Pflegenotstand: Familie will schwerkrankes Baby nach Hause holen – doch die Betreuung fehlt

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20. November 2018 - 11:01 Uhr

Finn aus Dillingen muss 24 Stunden am Tag betreut werden

Vor rund sechs Monaten wurde der kleine Finn im Zentralklinikum Augsburg mit einer zu kleinen Lunge geboren. Seine Eltern wollen ihn endlich nach Hause holen – doch ihr Baby ist auf eine 24-Stunden-Überwachung angewiesen, und es gibt nicht genug Pflegepersonal. Jetzt sucht Finns Mutter auf eigene Faust nach Fachkräften und appelliert an die Politik: "In Deutschland muss sich was tun!"

Finns Leben stand auf der Kippe

Finn lacht Gesicht
Finns Lunge ist unterentwickelt und sein Blutdruck chronisch erhöht.
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Als Finn sich ankündigte, schien zunächst alles normal. Die Freude bei Mama Nicole und ihrem Mann aus Dillingen war groß. Doch als er zur Welt kam, kollabierte seine viel zu kleine Lunge beim ersten Atemzug. Die Diagnose: beidseitige Lungenhypoplasie mit pulmonalem Hochdruck, also eine Unterentwicklung der Lunge und ein chronisch erhöhter Blutdruck im Lungenkreislauf. Zunächst war nicht klar, ob er seine erste Nacht überlebt.

Aber Finn kämpfte sich durch. Seitdem ist ein Intensivzimmer im Zentralklinikum Augsburg sein Zuhause, denn der Kleine muss 24 Stunden lang beatmet und über eine Magensonde künstlich ernährt werden. Seine Eltern haben ihr Leben komplett umgestellt, pendeln täglich zwischen Krankenhaus und Zuhause, verbringen mit ihrem Sohn so viel Zeit auf der Station, wie es geht. Nichts wünschen sie sich lieber, als ihn endlich mit nach Hause zu nehmen – doch das geht nicht, denn ihr Baby muss rund um die Uhr betreut werden, und alleine kann die Familie diese Aufgabe nicht stemmen.

"Wie ich warten Hunderte Mamas auf ihre Kinder"

"Ich würde ihn sofort nach Hause holen, aber ich muss irgendwann mal aufs Klo, schlafen oder einkaufen. Deshalb brauchen wir Hilfe", schildert Mama Nicole der Augsburger Allgemeinen. Seit Wochen ist sie pausenlos auf der Suche, klappert Pflegedienste in ganz Deutschland ab. Doch ständig bekommt sie nur Absagen, und meistens ist Personalmangel der Grund dafür.

Im Telefon-Interview mit uns macht sie ihrem Ärger Luft: "Die Politik muss endlich aufwachen. Es werden immer mehr kranke Kinder geboren, weil der technische Fortschritt es ermöglicht. Aber gleichzeitig gibt es niemanden, der sich um sie kümmern kann." Und sie stellt klar, dass es ihr um noch viel mehr geht als das Wohl ihres eigenen Kindes: "Es geht mir nicht nur um Finn und um mich, sondern um das große Ganze. Wie ich warten Hunderte andere Mamas auf ihre Kinder und können sie nicht nach Hause holen, weil einfach nicht genug Personal da ist. Der Umgang mit diesen Menschen und ihre Bezahlung ist katastrophal."

Nicole sucht weiter nach Pflegekräften

Doch Nicole lässt sich nicht entmutigen. Über Zeitungsanzeigen und Social Media sucht sie weiter nach einem Team von acht bis zwölf Pflegekräften, das in Schichten ihren Sohn betreuen kann – vor allem in der Nacht. Dabei kommt es ihr nicht darauf an, dass jeder Pfleger Spezialwissen vorweisen kann: "Learning by doing. Das sage ich auch als Mutter. Man muss sich ja immer individuell auf den Patienten einstellen", erklärt die 38-Jährige in der Augsburger Allgemeinen. Ihr sehnlichster Wunsch: Weihnachten zu Hause zu feiern – als Familie, mit ihrem Kind.

Sie sind Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in und können sich vorstellen, Finn und seine Familie zu unterstützen? Dann wenden Sie sich bitte an den Häuslichen Pflegedienst Agapeo unter der E-Mail-Adresse info@agapeo.de!