Akutes Leberversagen durch Schmerztabletten

Stefanie Schmitz (27) aus Köln: Ibuprofen kostete sie fast das Leben

Nach der Einnahme von Ibuprofen landet die Kölnerin Sabrina Schmitz mit akutem Leberversagen in der Klinik.
Nach der Einnahme von Ibuprofen landet die Kölnerin Sabrina Schmitz mit akutem Leberversagen in der Klinik.
© Stefanie Schmitz

05. Juni 2020 - 14:46 Uhr

Die Einnahme von Ibuprofen hat sie fast mit dem Leben bezahlt

Ob Kopfschmerzen, Fieber oder Rückenschmerzen - wenn es im Körper zwickt und zwackt, ist der Griff zu Ibuprofen nicht weit. Damit, dass das Schmerzmittel lebensgefährliche Nebenwirkungen haben kann, rechnet man dabei nicht. Doch genau diese Erfahrung machte die junge Kölnerin Stefanie Schmitz. Nach der Einnahme von Ibuprofen landete die 27-Jährige mit heftigen Bauchschmerzen im Krankenhaus. Nur wenig später rang Stefanie mit dem Tod.

Akutes Leberversagen durch Ibuprofen

Bis zum 17. März 2019 lebt Stefanie Schmitz das ganze normale Leben einer jungen Frau: Sie hat einen tollen Job, ist verliebt und genießt den Feierabend mit ihren Freunden. Doch am besagten Märztag nimmt das Leben der Kölnerin eine 180-Grad-Wende, die sie fast mit ihrem Leben bezahlt hätte. "Ich ging mit Bauchschmerzen zu meiner Ärztin. Meine Haut färbte sich gelb", schreibt sie auf ihrem Facebook-Account.

Nachdem die Ärztin ihr Blut abnimmt, geht alles ganz schnell. Mit viel zu hohen Leberwerten kommt Stefanie in die Uniklinik Köln. Gerade noch rechtzeitig. 76 Stunden später wäre die junge Frau an akuten Leberversagen verstorben, wie sie auf Facebook berichtet. Und das alles wegen der Einnahme von Ibuprofen, so die Diagnose der Ärzte nach einer Leberbiopsie.

Nach eigenen Angaben nahm sie nicht viel Ibuprofen

Stefanie hatte vorher schon einmal erhöhte Leberwerte, was aber nicht entdeckt wurde. Nach eigenen Angaben hatte die Kölnerin nicht viele Ibuprofen-Tabletten genommen: "Immer nur eine. Dann aber entweder die 600er oder 800er", sagt sie im Interview mit "Der Westen". Zu den Tabletten griff sie bei Beschwerden wie Regelschmerzen, Kopfschmerzen oder Nasennebenhöhlenentzündungen.

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Stefanie brauchte dringend eine Spenderleber

Die Ärzte konnten Stefanie vor dem Tod bewahren, ihr altes Leben wird sie aber nicht mehr zurückbekommen. Über drei Monate lag sie in der Klinik, nahm über 30 Kilogramm ab, zweimal stieß ihr Körper die alte Leber ab. Sie brauchte dringend eine Spenderleber. Am 16. August endlich der lang ersehnte Anruf der Klinik: Eine Spenderleber ist gefunden! Diese konnte ihr erfolgreich transplantiert werden. Ihre Werte sind mittlerweile so gut, dass sie laut "Der Westen" bald aus dem Krankenhaus entlassen werden kann.

In ihren alten Beruf wird die zahnmedizinische Fachangestellte aber nicht mehr zurückkehren können, wie sie "Der Westen" erzählt. Zu hoch sei die Gefahr, in der Praxis mit Keimen in Berührung zu kommen. Ein Leben wird die Kölnerin auf Immunsuppressiva angewiesen sein. Bald will sie eine Umschulung machen und in einen Bürojob wechseln.

Gefährliche Nebenwirkungen durch Ibuprofen?

Frau mit Ibuprofen.
Ibuprofen gehört zu den am häufigsten eingesetzten Arzneimitteln in Deutschland.
© iStockphoto

Ibuprofen ist ein Wirkstoff, der überwiegend zur Behandlung von leichten bis mittelstarken Schmerzen, zur Bekämpfung von Fieber und Entzündungen eingesetzt wird. Eine Selbstmedikation mit Ibuprofen sollte nur maximal drei Tage lang erfolgen. Bei Entzündungen im Magen-Darm-Bereich, Magengeschwüren sowie chronischen Darmerkrankungen sollte Ibuprofen gar nicht eingenommen werden. Zudem sollte auf eine Behandlung bei eingeschränkter Funktion von Leber und Nieren sowie bei Asthma oder chronischen Atemwegserkrankungen verzichtet werden.

Dennoch ist laut einer ersten Einschätzung der Deutschen Leberhilfe eine derartige Reaktion der Leber auf Ibuprofen, wie es bei Stefanie der Fall war, sehr unwahrscheinlich. Laut einer US-amerikanischen Studie gebe es pro 100.000 Verschreibungen des Medikaments 1,0 bis 1,6 solcher Fälle mit Leberschäden. Paracetamol sei laut den Studienergebnissen ein für die Leber "weitaus gefährlicheres" Medikament.