Nachbarland senkt ab 1. Februar Spritsteuer

Verband rechnet mit Tanktourismus in Polen

14. Januar 2022 - 13:16 Uhr

Durch die geplante Senkung der Spritsteuer in Polen am 1. Februar wird der Tanktourismus ins Nachbarland wieder anziehen. Davon geht der Verband des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost aus. Der Unterschied bei den Spritpreisen sei jetzt schon gravierend, sagte der Verbandsvorsitzende Hans-Joachim Rühlemann.

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Sprit könnte in Polen bald rund 60 Cent billiger sein als in Deutschland

Beispielsweise liege der Benzinpreis für E10 je Liter derzeit bei etwa 1,74 Euro, in Polen dagegen bei umgerechnet 1,22 Euro. Wenn Polen die Steuer auf Diesel und Benzin senke, mache dies nochmals etwa zehn Cent aus. "Jeder der kann, Lust und Laune hat, wird nach Polen fahren", schätzt er. Der Verband betreut in Berlin und in den ostdeutschen Bundesländern etwa 300 Tankstellen.

Die polnische Regierung hat angekündigt, die Steuer auf Diesel und Benzin vom 1. Februar vorübergehend von 23 auf 8 Prozent zu senken. Damit könnte der Liter Sprit 15 Center billiger werden. Mit der Maßnahme sollen die Menschen in Polen von den Folgen der Inflation entlastet werden.

Die Bundespolizei in Sachsen geht davon aus, dass - wenn die Preise sinken - die Bevölkerung in grenznahen Gebieten vermehrt nach Polen fahren wird. Bislang habe das aber noch nicht zu Staus an der Grenze geführt. Das beobachtet auch die Bundespolizeiinspektion Pasewalk in Vorpommern. Es liege wahrscheinlich auch daran, dass derzeit keine Urlaubssaison sei, sagte ein Sprecher. Einheimische pendelten schon lange für Einkäufe über die Grenze. So sei etwa Stettin ein Einkaufsmagnet.

Für viele Bürger in Deutschland ist der Weg nach Polen aber schlichtweg zu weit. Wie Sie trotzdem beim Tanken sparen können, lesen Sie in unseren Tipps.

Tankstellen auf deutscher Seite befürchten großen Umsatzverlust

Für die Tankstellen auf deutscher Seite hat zunehmender Tanktourismus "katastrophale" Auswirkungen, befürchtet Verbandschef Rühlemann. Auch aus Berlin würden immer mehr Autofahrer nach Polen zum Tanken fahren. "Und je näher die Tankstellen an der polnischen Grenze liegen, umso größer wird der Umsatzverlust", sagte Rühlemann, der selbst eine Tankstelle betreibt. Tankstellen profitierten zwar auch vom Nebengeschäft wie Kaffee- oder Imbissangebot und vom Zeitungsverkauf. Wenn Tankkunden aber ausblieben, fielen auch diese Einnahmen weg. Teilweise verkürzten sich in den Abendstunden Öffnungszeiten, um Personalkosten zu sparen.

Der Verband fordert von den Mineralölgesellschaften eine höhere Provision für Kraftstoffe pro Liter für die Tankstellenbetreiber in der Fläche. Bislang liegt sie Rühlemann zufolge zwischen 1 und 1,2 Cent pro Liter. "Das ist eindeutig zu wenig", mahnt der Verbandschef. (dpa/nba)