Grüner Impfpass in Italien

Kommt der Pflichtnachweis auch bald in Deutschland?

06. August 2021 - 20:12 Uhr

Grüner Pass höchst umstritten

Seit heute gilt in Italien eine neue Corona-Regel. Wer in eine Pizzeria oder eine andere Gaststätte oder auch Kulturveranstaltungen besuchen will, muss sich mit dem "Grünen Pass" ausweisen. So heißt der neue Nachweis der italienischen Regierung, der zeigt, dass die Besucherin oder der Besucher mindestens einmal geimpft, genesen oder getestet ist. Doch obwohl er schon erste Erfolge zeigt, ist er höchst umstritten. Kann er trotzdem ein Vorbild für Deutschland sein?

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Passpflicht in der Gastronomie

Will man in Deutschland als Ungeimpfter in eine Innengastronomie, muss man immer seinen Testnachweis auf Papier oder als digitales Einzeldokument vorlegen. Das gehört in Italien heute der Vergangenheit an. Denn dort läuft seit heute alles über den "Grünen Pass". Was hier aber so praktisch klingt, ist hoch umstritten. Denn nicht nur für die Gastronomie, sondern auch beispielsweise für Museen und Thermen ist der Grüne Pass nun vorgeschrieben.

Ein Kritikpunkt: Jeder Betreiber muss die Einlasskontrollen selbst leisten und das geht vielen zu weit. "Wir haben keinerlei Anweisung von der Regierung bekommen, wie wir die Gäste um das Vorzeigen des Grünen Passes bitten sollen. Das ist doch beleidigend und dann sind die Gäste verärgert, wenn ich sie frage. Ich bin doch Kellner und kein Polizist", sagt der römische Restaurantbesitzer Ramazan Kavak im RTL-Interview. Er hat vor allem Angst, dass die Gäste dann lieber zu Hause bleiben, anstatt sich ausweisen zu müssen.

Würde er sich weigern seine Gäste zu überprüfen, droht ihm ein Bußgeld von 400 Euro – pro nicht kontrollierter Person.

Pass-Zwang für Lehrer

Aber die fehlende Unterstützung der Regierung ist nur ein Kritikpunkt. Denn viel größer ist der Unmut darüber, dass Lehrer in Italien nun dazu gezwungen werden, den "Grünen Pass" vorzulegen. Wer das nicht tut, wird innerhalb von fünf Tagen vom Dienst suspendiert und bekommt auch kein Gehalt mehr. Doch die italienische Regierung rechtfertigt diese Maßnahmen damit, dass die Schulen um jeden Preis offen gehalten werden sollen. "In dieser Phase ist es die Entscheidung der Regierung, in den Pass zu investieren, um Schließungen zu verhindern und die Freiheit zu schützen", sagt der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza.

Und so streng die Maßnahmen auch sind, der Erfolg scheint ihm Recht zu geben. Denn nach RTL-Informationen soll die Zahl der Impfungen im Zusammenhang mit der Einführung des Passes wieder gestiegen sein, nachdem sie ähnlich wie in Deutschland lange gesunken war.

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Deutsche Urlauber nicht betroffen

Deutsche Urlauber, die nach Italien reisen, müssen sich übrigens keine Gedanken um den "Grünen Pass" machen. Für Geimpfte reicht das digitale Impfzertifikat, das man nach der Impfung im Impfzentrum, in Apotheken oder beim Hausarzt bekommt. Allerdings sollte man darauf achten, dass das Zertifikat, wenn man es in eine entsprechende App lädt, auf Italienisch, Französisch, Englisch oder Spanisch verfügbar ist. Denn nur diese Sprachen erkennen die italienischen Behörden an.

Außerdem sind Hotels und der öffentliche Nahverkehr bisher von der Passpflicht ausgenommen. Wer allerdings in einem Hotelrestaurant drinnen essen will und dort nicht Gast ist, muss Nachweise vorlegen.

Ist der Pass also ein Vorbild für Deutschland?

Wenn es darum geht, dass man alle Impf- und Testnachweise in einer App zusammen hat, ist der "Grüne Pass" sicher eine Bereicherung. Wenn damit allerdings dieselben Einschränkungen einhergehen, wie in Deutschland, sollte sich das die Bundesregierung genau überlegen. Denn auch ohne neue Corona-Maßnahmen wächst der Unmut in der Bevölkerung schon wieder, wenn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nur laut über die kommenden Monate und den nahenden Herbst und Winter nachdenkt.

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