Wegen nichts und wieder nichts

Notfallmediziner am Limit: Wehwehchen-Patienten bringen Notaufnahmen zum Kollaps

Lappalien bringen Notaufnahmen zum Kollaps Haar verschluckt, Vollrausch und Co.
10:09 min
Haar verschluckt, Vollrausch und Co.
Lappalien bringen Notaufnahmen zum Kollaps

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Es ist tiefe Nacht, der Hals kratzt, man fühlt sich etwas unwohl – ist das ein Fall für den Notarzt? Für viele Menschen in Deutschland offenbar schon. Diese Notfälle, die eigentlich gar keine sind, rauben dem Personal in den Notaufnahmen nicht nur die Nerven, sondern vor allem eines: Zeit. Zeit, die eigentlich für die richtigen Notfälle, wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle benötigt wird. Wir haben eine Nacht in der Notaufnahme des Uniklinikums Essen verbracht und den Ärzten dort über die Schulter geschaut. Mit welchen Lappalien sich das Klinikpersonal dort herumschlagen muss, zeigen wir Ihnen im Video.

Das sollten Sie stattdessen tun!

Zuerst einmal ist der Notarzt nicht die einzige Anlaufstelle für medizinische Notfälle. Es gibt auch noch den ärztlichen Bereitschaftsdienst, wie Dr. Clemens Kill, Chefarzt am Uniklinikum Essen, weiß. „Den gibt es flächendeckend in ganz Deutschland“, erklärt er im SternTV-Gespräch. Das sei auch der Auftrag der Kassenärzte: Rund um die Uhr auch eine Akutversorgung sicher zu stellen –inklusive Hausbesuchen.

Bloß ist die Notaufnahme bequemer. „Das ist der One-Stop-Shop. Da bekommen Sie in zwei Stunden fünf Facharztuntersuchungen“, so Kill. Normalerweise warte man für jede Untersuchung jeweils zwei Wochen. „Es ist doch völlig klar, dass man dann lieber in den Supermarkt der Medizin gehe, wo ich reinkomme, wo es nichts kostet und wo ich alles bekomme.“

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Doch wie sollte man sich nun verhalten, wenn man nachts hohes Fieber bekommt oder das Gefühl hat, mit dem eigenen Körper stimmt plötzlich etwas nicht? Dr. Yvonne Böger, Oberärztin am Uniklinikum Essen, empfiehlt zuerst einmal: ein Gefühl für den eigenen Körper entwickeln.

„Auch aus dieser Ängstlichkeit rauszukommen, dass jedes kleinste Symptom gleich etwas massiv Schlimmes sein könnte“, so Böger im SternTV-Gespräch. Manchmal reiche es auch schon, eine Ibuprofen zu nehmen, sich ins Bett zu legen und sich auszukurieren. Wenn das Fieber nach mehreren Tagen nicht besser werde, sei ein Arztbesuch angebracht, aber nicht die Notaufnahme. „Es gibt einfach genug Dinge, die man zu Hause tun kann.“ (jbü)