Arzneimittelkommission warnt Eltern und Apotheker

Nasentropfen für Babys? Vorsicht - im schlimmsten Fall droht Koma!

14. September 2020 - 20:24 Uhr

Abschwellende Nasentropfen können bei Säuglingen heftige Nebenwirkungen hervorrufen

Rezeptfreie Nasentropfen können für Babys gefährlich werden. Mögliche Nebenwirkungen können im schlimmsten Fall sogar zum Atemstillstand oder Koma führen. Genau das erlebte Stefanie Stein im November 2017 bei ihrer Tochter Scarlett im Alter von drei Monaten. Das Baby musste wegen eines Kreislaufstillstands in die Kinderklink. Als Ursache gerieten schnell handelsübliche Nasentropfen für Säuglinge und Kleinkinder in Verdacht.

Mutter Stefanie Stein: "Ich hab wirklich gedacht, mein Kind ist tot - das war's"

Wegen eines Schnupfens hatte der Kinderarzt Scarlett abschwellende Nasentropfen verordnet. Ein Standard-Medikament, von dem Stefanie Stein ihrem Baby pro Nasenloch einen Tropfen vor dem Schlafen gab.

Kurz darauf sackte Scarlett regelrecht in sich zusammen. "Ihr Kopf war nach hinten gefallen und ihr Gesicht war weiß, sie hatte einen starren Blick und schaute nach oben. Eine Pupillenreaktion war in dem Moment gar nicht da", erinnert sich die junge Mutter, die als Krankenschwester auf einer Intensivstation arbeitet und weiß, wann es für Patienten kritisch wird. "Ich hab wirklich gedacht, mein Kind ist tot - das war's", sagt Stefanie Stein. Sie sprang auf und zwickte das Baby, schrie, und nach einigen Minuten zwinkerte Scarlett tatsächlich wieder. Das Mädchen kam sofort ins Krankenhaus. Dort war der behandelnden Ärztin schnell der mögliche Zusammenhang zwischen den Nasentropfen und dem Kreislaufkollaps klar.

Pharmafirmen, Ärzte und Apotheken kennen die seltenen Nebenwirkungen

Die seltenen Nebenwirkungen von rezeptfreien Nasentropfen bei Babys sind Ärzten und Apothekern seit Jahren bekannt. "Nasentropfen wirken bei kleinen Kindern nicht nur lokal in der Nase, sie gehen ins Blut. Der Wirkstoff kann ins Gehirn gelangen, dort den Kreislauf herunterfahren und dafür sorgen, dass die Atmung schlechter wird", erklärt der Mediziner Professor Wolfgang Rascher vom Uni-Klinikum Erlangen. Besonders riskant sind demnach die verbreiteten Wirkstoffe Xylometazolin und Oxymetazolin. Rascher warnt: Im schlimmsten Fall droht Koma, selbst bei korrekter Anwendung.

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Apotheker-Arzneimittelkommission warnt vor Fehldosierung

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) warnte daher erst im Januar dieses Jahres vor den möglichen Fehldosierungen durch das Produkt "Otriven gegen Schnupfen 0,025 Prozent Nasentropfen für Säuglinge". Die AMK berichtet auf ihrer Homepage: "Eine meldende Apotheke wurde von mehreren Eltern bzw. Erziehungsberechtigten darauf aufmerksam gemacht, dass die zuverlässige Gabe der empfohlenen Menge an Tropfen mit der beiliegenden Pipettenmontur schwierig umzusetzen sei, insbesondere bei der Applikation an unruhige Kinder." Daher könne es passieren, dass zu viele Tropfen in die Nase der Babys gelangen. Aber schon bei der empfohlenen Dosis – zwei- bis dreimal täglich ein Tropfen in jede Nasenöffnung – können laut Arzneimittelkommission schwere Nebenwirkungen wie Atemstillstand auftreten.

Doch der Hersteller GlaxoSmithKline weist darauf hin, dass die Pipette vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte überprüft und zugelassen worden sei: "In den letzten drei Jahren ist uns ein einziges schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis gemeldet worden, bei über 11 Millionen verkauften Packungen in diesem Zeitraum." Außerdem habe man die Warnhinweise deutlicher formuliert und die maximale Dosierung sichtbarer gedruckt, erklärte der Hersteller.

Zum Glück: Scarlett überlebte und wurde wieder gesund!

Bei Scarlett hatte der Kinderarzt laut ihrer Mutter jedoch Nasentropfen verordnet, ohne mögliche Gefahren vorher anzusprechen. Warum? Eine Antwort blieb ihr der Kinderarzt danach schuldig. Stefanie Stein hielt sich an die maximale Dosierung, gab dem Mädchen pro Nasenloch nur einen Tropfen vor dem Schlafen. Die damals drei Monate alte Scarlett überstand den Kreislaufstillstand und wurde wieder völlig gesund. Zum Glück, denn das ist nicht selbstverständlich. Zuvor schwebte das Kind in echter Lebensgefahr.

Es gibt Alternativen: Salzlösung und Inhalator

Eltern, die ihre Babys einem solchen Risiko möglichst gar nicht aussetzen wollen, können zwei Alternativen probieren. Um den kleinen Schnupfennasen ein wenig zu helfen, lassen sich auch Meersalz-Sprays oder Inhalatoren einsetzen. Beide wirken zwar nicht abschwellend, befeuchten aber die Schleimhäute. Im Video ganz oben erfahren Sie mehr über die Hintergründe und was Eltern beachten sollten.

Hier sind weitere Alternativen für Nasentropfen für Babys aufgeführt.