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Polen: Izabela S. (30) stirbt, weil ihr die Abtreibung verweigert wird

Strenge Abtreibungsgesetze in Polen: "Eine Frau ist hier wie ein Brutkasten“

Izabela (30) durfte nicht abtreiben - kurz darauf starb sie im Krankenhaus

Izabela Sajbor starb in einem polnischen Krankenhaus.
Izabela Sajbor starb in einem polnischen Krankenhaus.
ENEX

Izabela Sajbor kämpft im Krankenhaus um ihr Leben. Sie ist schwanger, ihr Baby hat eine seltene Krankheit, seine Überlebenschancen sind minimal. Dennoch verweigern die Ärzte eine Operation. Sie wollen nicht eingreifen, solange das Baby nicht geboren wird oder stirbt. Izabela schreibt ihrer Mutter, dass sie hofft, das Krankenhaus wieder lebend verlassen zu können. Wenig später ist sie tot. Ihre Familie sagt jetzt: Die neuen Abtreibungsgesetze in Polen haben der 30-Jährige das Leben gekostet.

Abtreibungsgesetze in Polen: "Die Ärzte können nicht helfen"

„Ich hoffe, ich bekomme keine Sepsis. Dann werde ich diesen Ort nie wieder verlassen“, schreibt Izabela ihrer Mutter aus dem Krankenhaus, nur zwölf Stunden vor ihrem Tod im September des letzten Jahres. „Die Ärzte können wegen der Abtreibungsgesetze nicht helfen, solange das Baby noch lebt“, schreibt sie. „Eine Frau ist hier wie ein Brutkasten.“

Erst als das Herz ihres Babys nicht mehr schlägt, bringen die Ärzte sie in den OP-Saal – doch da ist es bereits zu spät: Izabela erleidet einen Herzstillstand und stirbt noch vor dem Beginn der Operation, so ihre Familie.

Izabela Sajbor durfte in Polen keine Abtreibung vornehmen lassen

Nur wenige Wochen zuvor stellten Ärzte bei Izabelas ungeborenem Kind eine seltene Störung fest. Es werde sehr wahrscheinlich noch vor der Geburt sterben, sagten sie. Und selbst, falls das Baby zunächst überleben sollte, würde es nicht älter als ein Jahr werden, prophezeiten sie.

Izabela wünschte sich ein Geschwisterchen für ihre neunjährige Tochter, erzählt ihre Schwester. Doch als sie von der außergewöhnlichen Krankheit erfuhr, entschied sie sich für eine Abtreibung. In Polen wurde ihr diese jedoch verweigert. Als sie deshalb ins Ausland reisen wollte, setzten die Wehen ein.

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Tausende Menschen gingen in Polen nach Izabela Sajbors Tod auf die Straße.
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In Polen sorgt Izabelas Schicksal für einen Aufschrei. Die erst kürzlich verschärften Abtreibungsgesetze verbieten es, ein Kind wegen Behinderungen oder Krankheiten abzutreiben. Eine Gesetzesänderung, die Umfragen zufolge 90 Prozent der Polinnen und Polen nicht unterstützen. Vorher wäre eine Abtreibung für die junge Mutter noch legal gewesen.

Izabelas Schicksal schlägt so hohe Wellen, dass sich sogar der polnische Präsident in die Angelegenheit eingeschaltet hat. “Die Ärzte im Krankenhaus haben keine Abtreibung vorgenommen”, sagte Andrzej Duda. “Es muss geklärt werden, wieso das passiert ist und wieso das Leben der Frau nicht gerettet wurde.”

Die polnische Regierung steht allerdings nach wie vor zu dem hochumstrittenen Gesetz. “Das Beenden einer Schwangerschaft bleibt legal, wenn das Leben einer Frau gefährdet wird”, sagt ein Sprecher zu “CNN”. Doch auch das Krankenhaus streitet eigene Fehler ab. Die Institutionen versuchen, sich gegenseitig die Schuld für Izabelas Tod zu geben.

Doch Izabelas Familie und tausende Protestierende fordern Gerechtigkeit – sowie eine erneute Gesetzesänderung. Das Motto, unter dem die Demonstrierenden auf die Straße gehen, steht nun auch auf dem Grab, das sich Izabela und ihr ungeborenes Kind Leon teilen: „Ani Jednej Wiecej“ – keine einzige weitere Frau. (jda)