Schumis großer Rivale im Interview

Hill über entscheidenden Crash mit Schumacher: "Ich denke, er wusste, was er zu tun hatte"

14. November 2019 - 9:38 Uhr

Hill erinnert sich an Adelaide-Showdown: "Musste angreifen"

Er war Michael Schumachers großer Rivale um die Weltmeisterschaft 1994: Damon Hill. In einem der dramatischsten Saisonfinals der Formel-1-Geschichte in Adelaide verlor der Brite den Titelkampf gegen seinen deutschen Rivalen - wegen eines jämmerlichen Pünktchens und einer bis heute umstrittenen Kollision mit Schumacher. Wir haben Hill anlässlich der Michael-Schumacher-Story (Mittwoch, ab 20.15 Uhr bei RTL und ab 21.15 Uhr online zum Abruf bei TVNOW) zum Interview getroffen. Die F1-Legende spricht über die Ausgangslage vor dem WM-Showdown in Adelaide, den verhängnisvollen Crash mit Schumacher - und eine morgendliche Begegnung im Hotel.

Schumacher "teutonisch und mit scharfem Verstand"

Für den arrivierten, aber lange unterschätzten Hill war der junge Deutsche 1994 eine Herausforderung allererster Güte. "Es war schwer, Michael zu lesen. Ich wusste nicht, wie er fühlt. Er war sehr ernst, auf eine kühle und unemotionale Weise teutonisch, sehr professionell und von scharfem Verstand. Und er war sehr auf sich fokussiert, ohne auf die anderen zu achten. Das war sehr selbstbewusst, manchmal kam es auch arrogant rüber. Für uns Fahrer war es schon ein kleiner Schock, als Michael auftauchte", erinnert sich Hill an den damals 25-jährigen Schumacher.

Er selbst sei nicht so selbstbewusst gewesen wie Schumacher, sagt Hill. Ein Grund: Der Tod Ayrton Sennas, der bei Williams die klare Nummer 1 war. "Ich hatte meine Position geerbt, weil Ayrton gestorben war. Ich fühlte mich, als sollte ich nicht da sein. Es sollte Ayrton sein." ​

"Michael war wie ein Schleifstein"

Mit seinem Können und seiner kompromisslosen Art habe Schumacher letztlich aber das Beste aus ihm herausgeholt, so Hill. "Michael war so etwas wie der Schleifstein zum Schärfen eines Messers. Durch ihn fuhr ich auf einem anderen Level, weil ich es musste. Sonst hätte er mich zerstört. Es war großartig!"

Zwei Jahre nach seiner Niederlage im WM-Duell mit Schumacher war Hill am Ziel. 1996 wurde er überlegen Weltmeister - und zwar schon vor dem letzten Rennen.