Sie wurde vor den Augen ihrer Kinder verhaftet!

Vierfachmutter aus Österreich saß wegen Brandstiftung 9 Monate unschuldig im Gefängnis

Österreich: Vierfachmutter Nicole Tösch wegen angeblicher Brandstiftung 9 Monate unschuldig in Haft 3
Österreich: Vierfachmutter Nicole Tösch wegen angeblicher Brandstiftung 9 Monate unschuldig in Haft 3
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18. Juni 2021 - 9:55 Uhr

Angebliche Brandstifterin aus Birkfeld in der Steiermark für 9 Monate von den eigenen Kindern getrennt

Nicole Tösch bekommt Schweißausbrüche, wenn sie Polizei- oder Feuerwehrsirenen nur hört. Eine rätselhafte Brandserie in ihrem Heimatort Birkfeld in Österreich hat ihr Leben und das ihrer Familie von heute auf morgen ruiniert. Die Polizei verdächtigt die 42-jährige, die Brandstifterin zu sein und verhaftet sie. 261 Tage muss die Vierfachmama im Gefängnis schmoren. Der Prozess endet mit einem Freispruch, aber das Leid der Familie nimmt damit kein Ende.

Mutter wird vor den Augen der eigenen Kinder verhaftet

Nicole Tösch
Österreich: Vierfachmutter Nicole Tösch wegen angeblicher Brandstiftung für 9 Monate unschuldig in Haft
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Ende März 2019 klicken die Handschellen. Nicole Tösch hat gerade noch Zeit, ihren vierjährigen Sohn in die Arme der ältesten Tochter zu geben. Dann wird sie von sechs Polizisten abgeführt. "Tschüss Mama, bis bald" ruft der Sohn seiner Mutter noch hinterher. Mit Schrecken erinnert sich die heute 42-jährige an ihre Verhaftung zurück. Was sie in diesem Moment nicht ahnt: Sie wird ihre vier Kinder für 261 Tage nicht mehr sehen.

Neun Monate von den eigenen Kindern getrennt

Mutter+Kinder, Brandstiftung
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Rückblende: Ende Dezember 2018 brennt ein Holzscheit vor dem Nachbarhaus, einen Tag später wird der Firmenwagen ihres Mannes angezündet. Wenige Tage später vernichtet ein Großbrand die Scheune eines Nachbarn. Dann bricht auch noch ein Schwelbrand im eigenen Keller aus. Obwohl es mehrere Verdächtige gibt, legt sich die Polizei schnell fest. Nicole Tösch soll die Brände alle selbst gelegt haben.

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Kontaktsperre und psychischer Druck

Mutter+Kinder, Brandstiftung
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"Das war alles so demütigend. Vor lauter Verzweiflung konnte ich nichts essen" schildert die 42-jährige ihre ersten Tage in der Justizvollzugsanstalt in Graz. In den Verhören sei psychischer Druck auf sie ausgeübt worden. Wenn sie nicht gestehe, käme sie für 10 Jahre hinter Gittern. Ihre Kinder würden dann vom Jugendamt betreut werden. Wie ihre Familie mit der Situation zuhause klarkommt, erfährt die Vierfachmutter lange Zeit nicht. Die Polizei hat eine Kontaktsperre verhängt.

Freispruch

Ihr Ehemann muss seinen Job kündigen, damit er sich um die Kinder kümmern kann. Die Großeltern unterstützen ihn dabei. Trotz finanzieller Schwierigkeiten schaltet der Ehemann einen Anwalt ein. Zum Glück für Nicole Tösch. Denn jetzt kommt Bewegung in die Sache. Zum Prozessauftakt im Dezember 2020 kommt sie endlich in Freiheit. Der zuständige Richter kann weder ein Motiv erkennen noch gibt es Tatbeweise.

Entschädigungsklage eingereicht

Die Rückkehr nach neun Monaten fällt allen nicht leicht. Die Kinder sind tief verunsichert, weil sie immer noch nicht verstehen können, was passiert ist. "Manchmal wachen die Kinder mitten in der Nacht auf, gehen ins Schlafzimmer und schauen, ob ich noch da bin" erzählt uns Nicole Tösch im Interview, während sie mit den Tränen kämpft. Sie hat inzwischen eine Entschädigungsklage eingereicht. Maximal 13.500 Euro stehen ihr für die verlorenen neun Monate in Haft zu. Eine echte Wiedergutmachung ist diese Summe nicht wirklich. "Meine Kinder werden ewig leiden und das kann kein Geld der Welt wiedergutmachen". (RRA)

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