, was um sie herum vor sich geht, sie können Situationen nicht richtig einschätzen, verlieren den Überblick und die Orientierung, werden unsicher – oder eben auch aggressiv.

Die Frau, die den Notruf abgesetzt hatte, war zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem Haus durch ein Fenster geflohen. Der Fall wird nun genauer untersucht. Der Polizist soll nach Aussagen der Behörden über mehr als 70 Stunden Deeskalationstraining verfügen. Doch die American Civil Liberties Union of New Mexiko teilte mit: “Wenn das Team vor Ort darauf eingestellt gewesen wäre, die Situation zu deeskalieren, wäre sie (B.) noch am Leben gewesen und würde die Hilfe bekommen, die sie braucht.“ (eon)