Mehr Freiheiten für "3G"

Neue Corona-Verordnung: Was ändert sich jetzt in Niedersachsen?

Für Geimpfte, Getestete und Genesene sollen in Niedersachsen künftig nur noch wenige Einschränkungen gelten.
Für Geimpfte, Getestete und Genesene sollen in Niedersachsen künftig nur noch wenige Einschränkungen gelten.
© imago images/Schöning, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

24. August 2021 - 14:36 Uhr

Darauf müssen sich die Niedersachsen jetzt einstellen

Wer nicht gegen das Coronavirus geimpft oder erst kürzlich von einer Covid-19-Erkrankung genesen ist, wird sich künftig in vielen Lebensbereichen auf Corona-Tests einstellen müssen. Gleichzeitig verliert die 7-Tage-Inzidenz als Indikator für Verschärfungen der Corona-Regeln an Bedeutung. Das sieht die neue Corona-Verordnung vor, die die niedersächsische Landesregierung am Dienstag (13.00 Uhr) vorgestellt hat. Am Mittwoch tritt sie in Kraft.

Anzahl der Corona-Erkrankten in Kliniken spielt zentrale Rolle

Mit der Verordnung rückt Niedersachsen vom bisherigen Stufenplan ab. Die drei neuen Warnstufen orientieren sich nun nicht mehr allein an der Sieben-Tage-Inzidenz. Berücksichtigt werden neben der Häufigkeit der gemeldeten Corona-Fälle nun auch die Indikatoren "Hospitalisierung" und "Intensivbetten".

  • Mit "Hospitalisierung" ist die landesweite Zahl der im Krankenhaus behandelten Covid-19-Fälle je 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen gemeint (Sieben-Tage-Hospitalisierungs-Inzidenz).
  • Der Indikator "Intensivbetten" bestimmt sich nach dem prozentualen Anteil der mit Covid-19-Patienten belegten Intensivbetten gemessen an der gesamten Intensivbettenkapazität.

Wenn zwei der drei Indikatoren an fünf aufeinander folgenden Tagen die in der Verordnung festgelegten Schwellenwerte überschreiten, soll in einem Landkreis ab dem übernächsten Tag die entsprechende Warnstufe gelten. Wenn dagegen allein der Inzidenzwert steigt und sich das Infektionsgeschehen räumlich begrenzen lässt, kann der Landkreis sich gegen das Ausrufen der nächsten Warnstufe entscheiden.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Das sind die neuen Warnstufen

Die Warnstufe 1 tritt ein, wenn die Inzidenz bei 35 bis 100 Neuinfinzierten pro 100.000 Einwohnern liegt, 6 bis 9 Personen pro 100.000 Einwohner in Krankenhäuser eingeliefert wurden und eine Belegung der Intensivbetten von 5 bis 10 Prozent besteht.

Die Warnstufe 2 gilt bei einer Inzidenz zwischen 100 und 200. Im Krankenhaus liegen 9 bis 12 Menschen pro 100.000 Einwohner oder es sind zwischen 10 und 20 Prozent der Intensivbetten mit Corona-Erkrankten belegt.

Die Warnstufe 3 beschreibt einen Inzidenzwert von über 200. Außerdem sind mehr als 20 Prozent der Intensivbetten mit Corona-Erkrankten belegt oder mehr als 12 Menschen pro 100.000 Einwohnern werden wegen Covid-19 in Krankenhäusern behandelt.

Mehr Freiheiten für Geimpfte, Genesene und Getestete

Ab der ersten Warnstufe oder bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 50 soll dem Entwurf zufolge der Zugang zu bestimmten Einrichtungen und Veranstaltungen auf geimpfte, genesene und getestete Menschen beschränkt werden – das ist die sogenannte "3G"-Regel. "Geimpfte und Genesene sind in der Corona-Pandemie künftig im Wesentlichen nicht mehr von Einschränkungen betroffen", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bei der Vorstellung der neuen Corona-Verordnung am Dienstag in Hannover. Für die Ungeimpften werde das Leben hingegen aufwendiger. Wer dagegen nicht gegen das Coronavirus geimpft oder kürzlich genesen ist, muss sich testen lassen, bevor er zum Beispiel den Innenbereich eines Restaurants, Hotels oder Fitnessstudios betreten darf. Die bisher kostenlosen Corona-Bürgertests werde es ab Oktober nicht mehr geben. Für Ungeimpfte und Nicht-Genesen erhöhe sich perspektivisch der finanzielle und logistische Aufwand.

Was passiert, wenn die Warnstufen 2 und 3 erreicht werden, ist in der Verordnung bisher nicht definiert. Das soll erst dann geschehen, wenn das Infektionsgeschehen wieder stark zunimmt.

Weil spricht von einem "Systemwechsel"

Unabhängig vom Infektionsgeschehen soll die 3G-Regel außerdem in Bereichen gelten, in denen ein hohes Risiko für Mehrfachansteckungen besteht - etwa bei Großveranstaltungen oder in Diskotheken. Kontrolliert werden soll die Nachweise von Veranstaltern und Betreibern. Mit der neuen Verordnung wolle die Landesregierung einen "Systemwechsel" vornehmen, so Weil. Die Verhältnisse hätten sich verändert, deshalb müsse auch die Grundlage der Verordnung zur Pandemiebekämpfung eine andere sein. Einerseits stiegen die Infektionszahlen, gleichzeitig sei aber die Mehrheit der Menschen in Niedersachsen geimpft. "Für die Mehrheit der Bevölkerung besteht kein nennenswertes Risiko mehr und geht auch keines mehr von ihnen aus".

Die Maskenpflicht bleibt

Eine strikte Maskenpflicht gilt weiterhin für alle. Die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung gilt außerdem nicht nur im öffentlichen Nahverkehr, sondern zum Beispiel auch bei privaten Feiern im Innenraum, wenn mehr als 25 Menschen zusammenkommen, die keines der 3G erfüllen. Außerdem werden Abstands- und Hygieneregeln genauso wie Kontaktnachverfolgung und Hygienekonzepte weiterhin als notwendig erachtet. Die Verordnung gilt zunächst bis zum 22. September und soll regelmäßig überprüft werden. (dpa/lzi)