Pipette soll keine richtige Dosierung zulassen

Apotheker warnt vor Otriven Baby-Nasentropfen - Atemstillstand möglich

Bei der Anwendung von Otriven Nasentropfen ist Vorsicht geboten!
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29. Januar 2020 - 12:03 Uhr

Apotheker fordert Verbot von Otriven Baby-Nasentropfen

Hilfe, mein Baby hat eine verstopfte Nase! Viele Eltern greifen in diesem Fall zu den abschwellenden Nasentropfen "Otriven® gegen Schnupfen". Schließlich ist das Medikament speziell für Säuglinge gemacht! Doch nun warnt die Arzneimittelkommision (AMK) davor, dass der Gebrauch der Pipette schnell zu einer Überdosierung führen könne, die schlimme Nebenwirkungen mit sich ziehen könnte. Die AMK bittet nun Apotheken, Eltern über die Risiken aufzuklären und die korrekte Anwendung vorzuführen. Ein Apotheker findet jedoch: Das reicht nicht – das Medikament müsse verboten werden.

Keine Striche auf Pipette

Grund für die Warnung der AMK ist die neue Pipette der Nasentropfen. Auf dieser sei keine auszureichende Graduierung oder Skalierung vorhanden, die die korrekte Dosierung angibt, so der Detmolder Apotheker Gunnar Müller laut dem Internetportal "Apotheke Adhoc". "Wenn die AMK über das Risiko der Überdosierung informiert, ist das eine Sache, aber sie soll bitte nicht die Apotheken zur Demonstration des ordnungsgemäßen Gebrauch auffordern, denn dies ist schlichtweg nicht möglich", erklärt Müller.

Gerade bei unruhigen Babys oder wenn beim Aufziehen der Pipette viel Druck ausgeübt werde, komme es schnell zur Überdosierung.

Was kann im Falle einer Nasentropfen-Überdosierung passieren?

Laut AMK enthielten Nasentropfen zur Anwendung bei Säuglingen und Kleinkindern bereits einen Warnhinweis, der über schwere Nebenwirkungen (wie Atemstillstand) bei Neugeborenen und jungen Säuglingen informiere. "Diese können bereits bei der Applikation von zwei- bis dreimal täglich ein Tropfen in jede Nasenöffnung auftreten", heißt es.

Weitere bekannte Nebenwirkungen der abschwellenden Nasentropfen umfassen laut "wize.life":

  • Herzklopfen
  • Bluthochdruck
  • Herzrhythmusstörungen
  • Halluzinationen

Falls Sie die Nasentropfen von Otriven bei Ihrem Baby verwenden, sollten Sie zuvor entweder den Apotheker oder Ihren Kinderarzt bitten, Ihnen die korrekte Anwendung vorzuführen. 

Was sagt der Hersteller dazu?

In einer Stellungnahme der Firma heißt es, dass bei der Applikation von Arzneimitteln an Säuglinge allgemein erhöhte Vorsicht geboten sei und Medikamente an Kinder unter einem Jahr ein Arzt anwesend sein sollte. Treten keine unerwünschten Ereignisse auf, könne das Arzneimittel für weitere Behandlungen – unter Beachtung der Indikation und der Anwendungshinweise – auch ohne ärztliche Aufsicht durch das pharmazeutische Personal in der Apotheke abgegeben werden.

Eine Beratung hinsichtlich der potentiellen Risiken sollte jederzeit erfolgen, heißt es im Informationsblatt der AMK. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) teile auf Nachfrage der AMK diese Ansichten.

Nicht nur mit Otriven steht ein beliebtes Medikament im Verdacht, gefährliche Nebenwirkungen hervorzurufen. Auch zu Ibuprofen greifen viele Menschen wie selbstverständlich. Doch eine junge Kölnerin kostete das Schmerzmittel fast das Leben. Hier erklären wir, was ihr passiert ist.