Echte Hilfe im Kampf gegen das Virus?

Neuer PCR-Test soll Corona-Mutationen sofort erkennen

Die Hamburger sanaGroup hat einen neuen PCR-Test auf den Markt gebracht, der Mutationen direkt erkennen soll.
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22. Januar 2021 - 21:17 Uhr

Bin ich an einer Corona-Mutation erkrankt? Test liefert Ergebnis in unter 2 Stunden

Wie schnell breiten sich die britische Coronavirus-Variante B1.1.7 sowie die südafrikanische Mutation B.1.351 in Deutschland aus? Diese Frage bereitet Bürgern, Politikern und Forschern aktuell große Sorge. Die Hamburger sanaGroup hat nun einen PCR-Test entwickelt, der schneller Auskunft darüber geben soll, ob ein Corona-Patient an einer bestimmten Mutation erkrankt ist. Es soll der erste Test dieser Art weltweit sein. Das Testergebnis soll nach Unternehmensangaben in unter zwei Stunden vorliegen. Wir haben uns von sanaGroup-Geschäftsführer Thomas Wüstefeld erklären lassen, wie genau das funktionieren soll.

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Test erkennt britische, südafrikanische und brasilianische Virusvariante

Der PCR-Test der Hamburger Firma sei mit den Informationen über die bisher bekanntere Mutationsarten ausgestattet worden, erklärt Thomas Wüstefeld, Geschäftsführer der sanaGroup, im Interview mit RTL. Dadurch sei der Test unter anderem in der Lage, die britische, die südafrikanische sowie die brasilianische Virusvariante in kürzester Zeit zu erkennen.

Doch wie genau funktioniert das? "Die Applikation ist relativ einfach", so Wüstefeld. "Wir machen den Mund-Nasen-Abstrich wie bisher auch, führen die PCR durch und sehen, ob ein Mensch positiv oder negativ ist. Dann nutzen wir diese Probe und machen einen zweiten Lauf." Dieser zweite Lauf suche dann ganz gezielt nach den bekannten Mutationsarten, so der CEO. "Wir lesen praktisch die Enzyme aus und stellen dann fest, um welche Art es sich bei der Mutation handelt." Das Ganze soll in unter zwei Stunden möglich sein. Das erste, Corona-positive oder -negative Testergebnis liege in 44 Minuten vor, so Wüstefeld. Das Testergebnis auf die genaue Mutation liege dann innerhalb einer weiteren Stunde vor.

Thomas Wüstefeld hofft, dass sei Test schon bald in Laboren genutzt werden kann. Am 22. Januar habe die sanaGroup den Antrag darauf gestellt, dass der PCR-Test in Europa und den USA als Medizinprodukt zugelassen wird. Innerhalb der nächsten Woche sollen fünf Millionen Tests produziert werden, um sie dann den Laboren schnell zur Verfügung stellen zu können.

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Thomas Wüstefeld, Geschäftsführer der sanaGroup, im RTL-Interview
Thomas Wüstefeld, Geschäftsführer der sanaGroup, erklärt im RTL-Interview, wie der neue PCR-Test funktioniert.
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Ist der Test wirklich eine Weltneuheit?

Wir haben Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, gefragt, wie er den neuen Test bewertet. Ist das Testverfahren wirklich eine Weltneuheit? "So neu ist das gar nicht", lautet das Urteil des Experten. Das Verfahren, mit speziellen Fragestellungen Virusmutationen zu identifizieren, gebe es bereits seit einiger Zeit.

Trotzdem sei ein solcher Test "eine gute Sache", so Dr. Zinn. Denn er helfe dabei, schneller herauszufinden, ob ein Patient an einer bestimmten Mutante erkrankt ist. "Aber es ist wirklich nur ein ganz zielgerichteter Blick. Andere Virusvarianten, die wir mit einer großen Sequenzierung erkennen würden, die würden wir dabei übersehen."

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Wie werden Mutationen bisher nachgewiesen?

Für den Nachweis von Mutationen gebe es bislang zwei Systeme, nach denen man vorgeht, erklärt uns Dr. Zinn. "Das eine ist: Ich gucke ganz gezielt nach einzelnen Veränderungen. Man guckt zum Beispiel nach einzelnen Genveränderungen bei der englischen Variante oder bei der südafrikanischen Variante." In diese Kategorie ordnet der Hygiene-Experte auch den Test der sanaGroup ein.

Als zweite Möglichkeit gebe es die Sequenzierung, so Dr. Zinn. "Man guckt sich jedes Virus an und überprüft es auf alle Genveränderungen." Dabei könne man auch Genveränderungen erkennen, die nicht nur die britische oder südafrikanische Variante ausmachen, sondern gegebenenfalls auch eine völlig andere Virus-Mutation.

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