Nach Zoff um Nutzungsbedingungen

WhatsApp-Chef kündigt neue Funktionen an

14. Juni 2021 - 15:29 Uhr

Werbekampagne soll Abwanderung von WhatsApp verhindern

Was für ein monatelanger Hickhack: Erst verlangt WhatsApp von seinen Nutzern die Zustimmung der neuen Nutzungsbedingungen und droht mit der Sperre von Funktionen, nach massiven Protesten dann der Rückzieher: Die Zustimmung soll freiwillig erfolgen, es werden keine Funktionen gesperrt. Doch viele Nutzer haben inzwischen die Schnauze voll von WhatsApp und satteln um: Messenger wie Signal erfreuen sich inzwischen großer Beliebtheit. Jetzt versucht WhatsApp mit einer Werbekampagne die Abwanderung zu verhindern – und der Chef persönlich macht auf Schönwetter und kündigt neue Funktionen an.

WhatsApp stellt Einmalnachrichten vor

Zu den neuen Funktionen gehört die Möglichkeit, Nachrichten zu verschicken, die vom Empfänger nur einmal angesehen werden können. Das könne zum Beispiel nützlich sein, wenn man Familienmitgliedern ein Passwort schicken muss, sagte WhatsApp-Chef Will Cathcart.

Auch wird man voreinstellen können, dass neue Chats nach einer bestimmten Zeit von alleine verschwinden. Er gehe davon aus, dass dieser Modus bei vielen Leuten populär sein werde, sagte Cathcart. "Die Menschen wollen insgesamt nicht, dass ihre Nachrichten für immer erhalten bleiben", betonte er. "Wenn wir uns unterhalten, haben wir kein Aufnahmegerät dabei. Insofern ist es seltsam, dass digitale Chat-Plattformen die für immer speichern." Die Möglichkeit, Chats nach einer Woche verschwinden zu lassen, stellte WhatsApp bereits im vergangenen Jahr vor.

Die zu Facebook gehörende Firma startet am Montag eine Anzeigenkampagne zum Datenschutz in Deutschland und Großbritannien, die zu ihren wichtigsten Märkten gehören. Die kurzen Werbevideos heben hervor, dass bei WhatsApp verschickte Inhalte dank der sogenannten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung grundsätzlich nur für die beteiligten Nutzer im Klartext sichtbar sind.

WhatsApp-Chef räumte Fehler ein

WhatsApp hatte in den vergangenen Monaten nach der Ankündigung neuer Nutzungsregeln aber mit Kritik und einer Abwanderung von Nutzern zu anderen Messenger-Diensten kämpfen. Auslöser war die Einschätzung, dass mit dem Mitte Mai in Kraft getretenen Update mehr Daten mit der Konzernmutter Facebook geteilt werden sollen. WhatsApp wies dies als Missverständnis zurück und betonte wiederholt, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, mit der auch der Dienst selbst keinen Zugang zu Inhalten habe, nicht aufgeweicht werde.

Der WhatsApp-Chef räumte Fehler bei der Ankündigung der neuen Regeln ein. "Wir müssen klar kommunizieren, was wir machen und warum." Dies habe WhatsApp verpasst. "Wir wurden erst klarer, als wir die Verwirrung sahen. Das geht auf unsere Kappe", sagte Cathcart. Eine Werbekampagne für Ende-zu-Ende-Verschlüsselung habe WhatsApp zwar schon vorher geplant. Aber nach der Kontroverse der vergangenen Monate habe man noch mehr Gründe, darüber zu sprechen.

Inzwischen habe ein überwiegender Großteil der rund 2 Milliarden Nutzer, die bereits nach ihrer Zustimmung zu den neuen Regeln gefragt wurden, sie akzeptiert, sagte Cathcart. Genaue Zahlen nannte er nicht. Einige hätten die Anfrage nach Zustimmung noch nicht erhalten.

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Deutsche Datenschutz-Behörde hat Verarbeitung von WhatsApp-Daten untersagt

Ursprünglich sollten Nutzer, die den neuen Regeln nicht zustimmen, mit der Zeit den Zugriff auf Grundfunktionen verlieren. Inzwischen drohen ihnen keine Konsequenzen mehr. Nur die neuen Funktionen zur Kommunikation mit Unternehmen wird man lediglich nach Zustimmung zum Update nutzen können. WhatsApp zufolge waren sie der zentrale Grund für die Änderung der Nutzungsbedingungen.

Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar schritt dennoch ein und erließ Mitte Mai vorsorglich eine Anordnung, mit der Facebook die Verarbeitung von WhatsApp-Daten deutscher Nutzer untersagt wurde. Sie gilt für drei Monate, weil in Europa für Facebook eigentlich die irische Datenschutz-Behörde zuständig ist. Caspar warnt unter anderem, dass mit den neuen Nutzungsbedingungen ein Einsatz von Daten zur Verbindung mit Produkten von Facebook-Unternehmen möglich gemacht werde.

Die Kommunikation zwischen Unternehmen und ihren Kunden ist der aktuelle Plan, wie Facebook schließlich Geld mit WhatsApp verdienen will. Das weltgrößte Online-Netzwerk übernahm WhatsApp 2014 für am Ende rund 22 Milliarden Dollar. Mit dem Kauf nahm Facebook zwar einen potenziellen Rivalen vom Markt, der Dienst trug bisher aber kaum zum Konzerngewinn bei. (dpa/aze)

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