Ökonom plädiert für gezielte Corona-Ansteckung

Junge Leute sollen sich absichtlich infizieren, um die Älteren zu schützen

Wenn junge Menschen sich gezielt mit dem Coronavirus anstecken, könnte das eine unkontrollierte Ausbreitung verhindern.
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12. März 2020 - 21:55 Uhr

Ungewöhnliche These von Ökonom Prof. Dr. Reiner Eichenberger

Weil die Ausbreitung des Coronavirus auch die Wirtschaft schwer belastet, hat der Züricher Ökonom und Wirtschaftsprofessor Prof. Dr. Reiner Eichenberger einen Vorschlag gemacht, der für Furore sorgen könnte: Gesunde, aktive Erwachsene könnten sich gezielt anstecken – denn je mehr Menschen das Coronavirus schon einmal hatten und damit immun sind, desto weniger könne es sich unkontrolliert verbreiten und alte und schwache Menschen gefährden.

Coronavirus ist „ein Tsunami, der ohnehin auf uns zurollt“

Fußballspiele und Großveranstaltungen werden abgesagt und ganze Länder unter Quarantäne gestellt: Derzeit setzt man alles daran, eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Laut Eichenberger wäre eine Vorwärtsstrategie aber besser: Das Coronavirus sei "ein Tsunami, der ohnehin auf uns zurollt und nicht aufgehalten werden kann", so der Ökonom im Gespräch mit RTL. Dieser könnte mit einer kontrollierten Ansteckung zumindest gelenkt werden. "Eine absichtliche Ansteckung muss aber natürlich medizinisch begleitet werden", macht er deutlich.

Geringerer Schaden durch klug gelenkte Durchseuchung

"Eine wilde Durchseuchung ist der Worst Case", sagt Eichenberger. Er plädiert stattdessen für eine klug gelenkte Durchseuchung: Je mehr Leute das Virus gehabt und sich wieder davon erholt haben, desto weniger könne es sich unkontrolliert ausbreiten und dann ältere und schwache Menschen gefährden, für die eine Infektion möglicherweise gravierendere Folgen hat.

Denn laut aktuellem Kenntnisstand sind die Chancen gering, ein zweites Mal am Coronavirus zu erkranken - es einmal gehabt zu haben, wirkt praktisch wie eine Impfung. Wer einmal infiziert war, sollte genügend Antikörper gebildet haben, um zumindest für eine Zeit lang gegen das Virus immun zu sein. Daher könne es laut Eichenberger sinnvoll sein, wenn sich die unter 65-Jährigen möglichst schnell infizieren, dann zwei Wochen lang zuhause bleiben und nach überstandener Erkrankung ihren Alltag wieder aufnehmen und sich frei bewegen können.

Coronavirus wird ältere Menschen sowieso erreichen

Dass diese Strategie ältere Menschen und andere Risikogruppen zusätzlich gefährden würde, glaubt Eichenberger nicht: Derzeit bremse man alles aus, um die Risikogruppe vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen – erreichen werde es sie aber ohnehin. Dann gebe es aber kaum Menschen, die sie pflegen können, ohne sich selbst und auch andere anzustecken. Haben sie das Virus dann schon gehabt und ausgestanden, habe sich dieses Problem erledigt.

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