Ungewollte Küsse, Berührungen & unangebrachte Kommentare

Untersuchung: US-Gouverneur Andrew Cuomo soll mehrere Frauen sexuell belästigt haben

Andrew Cuomo hat sich schon im Vorfeld für mögliche "Fehlinterpretationen" seines Verhaltens entschuldigt, aber alle Vorwürfe zurückgewiesen und einen Rücktritt abgelehnt.
Andrew Cuomo hat sich schon im Vorfeld für mögliche "Fehlinterpretationen" seines Verhaltens entschuldigt, aber alle Vorwürfe zurückgewiesen und einen Rücktritt abgelehnt.
© deutsche presse agentur

03. August 2021 - 22:58 Uhr

Bei New Yorks Gouverneur Cuomo herrschte ein "Klima der Angst" für Mitarbeiterinnen

Ungewollte Küsse und Berührungen, unangebrachte Kommentare und eine "feindliche Arbeitsatmosphäre" mit einem "Klima der Angst": New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo soll einer Untersuchung zufolge mehrere Frauen sexuell belästigt haben. US-Präsident Joe Biden forderte seinen Parteifreund zum Rücktritt auf.

168 Seiten starke Untersuchung ergibt "sehr verstörendes, aber klares Bild"

"Wir stellen fest, dass der Gouverneur eine Reihe von früheren und derzeitigen Mitarbeiterinnen des Bundesstaats sexuell belästigt hat, indem er sie unter anderem ungewollt berührt hat, sowie beleidigende, sexuell-anzügliche Kommentare gemacht hat, die eine feindliche Arbeitsatmosphäre für Frauen geschaffen hat", heißt es in einem am Dienstag in New York von Generalstaatsanwältin Letitia James veröffentlichten 168 Seiten langen Bericht.

Für die Untersuchung sei mit 179 Zeugen gesprochen und rund 7.400 Beweismaterialien seien gesichtet worden, sagte James bei einer Pressekonferenz. Daraus sei "ein sehr verstörendes, aber klares Bild" von einem "verstörenden Verhaltensmuster" des Gouverneurs entstanden. Unter anderem habe es ungewollte Berührungen, Küsse, Umarmungen und unangebrachte Kommentare gegeben. Außerdem habe Cuomo eine für Frauen "feindliche Arbeitsatmosphäre" und ein "Klima der Angst" geschaffen. Die Anschuldigungen kommen vor allem von elf Frauen. "Ich glaube diesen Frauen und ich danke ihnen für ihren Mut", sagte James.

Der Absturz von Andrew Cuomo: Vom Corona-Helden zum Skandal-Gouverneur

Generalstaatsanwältin: "Der Bericht spricht für sich selbst"

Ihre Arbeit sei damit abgeschlossen, sagte die Generalstaatsanwältin weiter. "Der Bericht spricht für sich selbst." Es habe sich um eine zivile Untersuchung gehandelt, die nicht automatisch strafrechtliche Konsequenzen nach sich zöge – auch wenn sich diese auf Basis des veröffentlichten Beweismaterials separat ergeben könnten. "Die nächsten Schritte liegen beim Gouverneur, beim Parlament und bei der Öffentlichkeit."

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Cuomo wies die Vorwürfe erneut zurück

"Ich will, dass Sie direkt von mir hören, dass ich niemals jemanden unangemessen berührt oder mich jemandem unangemessen genähert habe", teilte Cuomo am Dienstag per Videobotschaft mit. "Das entspricht einfach nicht dem, der ich bin, oder der ich jemals war." Einen möglichen Rücktritt, den auch Parteigenossen immer wieder gefordert hatten, thematisierte Cuomo in der Videobotschaft nicht. Zuvor hatte sich der 63-Jährige für mögliche "Fehlinterpretationen" seines Verhaltens entschuldigt, aber alle Vorwürfe zurückgewiesen und einen Rücktritt mehrfach entschieden abgelehnt.

Generalstaatsanwältin James hatte daraufhin im März eine Untersuchung eingeleitet. US-Präsident Joe Biden hatte über seine Sprecherin erklären lassen, dass er die Untersuchung unterstütze. Cuomo hatte zugesagt, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten und war Medienberichten zufolge stundenlang von den Ermittlern befragt worden.

Corona-Pandemie: Cuomo anfangs ein Hoffnungsträger der Demokratischen Partei

Cuomo inszenierte sich als Gegenentwurf zum damaligen republikanischen Präsidenten Donald Trump. Fast täglich informierte er mit klaren Worten und Power-Point-Präsentationen über die Entwicklung des Infektionsgeschehens in seinem Bundesstaat und die Maßnahmen dagegen. Die Pressekonferenzen bekamen Kult-Status, wurden weltweit von Millionen Menschen live verfolgt – und der Gouverneur dafür schließlich sogar mit einem Emmy ausgezeichnet, dem wichtigsten Fernsehpreis der USA.

Der geschiedene Vater dreier erwachsener Töchter, dessen Vater Mario bereits zwischen 1983 und 1994 Gouverneur von New York war, ist seit 2011 im Amt – und war 2019 für eine dritte Amtszeit wiedergewählt worden.

Neben den Vorwürfen sexueller Belästigung droht Cuomo noch weiterer Ärger

Wegen nachträglich stark nach oben korrigierter Zahlen zu Todesfällen in Pflegeheimen in Zusammenhang mit der Pandemie geriet der Gouverneur in den Verdacht, das wahre Ausmaß des Dramas verschleiert zu haben. Auch soll er Kritiker aus der Politik aggressiv angegangen sein und versucht haben, sie einzuschüchtern. (dpa, sli)