Hamburger Datenschützer warnt vor WhatsApp-Update

"Stoppt den WhatsApp-Datenklau!"

Protest vor Facebook-Zentrale gegen WhatsApp-Datennutzung
Protest vor Facebook-Zentrale gegen WhatsApp-Datennutzung
© dpa, Daniel Reinhardt, dan kde

14. Mai 2021 - 14:41 Uhr

Datenschutzbeauftragter will Weiterverarbeitung verbieten

Ab dem 15. Mai gelten bei WhatsApp neue Nutzungsbedingungen – und die stehen hart in der Kritik! Denn WhatsApp will künftig den Datenaustausch mit Facebook erweitern und das wiederum könne die Tür für einen stärkeren Datenaustausch mit anderen Facebook-Unternehmen öffnen, das fürchtet der Landesdatenschutzbeauftragte Johannes Caspar aus Hamburg. Doch wer dem nicht zustimmen möchte – der kann den Messengerdienst künftig nur noch eingeschränkt nutzen.

Aus Sicht des Datenschützers Caspar ein klares Vergehen – er will das Vorhaben des Chat-Riesen verbieten!

Das gilt ab dem 15. Mai bei WhatsApp

Bei WhatsApp gelten von diesem Samstag (15.05.) an neue Datenschutz-Bedingungen. Nutzer, die dem Update nicht zugestimmt haben, sollen zunächst weiter ohne Einschränkungen auf den Chatdienst zugreifen können, so der Konzern. Doch schon einige Wochen später soll der Funktionsumfang des Messengerdienstes erst eingeschränkt – und dann sogar gar nicht mehr nutzbar sein.In dieser ganzen Zeit sollen die Nutzer immer wieder daran erinnert werden, den Änderungen zuzustimmen.

Datenschützer warnt vor massenhafter Profilbildung

Der geplante Datenaustausch sowie das Vorgehen von WhatsApp und Facebook stehen nach Auffassung der Hamburger Datenschutzbehörde nicht im Einklang mit den Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

Johannes Caspar, Hamburgischer Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, dazu: "Es gilt, Nachteile und Schäden, die mit einem derartigen Black-Box-Verfahren verbunden sind, zu verhindern. Die Datenschutz-Skandale der letzten Jahre von "Cambridge Analytica" bis hin zu dem kürzlich bekannt geworden Datenleck, von dem mehr als 500 Millionen Facebook-Nutzer betroffen waren, zeigen das Ausmaß und die Gefahren, die von einer massenhaften Profilbildung ausgehen. Das betrifft nicht allein die Privatsphäre, sondern auch die Möglichkeit, Profile zur Beeinflussung von Wählerentscheidungen einzusetzen, um demokratische Entscheidungen zu manipulieren."

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Gefahr für Bundestagswahl 2021

Die Gefahr sei nach Caspar angesichts von fast 60 Millionen Nutzerinnen und Nutzern von WhatsApp mit Blick auf die in Deutschland im September 2021 anstehenden Bundestagswahlen umso konkreter, da diese Begehrlichkeiten nach Beeinflussung der Meinungsbildung seitens der Anzeigekunden von Facebook wecken werden.

Die nun erlassene Anordnung bezieht sich auf die Weiterverarbeitung von WhatsApp-Nutzerdaten und richtet sich an die Adresse von Facebook. "Die weltweite Kritik gegen die neuen Nutzungsbedingungen sollte Anlass geben, den Zustimmungsmechanismus noch einmal grundlegend zu überdenken. Ohne Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer kann auf Dauer kein auf Daten gegründetes Geschäftsmodell erfolgreich sein", weiß Caspar.

WhatsApp bestreitet Vorwürfe

WhatsApp wiederum betont, es gehe lediglich darum, die Basis für mehr Kommunikation mit Unternehmen zu legen. Mit der Aktualisierung sei keine erweiterte Datenweitergabe an Facebook vorgesehen. Bei den Änderungen gehe es vor allem darum, bessere Möglichkeiten für Kommunikation mit Unternehmen zu schaffen. Auch an der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, mit der Chat-Inhalte nur für die teilnehmenden Nutzer im Klartext sichtbar sind, werde nicht gerüttelt.

Außerhalb der EU fließen bereits seit 2016 einige WhatsApp-Nutzerdaten an Facebook, zu Werbezwecken oder zur Verbesserung von Produkten.

Protest in Hamburg

Den weltweiten Protest hört – und sieht – man heute auch in Hamburg. Die Bürgerbewegung Campact hat heute in der Innenstadt zu mehr Datenschutz aufgerufen: Mit einer Protestaktion sorgte die Bewegung heute für ordentlich Aufsehen direkt vor der Facebook-Zentrale. Aus dem Gebäude winden sich dicke Schläuche. Sie saugen riesigen Smartphone-Aufstellern, die auf dem Gehweg stehen, die Daten ab. Schilder und ein Banner mit der Aufschrift "Stoppt den WhatsApp-Datenklau" machen die Forderungen nach transparenter Datenpolitik und einem Widerspruchsrecht für WhatsApp-Nutzerinnen und Nutzer sichtbar.

FST

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