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Nach Hamburg geflohene Journalistin aus Kabul bittet die Welt, Afghanistan nicht zu verlassen

Einst flüchtete sie nach Deutschland, jetzt bangt sie um ihre Familie

Geflohene Journalistin bittet die Welt, Afghanistan nicht allein zu lassen

Farah lebt in Hamburg und musste vor fünf Jahren aus Afghanistan vor den Taliban fliehen.
Farah lebt in Hamburg und musste vor fünf Jahren aus Afghanistan vor den Taliban fliehen.
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„Es gibt keine Zukunft“

Vor fünf Jahren flieht Farah nach Deutschland, weil sie in Afghanistan als Journalistin verfolgt wird. Schon damals fürchtet ihre Familie die Taliban. Dort studierte sie persische Literatur und arbeitete als Moderatorin und Reporterin in Kabul. Jetzt hat sie Angst um ihre Familie, erklärt sie unserer RTL-Reporterin am Montagnachmittag in einem Interview: „Ich bin körperlich in Deutschland und mit dem Herzen in Afghanistan“, sagt die in Hamburg lebende und für ein Medienunternehmen arbeitende Afghanin.

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Kabul sei wie ein Gefängnis

Ihre Mutter gehe in Afghanistan nicht mehr vor die Tür und will alle Dokumente zu ihrer geflüchteten Tochter vernichten, die den Kontakt zu ihr beweisen. Ihre Schwester ist dort Politikerin und muss sich jetzt bei einer Bekannten verstecken und auch ihre Brüder tauchen unter. Farah ist der Meinung, man dürfe Afghanistan nicht allein lassen. Sie sagt Kabul und Afghanistan sei wie ein Gefängnis geworden. Andere Länder würden sich entwickeln, aber in Afghanistan entwickle sich alles seit 20 Jahren zurück.

Frauen dürfen sich nicht entwickeln

Farah lebt in Hamburg und musste vor fünf Jahren aus Afghanistan vor den Taliban fliehen.
Farah im RTL-Interview in Hamburg.
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Unter den Taliban könnten Menschen nicht frei atmen, versucht Farah in gebrochenem Deutsch die politische Situation mit den Taliban zu beschreiben. Die Taliban hätten die Universität zugemacht, die Frauen dürften nicht zur Uni gehen, sie müssten warten, bis neue Regeln von der Taliban kommen. „Ich weiß genau, die Frauen dürfen sich nicht entwickeln, sie dürfen nicht weiterkommen“ und fügt hinzu: „Es gibt keine Zukunft.“

Farah kann die Nachrichten nicht ertragen

„Ich habe gestern geweint und gedacht: soll ich heute zur Arbeit“, erklärt sie uns im Interview. Sie ist verzweifelt, sie möchte sich aktuell keine Mitteilungen auf Facebook anschauen, sie möchte keine Nachrichten lesen. Farah hat einfach Angst vor den schrecklichen Neuigkeiten. Sie habe ihrer Familie nicht geschrieben, weil sie keine schlechten Antworten lesen möchte, sagt sie verzweifelt mit Tränen in den Augen unserer Reporterin.

"Es tut weh"

„Es tut weh, ich kann nicht akzeptieren, was in meinem Land passiert. Über 20 Jahre lang, haben wir Straßen aufgebaut, wir haben Gebäude aufgebaut, wir haben wirklich ein System aufgebaut“, sagt Farah und ergänzt, dass jetzt alles weg sei. Als Ex-Journalistin, als Frauenstimme bittet sie die Welt, Afghanistan nicht den Taliban zu überlassen. (nid)