Dritter Bahnstreik

GDL legt ab Donnerstag wieder Bahnverkehr in ganz Deutschland lahm

News Bilder des Tages Zweiter Streik der GDL Lokführer innerhalb weniger Tage. Infotafel im Hauptbahnhof Stuttgart. Auf
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© imago images/Arnulf Hettrich, Arnulf Hettrich via www.imago-images.de, www.imago-images.de

31. August 2021 - 12:20 Uhr

Tarifstreit: GDL geht auf maximalen Crash-Kurs

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat jetzt ihren dritten Streik bei der Deutschen Bahn angekündigt: Donnerstagfrüh ab 2 Uhr wird wieder der Großteil des Personenverkehrs stillgelegt, der Streik soll diesmal bis zum 7. September um 2 Uhr früh gehen. Und wieder müssen sich Millionen Reisende auf massive Einschränkungen vor allem im Fernverkehr einstellen. Was die Kundinnen und Kunden besonders ärgern dürfte und immer offensichtlicher wird: Der GDL-Führung geht es bei dem Streik nicht nur um bessere Tarifbedingungen, sondern um Macht und Einfluss.

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GDL geht es um Macht und Einfluss - auf Kosten der Kundinnen und Kunden

Nach zwei Streiks in den vergangenen Wochen hatte die Gewerkschaft bereits mit weiteren Arbeitskämpfen gedroht. Sie setzt sich für eine höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten ein. Dabei hat die Deutsche Bahn bereits ein Angebot gemacht, das fast die Forderungen erfüllt. Immer offensichtlicher wird bei der Konfrontation, dass es der GDL-Führung um Claus Weselsky vor allem um Macht und Einfluss bei der Deutschen Bahn geht.

 Claus Weselsky, Bundesvorsitzender der GDL, Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, informiert bei der Pressekonferenz über das weitere Vorgehen im Arbeitskampf mit der Deutschen Bahn, DB im DDV Forum am 20.08.21 in Berlin Claus Weselsky GDL gibt Pr
GDL-Chef Claus Weselsky stellt die Machtfrage.
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Denn die GDL-Führung will den laufenden Tarifkonflikt bei der Bahn offensichtlich nutzen, um ihren Einflussbereich auszuweiten: Die Gewerkschaft will nicht nur wie bisher die Lokführerinnen und Lokführer vertreten, sondern auch Beschäftigte in der Fahrzeuginstandhaltung, der Fahrweginstandhaltung, in den Netzbetrieben und auch in der allgemeinen Verwaltung. Die GDL will den laufenden Tarifkonflikt bei der Bahn also auch nutzen, um im Konkurrenzkampf mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zu punkten.

Im Gegensatz zur GDL hat die EVG mit der Deutsche Bahn bereits seit vergangenem Herbst einen Tarifabschluss bis Februar 2023 erzielt. Wegen des Fahrgast-Einbruchs in der Corona-Krise und der hohen Verluste der Bahn hatte sich die EVG auf eine Nullrunde für das Jahr 2021 eingelassen. Die Lokführer wollen aber die höheren Tabellengehälter und eine Corona-Prämie bereits in diesem Jahr. Und die GDL-Führung will den Bahn-Mitarbeitern offenbar zeigen, wer härter im Austeilen ist. "Gerade in Betrieben, in denen es keine offensichtliche Mehrheitsverhältnisse gibt, könnten Arbeitskämpfe selber zum Terrain von Mitgliederwerbung werden", erläutert Florian Rödl, Arbeitsrechtler an der Freien Universität Berlin. "Gewerkschaften könnten versucht sein, durch Arbeitskämpfe die Mehrheitsverhältnisse zu ändern."

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Bahn-Chef Lutz kritisiert GDL-Umgangston

Auch für die Deutsche Bahn geht es bei dem Streik um mehr als Geld. Bahn-Chef Richard Lutz hat nach dem zweiten GDL-Streik den Umgangston im Tarifkonflikt scharf kritisiert. Wie GDL-Chef Claus Weselsky agiere und vor allem rede, sei "absolutes Gift für das Zusammengehörigkeitsgefühl der Eisenbahnerfamilie", sagte Lutz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Da werden gerade Wunden geschlagen, die nur schwer wieder verheilen."

ARCHIV - 28.03.2019, Berlin: Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bahn AG spricht bei der Bilanz- Pressekonferenz. (zu dpa: «Bahnchef Lutz: Weselsky schlägt schwer heilbare Wunden») Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bahn-Chef Richard Lutz kritisiert den Umgangston beim Tarifkonflikt.
© dpa, Michael Kappeler, mkx cvi axs kno vco kde

Weselsky unterscheide bei der Bahn zwischen ehrenwerten und unehrenwerten Berufen und meine mit Letzterem auch Tausende Führungskräfte. "Diese haben in der Krise auf viel Geld verzichtet. Denen jetzt vorzuwerfen, dass sie sich die Taschen vollstopfen, ist unredlich und schlicht falsch." Der GDL-Chef versuche bewusst, die Belegschaft zu spalten.

"Würde es nur um tarifliche Fragen gehen, hätten wir schnell eine Einigung", sagte Lutz. In Wahrheit aber wolle die GDL der größeren EVG Mitglieder abjagen, um selbst mehr Einfluss zu bekommen. "Die GDL-Spitze hat sich mit ihrer Expansionsstrategie verrannt", so Lutz. Das klingt nicht nach einer schnellen Einigung. (aze)