Nach Verbalattacke auf Osaka

Teresa Enke kritisiert Boris Becker scharf: „Dein Ernst?“

Teresa Enke, Witwe des früheren deutschen Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke, leitet eine nach ihrem Mann benannte Stiftung, die unter anderem die Erforschung und Behandlung von Depressionen finanziert
Teresa Enke, Witwe des früheren deutschen Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke, leitet eine nach ihrem Mann benannte Stiftung, die unter anderem die Erforschung und Behandlung von Depressionen finanziert
© dpa, Hauke-Christian Dittrich, hcd tba exa

01. Juli 2021 - 17:23 Uhr

Witwe von Robert Enke fassungslos

Für Teresa Enke, Witwe des früheren deutschen Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke, sind die Aussagen von Tennis-Idol Boris Becker über die viermalige Grand-Slam-Siegerin Naomi Osaka unfassbar. "Lieber Boris Becker, Dein Ernst?", schreibt die Vorstandsvorsitzende der Robert-Enke-Stiftung zu Beginn einer Pressemitteilung, in der sie Becker scharf kritisiert.

Enke bietet Becker Nachhilfeunterricht an

"Naomi Osaka ist nicht gesund! Depression ist keine Frage von Geld, Erfolg oder Luxus - Depression ist eine Krankheit, die leider jeden erwischen kann", schreibt die 45-Jährige weiter und bot Becker Nachhilfeunterricht in Sachen Depressionen an. "Es ist ein Thema, das über eine leichtfertig getroffene Aussage hinaus geht. Melde Dich gerne bei uns, für Aufklärung stehen wir als Robert-Enke-Stiftung jederzeit zur Verfügung."

Teresa Enkes Ehemann, der Fußball-Profi Robert Enke litt an Depressionen und nahm sich 2009 das Leben. Die von ihr geleitet Stiftung setzt sich für einen offenen und vorurteilsfreien Umgang mit Depressionen und finanziert die Erforschung und Behandlung der Krankheit.

Beckers Angriff auf Osaka: "Ist das wirklich Druck?"

ARCHIV - 14.10.2020, Sachsen-Anhalt, Dessau-Roßlau: Boris Becker, ehemaliger Tennis-Profi, ist Gast der Veranstaltungsreihe «Anhalt Sport trifft Legenden». (zu dpa «Boris Becker zur Insolvenz: Darf die Hälfte meiner Einkünfte behalten») Foto: Hendrik
Boris Becker über Naomi Osaka: "Wo ist da der verdammte Druck?"
© dpa, Hendrik Schmidt, hsc cul kde alf

Auch die 23-jährige Osaka leidet nach eigenen Angaben seit mehr als drei Jahren an Depressionen. Die Weltranglistenzweite macht dafür auch medialen Druck verantwortlich, dem sie sich ausgesetzt fühlt. Aus diesem Grund sagte die je zweimalige US- und Australian-Open-Siegerin nach ihrer Aufgabe bei den French Open auch ihre Teilnahme am derzeit laufenden Wimbledon-Turnier ab.

Becker hatte die Japanerin in einem Interview mit der Zeitung "The Times" scharf angegangen: "Ist das wirklich Druck, den sie hat? Ist es nicht eher Druck, wenn du kein Essen auf dem Teller hast? Wenn du deine Familie ernähren musst und keinen Job hast? Du bist 23, du bist gesund, du bist reich, deiner Familie geht's gut - wo ist da der verdammte Druck?"

Wenn man mit den Medien nicht umgehen könne, sei es schwierig, professioneller Tennisspieler zu sein. "Man hat es nicht immer gerne – aber man muss sich damit einfach arrangieren und klarkommen", sagte Becker.

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"Eine psychische Erkrankung kann jeden treffen"

Teresa Enke machte deutlich, dass der ehemalige Tennis-Star überhaupt nicht wisse, über was er spricht: "Boris Becker verkennt, dass es u.a. zum Krankheitsbild der Depression gehören kann, Ruhe und eben keinen Druck für die Genesung zu brauchen. Boris Becker würde wohl kaum einer Tennis-Spielerin vorwerfen, nicht Tennis zu spielen, wenn sich diese das Handgelenk gebrochen hat", betonte Enke.

"Eine psychische Erkrankung kann jeden treffen – unabhängig von Lebensumständen. Wichtig ist es, dass Betroffene ernst genommen werden und die Erkrankung frühzeitig behandelt wird", schreibt sie abschließend. (dpa/sid/wwi)

Wenn Sie Selbstmordgedanken haben, wenden Sie sich bitte sofort an die Telefonseelsorge (www.frnd.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erreichen Sie Menschen, die Ihnen die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.