Mordprozess gegen Paralympics-Star: Pistorius plädiert auf "nicht schuldig"

14. Mai 2014 - 19:49 Uhr

Zeugin belastet Pistorius schwer

Der erste Tag des spektakulären Mordprozesses gegen Oscar Pistorius in Südafrika ist beendet. Der Paralympic-Star plädierte auf 'nicht schuldig'. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 'Bladerunner' vor, seine Freundin Reeva Steenkamp am 14. Februar 2013 in seiner Villa in einem Nobelvorort von Pretoria durch die geschlossene Badezimmertür erschossen und dabei mit voller Absicht gehandelt zu haben. Pistorius behauptet, er habe hinter der Tür einen Einbrecher vermutet.

Der Mordprozess um Oscar Pistorius hat begonnen.
Pistorius sichtlich emotional vor Gericht: Eine Zeugin belastet den Paralympics-Star schwer.
© dpa, Themba Hadebe

Gleich die erste Zeugin der Anklage hat den 27-Jährigen beim Prozessauftakt schwer belastet. Eine Nachbarin sagte aus, in der Tatnacht "entsetzliche Schreie" einer Frau gehört zu haben. Unmittelbar danach seien vier Schüsse gefallen. "Ich habe im Bett gesessen und ihre Schreie gehört", sagte die Frau, die 177 Meter von Pistorius' Haus entfernt lebt. "Sie hat schrecklich geschrien und um Hilfe gerufen. Dann habe ich auch Hilferufe eines Mannes gehört." Zwischen den Schüssen habe es eine größere Pause gegeben, so die Zeugin. Der beinamputierte Pistorius hatte bisher stets behauptet, es habe keinen Streit mit Steenkamp gegeben. Auch will er die tödlichen Schüsse durch eine verschlossene Badezimmertür in der späten Nacht kurz hintereinander abgegeben haben.

Nachdem eine Staatsanwältin die Anklageschrift, in der Pistorius "die unrechtmäßige und absichtliche Tötung von Reeva Steenkamp" vorgeworfen wird, verlesen hatte, antwortete der 27-Jährige: "Nicht schuldig, Mylady." Pistorius war sichtlich angespannt und nervös im Gerichtsgebäude eingetroffen. Erstmals seit der Tragödie traf er dort auf die Mutter des getöteten Models. June Steenkamp ließ Pistorius keine Sekunde aus den Augen und suchte ständig Blickkontakt, den der Angeklagte vermied.

Pistorius "schießwütig und aggressiv"?

Pistorius soll die teuersten Anwälte engagiert haben, um seine Unschuld zu beweisen. "Wir müssen beobachten, ob das nicht ein weiterer Fall ist, in dem sich ein reicher weißer Mann freikauft", sagt Soziologin Sarah Nuttall. Februar 2013 hatte er seine Freundin Reeva Steenkamp in seinem Haus in Pretoria durch eine verschlossene Badezimmertür erschossen, angeblich weil er sie für einen Einbrecher gehalten hatte. Das Waffengesetz in Südafrika sei dabei im Vergleich zum deutschen Recht "relativ lax was den Gebrauch von Schusswaffen angeht", berichtet RTL-Reporterin Nicole Macheroux-Denault. So sei es unter Umständen erlaubt, sich mit einer Schusswaffe zu verteidigen, wenn jemand ins eigene Haus eingedrungen ist.

Der mit Spannung erwartete Prozess wurde mit einstündiger Verspätung eröffnet, nachdem ein Dolmetscher nicht rechtzeitig im Gerichtssaal eingetroffen war. Den Vorsitz hat Richterin Tholozile Masipa, die in dem auf knapp drei Wochen angesetzten Prozess aller Voraussicht nach am 20. März das Urteil sprechen wird. Erstmals in der südafrikanischen Geschichte wird ein Mordprozess in großen Teilen live im Fernsehen übertragen. Etwa 300 Journalisten aus aller Welt wollen berichten.

Bei dem Indizienprozess wird es in starkem Maße um die Glaubwürdigkeit des Angeklagten gehen. Die jüngste Ausstrahlung eines Videos, das Pistorius an einem Schießstand zeigt, scheint die Staatsanwaltschaft zu bestätigen, die den 27-Jährigen als aggressiv und schießwütig darstellt.

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