Lohn für quälende Schmerzen, Ende der deutschen Tristesse

Schwimmstar Sarah Köhler erlöst sich mit irrem Rekord

28. Juli 2021 - 17:50 Uhr

Bei Sarah Köhler flossen nach ihrem größten Erfolg und dem Ende der 13 Jahre langen Olympia-Tristesse der deutschen Beckenschwimmer die Freudentränen. Die Vize-Weltmeisterin aus Bruchköbel hat über 1500 Meter Freistil die Bronzemedaille gewonnen und damit die erste deutsche Medaille seit Doppelgold von Britta Steffen 2008. In deutscher Rekordzeit musste sich die Verlobte von Florian Wellbrock nur den Amerikanerinnen Katie Ledecky und Erica Sullivan geschlagen geben.

„Ab 900 Metern etwa tat es richtig weh"

28.07.2021, Japan, Tokio: Schwimmen: Olympia, 1500 m Freistil, Frauen, Finale im Tokyo Aquatics Centre. Sarah Köhler aus Deutschland in Aktion. Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Der Kampf gegen den inneren Schweinehund.
© dpa, Michael Kappeler, nic sb

"Ich wollte unbedingt diese Medaille und habe versucht, den Schmerz zu ignorieren", sagte die 27-Jährige. Die tief gerührte Köhler warf Kusshände zu den Teamkollegen auf der Tribüne, wo die 15:42,91 Minuten lautstark bejubelt wurden.

"Ab 900 Metern etwa tat es richtig weh, irgendwann ist es ein Kampf gegen den inneren Schweinehund", berichtete Köhler im ZDF. Sie grüßte Britta Steffen, die in der Heimat mitgefiebert hatte. "Ich bin stolz wie eine ältere Schwester auf ihre jüngere. Sie hat das fantastisch gemeistert", erklärte Steffen. Auch Vater Ralf Köhler hat mitgefiebert und jubelt mit Tochter Sarah: "Für mich persönlich war's Gold. Es war absolut toll! Ich habe noch nie gesehen, dass bei ihr nach dem Wettkampf Tränen fließen. Ich glaube, sie war auch selbst überwältigt."

Der Sieg ging an Ledecky, die in 15:37,34 Minuten zu ihrem sechsten Olympiasieg schwamm. Silber sicherte sich Sullivan - dann kam Köhler, die rund sechs Sekunden unter ihrer deutschen Bestmarke blieb. "Ich weiß gerade selber nicht genau, was ich sagen soll. Ich habe die Chance einfach genutzt", sagte Köhler. Bei der Siegerehrung küsste sie ihre Medaille. Wenig später weinte sie auch in den Armen von Bundestrainer Bernd Berkhahn. (tno/dpa)