November-Inflation bei 5,2 Prozent

So stark sind die Preise in den letzten 30 Jahren wirklich gestiegen

29. November 2021 - 14:33 Uhr

Preis-Schock geht auch im November weiter

Laut dem Statistischen Bundesamt beträgt die voraussichtliche Preissteigerung im November 2021 gut 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wie in den vergangenen Monaten treiben vor allem die Energiekosten die Inflation in die Höhe. Stellt sich die Frage: Ist wirklich alles teurer geworden? Eine Datenanalyse der Inflation seit 1991 der Kollegen von Stern.de gibt darüber Aufschluss. Außerdem zeigen wir im Video, wie Familie Pohl im Alltag erfolgreich versucht, die Inflation auszugleichen.

Woher stammen die Daten zur Berechnung der Teuerungsrate?

Zunächst muss man betrachten, wie die Inflationszahl von aktuell 5,2 Prozent zustande kommt. Um die Zahl zu berechnen, notieren Preiserheber der Statistischen Landesämter und des Wiesbadener Bundesamtes jeden Monat bundesweit, was Obst und Gemüse, Bücher und Zeitschriften, Schuhe oder Möbel kosten. Wie teuer ist eine Pauschalreise oder der Besuch beim Friseur? Erhoben werden die Preise für jeweils das gleiche Produkt in denselben Geschäften. Mehr als 300.000 Einzelpreise von Waren und Dienstleistungen werden repräsentativ nach einem stets gleichen Schema zusammengetragen. Ein Teil davon wird automatisiert über das Internet erfasst, zum Beispiel für online gehandelte Produkte. Wird ein Produkt nur noch selten, oder gar nicht mehr verkauft, wird es durch ein anderes ersetzt.

Die Einzelpreise werden zu rund 650 Güterarten zusammengefasst, die den sogenannten Warenkorb bilden. Auf dieser Grundlage berechnen die Statistiker die Entwicklung der Teuerung. Da Verbraucher nicht gleich viel beispielsweise für die Wohnungsmiete wie für Kleidung ausgeben, werden die einzelnen Posten unterschiedlich stark gewichtet. Kaltmieten machen knapp 20 Prozent das Warenkorbes aus. Einschließlich der Kosten fürs Heizen oder Strom sowie anderer Nebenkosten wie Abwasser- und Müllgebühren schlägt Wohnen mit mehr als 30 Prozent zu Buche. Ein weiterer großer Posten ist mit knapp 13 Prozent der Bereich Verkehr. Dazu zählen unter anderem die Preise für den Kauf eines Autos, den Besuch an der Tankstelle oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

30-Jahre-Überblick über Preise

Um zu überprüfen, ob die Preise für die tatsächliche Lebenshaltung wirklich so stark gestiegen sind macht es Sinn, die wichtigsten Inflationszahlen bei Waren und Dienstleistungen aus den Kategorien Nahrungsmittel, Bekleidung, Wohnung, Energie, Gesundheit und Verkehr genauer anzusehen – und zwar über die letzten 30 Jahre. Die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen hier, was wir auch aus dem täglichen Leben kennen: Besonders stark fand die Preissteigerung in den Bereichen Verkehr, Energie sowie Wohnen statt.

Ebenfalls stark angestiegen sind die Gesundheitskosten. Einen großen Sprung gab es dabei vor allem durch die Gesundheitsreform 2004. Unter anderem wurde damals die Praxisgebühr von 10 Euro pro Quartal eingeführt, außerdem mussten Patienten bei Arznei- und Hilfsmitteln 10 Prozent der Kosten zwischen 5 und 10 Euro selbst tragen. Die Kosten für nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel und Brillen mussten sogar komplett vom Patienten übernommen werden. Als die Praxisgebühr Anfang 2013 wieder abgeschafft wurde, sank auch die Inflationsrate im Gesundheitsbereich deutlich.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Nahrungsmittel als Preistreiber

In den letzten 15 Jahren kommen zudem Nahrungsmittel als Kostentreiber hinzu. Waren die Preise bis 2006 nur moderat um etwa 15 Prozent gegenüber 1991 gestiegen, hat sich die Preissteigerung seitdem drastisch erhöht: Im gleichen Zeitraum von 15 Jahren wurden die Preise für Lebensmittel nun um 45 Prozentpunkte teurer. In diesem Jahr sind zum Beispiel die Weizenpreise regelrecht explodiert, wodurch Backwaren und Nudeln im Preis zulegten.

Noch stärker stiegen im Vergleich allerdings zwei andere Kategorien an: Für Bildung müssen deutsche Bürger heute zweieinhalb Mal so viel Geld bezahlen wie noch 1991. Und auch die Preise für Genussmittel wie Tabak und Alkohol stiegen deutlich um mehr als 130 Prozent an.

Besonders eklatant war der Sprung bei der Inflation im Bildungsbereich im Jahr 2007. Das Statistische Bundesamt teilt dazu mit, dass die Änderungen "im Zeitraum 2007 bis 2013 vor allem in der Einführung und Abschaffung von Studiengebühren in den Bundesländern begründet" sind. Daneben würden sich
insbesondere in den letzten Jahren auch unterschiedliche Regelungen der Bundesländer beim Entgelt für Kindertagesbetreuung auf die Preisentwicklung auswirken.

Neben diesen für Verbraucher negativen Nachrichten gibt zumindest auch eine erfreuliche Ausnahme in den Statistiken von Destatis: Im Bereich Telekommunikation und Post sind die
Preise in den 90er Jahren zwar noch moderat angestiegen, danach kehrte sich der Trend allerdings um. Inzwischen bezahlt man aber deutlich weniger als noch 1991 für Internet, Telefon und Briefe. (dpa/aze)