Nach umstrittenen Aussagen zu Depressionen

Boris Becker rudert zurück: "Gesundheit ist das wichtigste Gut"

Boris Becker
Boris Becker
© dpa, Hendrik Schmidt, hsc cul kay

02. Juli 2021 - 12:32 Uhr

Becker: Falsch zitiert worden

Waren diese Aussagen wirklich nur ein Missverständnis? Weil die viermalige Grand-Slam-Siegerin Naomi Osaka wegen Depressionen in diesem Jahr auf ihren Start beim Wimbledon-Turnier verzichtet, musste sie von Deutschlands Tennis-Legende Boris Becker harsche Kritik einstecken. "Ist das wirklich Druck, den sie hat? Ist es nicht eher Druck, wenn du kein Essen auf dem Teller hast? Wenn du deine Familie ernähren musst und keinen Job hast? Du bist 23, du bist gesund, du bist reich, deiner Familie geht's gut - wo ist da der verdammte Druck?", polterte Becker.

Teresa Enke, Witwe des früheren deutschen Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke und Vorsitzende der Robert-Enke-Stiftung zeigte sich fassungslos: "Lieber Boris Becker, Dein Ernst? Naomi Osaka ist momentan nicht gesund! Depression ist keine Frage von Geld, Erfolg oder Luxus - Depression ist eine Krankheit, die leider jeden erwischen kann."

Auch Waltraud Rinke, Vorsitzende der Deutschen DepressionsLiga, einer aktiven Patientenvertretung für an Depressionen erkrankten Menschen, kritisierte den ehemaligen Tennisprofi in einem offenen Brief. Becker solle seine Aussagen überdenken und zurücknehmen, forderte sie.

Boris Becker ruderte jetzt in einem Instagam-Statement tatsächlich zurück und stellt klar: Er sei falsch zitiert worden.

"Ich habe Naomi geraten, eine Pause zu machen"

"Sehr geehrte Frau Rinke, vielen Dank für ihren offenen Brief an mich und meine Chance, Ihnen zu antworten", beginnt Becker sein Statement. "Leider wurde ich (wieder einmal) von einer Zeitung (The Times) falsch zitiert", erklärte Becker. Er habe wiederholt seine Sorgen geäußerte, denn: "Depressionen sind eine ganz tückische Krankheit", so der 53-Jährige. Er habe vor Jahren selbst ein Familiemitglied an die Krankheit verloren und wisse, dass Gesundheit das wichtigste Gut sei: "Ich habe Naomi geraten eine Pause zu machen, professionelle Hilfe zu suchen und erst wieder zurück zum Tennisplatz zu kehren, wenn sie es kann. Leider schaffte es diese Aussage nicht zur Schlagzeile, also wurde eine falsche erfunden."

(lhö)

Wenn Sie Selbstmordgedanken haben, wenden Sie sich bitte sofort an die Telefonseelsorge (www.frnd.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erreichen Sie Menschen, die Ihnen die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.