Rechtsextremismus

Neonazis unter Druck: Innenminister fordern Verbot von Combat 18

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16. September 2019 - 14:28 Uhr

Lübcke-Tod rückt Rechtsextreme in den Fokus

In ihren Videos zeigen sich Mitglieder der Neonazi-Gruppe "Combat 18" gerne bedrohlich in schwarzen Klamotten und maskiert mit Sturmhauben. Lange Zeit kann die Gruppe weitgehend unbehelligt in Deutschland existieren. Doch nach der Ermordung des CDU-Politikers Walter Lübcke durch einen Rechtsextremisten gerät "Combat 18" verstärkt in den Blick der Politik.

Polizei findet Munition und Bomben-Anleitungen

ARCHIV - 27.10.2003, Schleswig-Holstein, Kiel: Sichergestellte Waffen und ein Schild der kriminellen Neonazi-Gruppe «Combat 18» liegen im schleswig-holsteinischen Landeskriminalamt (LKA). Der niedersächsische Innenminister Pistorius (SPD) pocht auf e
Die Innenminister von Niedersachsen, Thüringen und Hessen fordern nun ein Verbot der Neonazi-Gruppe. (Archivbild)
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Die Innenminister von Niedersachsen, Thüringen und Hessen fordern nun ein Verbot der Neonazi-Gruppe. "Wenn wir Combat 18 verfassungsfest verbieten können, sollten wir das so schnell wie möglich tun", sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius der "tageszeitung". Sein Amtskollege aus Thüringen springt ihm bei: "Sollte der Bund ein Verbotsverfahren auf den Weg bringen, begrüße und unterstütze ich dieses ausdrücklich", sagte Innenminister Georg Maier.

Doch was steckt eigentlich hinter "Combat 18"? "Combat" ist Englisch und steht für Kampf. Die "18" gilt als Code für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet, also A und H. Dies sind die Initialien von Adolf Hitler. Combat 18 wurde Anfang der 90er Jahre in Großbritannien gegründet. Mittlerweile ist die Gruppierung in vielen Ländern Europas aktiv, auch in Deutschland.

Wie gefährlich die Neonazis sind, zeigen zwei Fälle aus Deutschland. 2003 fand die Polizei bei einer Durchsuchung einer Gruppe, die sich selbst "Combat 18 Pinneberg" nannte, Listen mit Namen von Politikern und Anleitungen zum Bombenbau. Vor zwei Jahren schnappte die Polizei zwölf Mitglieder der Gruppe "Combat 18 Deutschland" an der tschechischen Grenze. Die Rechtsextremen kamen gerade von einem Schießtraining und hatten Gewehrmunition bei sich.

In Kanada steht "Combat 18" auf der Terrorliste

Ein deutschlandweites Verbot von "Combat 18" wäre Sache des Bundesinnenministeriums. Ein Sprecher der Behörde wollte sich auf Anfrage der "tageszeitung" nicht direkt zu dem Thema äußern. Allerdings hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer schon vor einigen Monaten angekündigt, ein Verbot prüfen zu lassen. In anderen Ländern ist man da schon weiter. Kanada setzte "Combat 18" bereits im Juni auf seine Terrorliste.