Panikkäufe und lange Schlangen

Briten stehen vor leeren Zapfsäulen

Mangel an Lkw-Fahrern in Großbritannien
Mangel an Lkw-Fahrern in Großbritannien
© dpa, Steve Parsons, aju nwi

27. September 2021 - 13:05 Uhr

Keine Lkw-Fahrer, kein Sprit

In Großbritannien fehlt es massiv an Lkw-Fahrern. Neben leeren Regalen zeigt sich das nun auch an der Zapfsäule. Bereits rund zwei Drittel aller unabhängigen Tankstellen haben keinen Sprit mehr. Die anderen drohen bald auszutrocknen.

„Sorry no fuel available“

Zettel mit der Schreckensnachricht säumen viele britischen Tankstellen: "Entschuldigung, kein Sprit verfügbar". An den Tanken, die noch Sprit haben, bilden sich lange Schlangen. Großbritannien leidet unter Engpässen in der Versorgung mit Diesel und Benzin. Es kam vielerorts zu Panikkäufen.

Nach Angaben des Branchenverbands Petrol Retailers Association haben zwei Drittel der rund 5.500 unabhängigen Tankstellen keinen Kraftstoff mehr. Die Nachfrage liege um bis zu 500 Prozent höher, sagte Verbandschef Brian Madderson dem Sender BBC Radio 4. Madderson sagte, 50 bis 90 Prozent der Tankstellen seien leer, die anderen drohten bald auszutrocknen.

Schuld ist Lkw-Fahrermangel

Hintergrund für die Notlage ist der gewaltige Lkw-Fahrermangel auf der Insel. Der britische Branchenverband schätzt, dass rund 100.000 Fahrer im Land fehlten. Deswegen kam es in Supermärkten bereits zu leeren Regalen. Nun müssen auch viele Tankstellen schließen, wei sie nicht mehr mit Benzin und Diesel beliefert werden.

Wegen der Corona-Pandemie wurden etliche Fahrstunden und -prüfungen verschoben. Zudem wanderten wegen des Brexits etwa 20 000 vor allem osteuropäische Fachkräfte ab - neue strenge Einwanderungsregeln hemmen nun aber den Zuzug. Der dadurch entstehende Mangel an Fahrern führt in vielen Bereichen zu Versorgungsengpässen.

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Schwere Folgen befürchtet

Nun schlägt bereits der Gesundheitssektor des Landes Alarm. "Ärzte und andere Beschäftigte des Gesundheitswesens können sich nicht um Patienten kümmern, wenn sie nicht zur Arbeit kommen", sagte Julia Grace Patterson, die Chefin der Vereinigung EveryDoctor. Sie habe von vielen Kollegen gehört, die übers Wochenende erfolglos versucht hätten zu tanken, sagte Patterson am Montagmorgen. Es brauche dringend einen Notfallplan der Regierung, der absichere, dass Angestellte des Gesundheitsdienstes zur Arbeit kommen könnten.

Gegenmaßnahmen sind auf dem Weg

Um die Probleme zu bekämpfen, will die Regierung unter anderem Arbeitsvisa für bis zu 5.000 ausländische Lastwagenfahrer ausstellen. Die Regierung sieht sich zum Handeln gezwungen, um eine Versorgung des Weihnachtsfestes zu garantieren. Verbandschef Madderson kritisierte, das Regierungsvorhaben greife zu kurz. Premierminister Boris Johnson hatte sich gegen Visa-Ausnahmen lange gesträubt, denn ein Ziel des Brexits war, die Personenfreizügigkeit zu beenden.

Mit einem Maßnahmenpaket will die Regierung nun zudem Zehntausende Fahrprüfungen zusätzlich pro Jahr ermöglichen. Außerdem sollen die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Wie die Zeitung "The Times" berichtete, sollen kurzfristig Soldaten als Lastwagenfahrer einspringen. Es könne allerdings noch eine Woche dauern, bis sie einsatzbereit sind. (skn/dpa)