Petition gegen "Donau-Lied"

Umstrittenes Festzeltlied löst Debatte über Sexismus aus

Streit um das Donaulied - «Verharmlosung einer Vergewaltigung»
© dpa, Armin Weigel, awe sja

29. Mai 2020 - 21:39 Uhr

Vergewaltigungslied wird bis heute gesungen

Mit einer Online-Petition gegen ein umstrittenes Festzeltlied hat eine Passauer Studentin eine Diskussion über Sexismus angestoßen. Das sogenannte Donau-Lied, das von der Vergewaltigung eines schlafenden Mädchens handelt, soll demnach nicht mehr in Passauer Festzelten und Kneipen gesungen werden, wie es auf der Petitionsseite heißt. Die Aktion löste positive und negative Reaktionen im Netz aus.

Auch Ballermann-Fans kennen das "Donau-Lied"

"Einst ging ich am Ufer der Donau entlang, Ohohoholalala, ein schlafendes Mädchen am Ufer ich fand, Ohohoholalala. (...) Ich machte mich über die Schlafende her, Ohohoholalala,
da hört sie das Rauschen der Donau nicht mehr, Ohohoholalala. (...) Mein Mädchen, mein Mädchen, was regst du dich auf, Ohohoholalala, für mich war es schön und für dich sicher auch, Ohohoholalala. (...)" Das ist der wesentliche Teil des Textes, um den es Corinna Schütz geht. In einer anderen, älteren Version wird nicht von einem "schlafenden", sondern von einem "schwarz-braunen Mädchen" gesungen, welches den Sexismus-Gedanken um eine rassistische Dimension erweitert. Wer jedoch glaubt, dass dieses Volkslied nur in hinterwäldlerischen Bierzelten gesungen wird, liegt falsch. Denn Ballermann-Star Mickie Krause singt eine etwas abgemilderte Version davon auf Partys und Konzerten auf Mallorca. Vielleicht haben Sie schon einmal sogar selbst dazu getanzt, ohne es zu bemerken?

Mit der Petition wolle sie jedoch kein Verbot des Donauliedes erwirken, wie sie klarstellte. Vielmehr sollten sich die Leute mit dem Text auseinandersetzen, der Vergewaltigungen verharmlose, und dann freiwillig auf das Singen verzichten. Ihre ausländischen Mitstudenten gegenüber müsse sie sich rechtfertigen, "warum wir so etwas noch singen". Mehr als 1.000 Unterstützer beteiligten sich bis Freitag an der Petition. Aber auch Beleidigungen und Häme musste die 22-Jährige für ihre Aktion im Internet einstecken.

Joko&Klaas -Show ermutigte sie zur Petition

Schon vor gut zwei Jahren habe Schütz überlegt, etwas gegen das Lied zu unternehmen. Als kürzlich die TV-Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf mit einer Sendung sexuelle Belästigung von Frauen anprangerten, sei ihr die Idee mit der Petition gekommen. Winterscheidt und Heufer-Umlauf hatten bei ihrem Sender ProSieben 15 Minuten freie Sendezeit erspielt und sie für das ernste Thema genutzt. Dafür gab es viele positive Reaktionen aus dem Netz. Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer von sozialen Medien zeigten sich bestürzt und berichteten von ähnlichen Erfahrungen - von sexueller Belästigung bis hin zu sexueller Gewalt.