Jörg K. war dabei, als Franz die Stäbe durchsägte

Mörder Norman Volker Franz seit über 20 Jahren auf der Flucht: Jetzt redet sein Zellengenosse

18. März 2021 - 15:10 Uhr

Interpol fahndet in 194 Ländern

Es ist eine Story wie aus dem Wilden Westen oder wie wir sie von Lucky Luke und den Daltons kennen. Aber unterhaltsam ist diese Geschichte überhaupt nicht, eher verstörend und furchteinflößend.

Seit nunmehr 24 Jahren ist der Mörder und Schwerverbrecher Norman Volker Franz auf der Flucht. Schon zweimal brach der Gewalttäter aus Gefängnissen aus, jedes Mal sägte er mit in die JVA geschmuggelten Feilen die Stäbe seiner Zelle durch und floh. Seit dem 23. Februar 2021 fahndet Interpol nun in 194 Ländern nach dem 51-Jährigen. RTL konnte mit seinem damaligen Zellengenossen Jörg K. sprechen, der bei dem ersten Ausbruch im Jahr im März 1997 dabei war, als Franz die Gitter durchsägte. Im Video erzählt er, wie er von Franz mit dem Tode bedroht wurde.

Jörg K. saß in der Zelle während Franz die Stäbe durchsägte

K. war tatsächlich dabei, als der verurteilte Doppelmörder Franz die Stäbe der Zelle durchfeilte. Franz drohte, ihn umzubringen und eine Handgranate in das Haus seiner Angehörigen zu werfen, sollte er das Wachpersonal verständigen. Mit einer Handgranate, die Franz in ein Auto warf, hatte er auch den Doppelmord begangen. Damals, im Mai 1995, tötete er zwei Polen. Einer war nach dem Handgranatenwurf sofort tot, einen zweiten erschoss er auf der Flucht.

Franz wurde gefasst und landete in der JVA Hagen – in einer kleinen gemeinsamen Zelle mit Jörg K. "Am Anfang erschien er mir ganz sympathisch", erzählt K. "Es ist unter Gefangenen üblich, dass man sich bei Zusammenlegung gegenseitig sagt, warum man einsitzt. Das war bei ihm angsteinflößend. Später wurde er immer aggressiver, drohte mir. Er wollte sofort raus aus der JVA, ich sollte mit ihm ausbrechen, aber ich sagte ihm, ich will nicht und habe auch schon den Großteil meiner Strafe absolviert", so K.

Dem Anstaltspersonal die Fluchtpläne seines Zellengenossen mitzuteilen, traute sich K. nicht. "Zu denen hatte ich ja auch kein Vertrauen", sagt er im Gespräch mit RTL.

Ständige Drohungen gegen den Zellen-Genossen

"Ich habe gesehen, wie er die Stäbe durchgesägt hat. Ich habe ihn beobachtet und hatte dabei große Angst. Er hat auch damit gedroht, meine Eltern umbringen zu lassen", so K., der unter Franz' ständigen Gewaltandrohungen litt. "Er sagte, er würde eine Handgranate in das Schlafzimmer meiner Eltern werfen oder werfen lassen."

"Er hat etwa drei bis vier Stunden gebraucht, die Gitterstäbe durchzufeilen. Dabei hat er mich maßgeblich unter Druck gesetzt und gedroht, mich umzubringen, sollte ich die Notrufanlage betätigen. Es ist ja auch das Versäumnis des Beamten, der oben auf einer Kanzel Nachtschicht hatte", sagt K., der kein gutes Haar an der JVA Hagen lässt.

"Mit einem Messer, das wir in der Anstalt haben, kann man keine Stäbe durchsägen", sagt er. Die Utensilien wurden also in die JVA hineingeschleust. "Eine gewissenhafte Amtsausführung hätte dazu geführt, dass der Ausbruch hätte verhindert werden können", so der ehemalige Häftling, der das Ende seiner Strafe in Niedersachsen absaß, wo die Wiedereingliederung nach seiner Meinung erheblich besser funktioniert.

Kritik an den Behörden: "Was hat die BKA-Zielfahndung da 24 Jahre lang gemacht?“

Jörg K. übt heftige Kritik an den Behörden.
Jörg K., ehemaliger Mithäftling von Norman Volker Franz.

Nach seiner Flucht offenbarte sich die kriminelle Energie des Verbrechers erst richtig. Franz ist dringend verdächtig, im März 1997 in Weimar und im Juli 1997 in Halle Raubüberfälle begangen und dabei drei Menschen erschossen zu haben.

1998 wurde er in Portugal gefasst und brach erneut mit einer Feile aus dem Gefängnis in Lissabon aus. Seitdem ist Franz untergetaucht.

K. übt heftige Kritik an den Behörden: "Wenn ich sehe, dass so ein gefährlicher Mann seit 24 Jahren nicht gefasst wird, was hat die BKA-Zielfahndung da 24 Jahre lang gemacht?" Nun also wird weltweit nach Norman Volker Franz gefahndet.

Weitere Infos zur Suche nach Norman Volker Franz

Franz gilt als gewalttätig, wahrscheinlich ist er bewaffnet. Er zählt zu den meistgesuchten und gefährlichsten Verbrechern Deutschlands. Auf entscheidende Hinweise zu seinem Aufenthaltsort ist eine Belohnung von 25.000 Euro ausgesetzt.

Bis zu seiner Festnahme am 24.10.1998 in Albufeira (Portugal) hat er dort zusammen mit seiner Frau und dem gemeinsamen Kind gelebt. Seit seiner erneuten Flucht am 28. Juli 1999 aus dem Zentralgefängnis von Lissabon (Portugal) wird nach Franz weltweit wegen fünffachen Mordes gefahndet.

Darüber hinaus erfolgt eine Veröffentlichung der Fahndung erstmals für die Polizei des Landes Nordrhein-Westfalen international auf der EUROPOL-Website (EMW) "Europe's Most Wanted".

Weitergehende Informationen finden sich auf Homepage des Bundeskriminalamtes hier.

Hinweise nimmt das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen unter 0211 / 939-6521 oder der Email poststelle.lka@polizei.nrw.de entgegen.

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