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Corona-Mutation lässt Bundesregierung bei den Beschränkungen wohl nochmal aufs Gaspedal drücken

"Nichts zu tun würde bedeuten, dass es in sechs bis acht Wochen hier wie in Großbritannien und Irland wäre"

20. Januar 2021 - 9:14 Uhr

Wegen neuer Corona-Variation fordern Experten härteren Lockdown

Mehr als 7.000 neue Corona-Fälle und 214 Todesfälle. Wer hätte damit gerechnet, trotz Wochenende? Sind die recht niedrigen RKI-Zahlen etwa der erste Hinweis, dass die bestehenden Lockdown-Maßnahmen wirken? Gesundheitsexperten rechnen wegen der Virus-Mutante allerdings mit steigenden Zahlen und fordern härteren Lockdown mit FFP2-Masken in ÖPNV und Einzelhandel - wie in Bayern. Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und Virologe Rolf Apweiler warnen: Die neue B117-Mutation verbreite sich sechs bis acht Mal schneller. Apweiler ist einer der Wissenschafter, die die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten vor dem Treffen am Dienstag beraten.

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RKI-Zahlen zeigen: stärkste Corona-Rückgänge seit Pandemiebeginn

Das Robert-Koch-Institut meldete mit 7.141 neuen Infektionen rund 5.000 weniger Corona-Fälle als noch vor einer Woche – der niedrigste Stand an einem Montag seit vergangenem Oktober. Auffällig ist allerdings, dass Bayern demnach nur rund 270 Fälle gemeldet hat, nachdem es Montag vor einer Woche deutlich über 2.000 waren. In Rheinland-Pfalz waren es nur insgesamt zwei. Auch Schleswig-Holstein meldete auffällig niedrige Zahlen. Die Zahlen waren im Wochentagsvergleich seit vergangenen Donnerstag regelmäßig zurückgegangen – die stärksten Rückgänge in absoluten Zahlen seit Beginn der Pandemie. Auch im prozentualen Rückgang liegen sie in der Größenordnung nach dem ersten scharfen Lockdown im Frühjahr 2020. Doch die sinkenden Zahlen geben vorerst keinen Grund zur Entwarnung – im Gegenteil.

Wegen der insgesamt immer noch hohen Infektionszahlen deutschlandweit hat die Bundesregierung das geplante Bund-Länder-Treffen auf Morgen vorgezogen. Die Furcht vor ansteckenderen Virus-Mutationen, wie sie sich in Großbritannien und Irland verbreiten, macht der Regierung zu schaffen. Und auch der Sieben-Tage-Inzidenzwert soll dringend runter: von aktuell 140 auf unter 50 pro 100.000 Einwohner.

Apweiler vor Virologen-Treffen mit Ministerpräsidenten heute Abend

Zur Vorbereitung neuer Corona-Beschlüsse sollen sich heute Abend die Ministerpräsidenten der Länder mit einer Expertenrunde von Virologen treffen. Mit dabei ist unter anderem auch Virologe und Direktor des European Bioinformatics Institute, Rolf Apweiler. "Ich werde die Entwicklung der jetzigen Situation in Großbritannien beschreiben, die rasche Ausbreitung von B.1.1.7. dort und in Europa, und was man jetzt tun muss, um eine solche Entwicklung wie in Großbritannien hier zu verhindern", sagte er vorab RTL/ntv. Vor allem mahnte er, mit Blick auf den verschärften Lockdown, zu weiteren Maßnahmen: "Nichts zu tun würde bedeuten, dass es in sechs bis acht Wochen hier wie jetzt in Großbritannien, Irland und Portugal wäre."

Lauterbach: Lockdown-Verlängerung wegen Virus-Mutation um drei Wochen nötig

Gesundheitsexperte und SPD-Politiker Karl Lauterbach sieht einen verschärften Lockdown als unumgängliche Maßnahme, wenn die Politik vermeiden wolle, dass sich die neue Virus-Mutante aus Großbritannien auch in Deutschland weiter ausbreite. Das Problem sei, dass die neue Virus-Variante viel schneller wachse. Sechs bis acht Mal schneller als die bisher bekannte Virus-Variante in Deutschland, schreibt Lauterbach auf Twitter.

"Wesentliche Bestandteile einer Verschärfung müssten sein: Betriebe: Pflicht zum Homeoffice, Maskenpflicht am Arbeitsplatz, Schließung aller Kantinen und Teeküchen, Ausdünnung Besetzung in Aerosolrisikobereichen. Schulen: Wechselunterricht oder Homeschooling."

Weiter schreibt er, dass an Grundschulen Wechselunterricht stattfinden und die Kitas für systemrelevante Berufe offen bleiben sollten. "ÖPNV: Besetzungsobergrenzen plus FFP2- Maskenpflicht, Lebensmittelläden: FFP2-Maskenpflicht, Ausgangssperren: ab 20 Uhr aus meiner Sicht für 3 Wochen vertretbar", so der SPD-Politiker. Er wisse, wie hart das hart klinge, aber er sehe die Gefahr, dass Deutschland die Gelegenheit verpasse, die neue Mutante (B117) zu verhindern.

Bremer: "Ausgangssperren sieht das deutsche Recht bisher nicht vor"

Über Verschärfungen der bisherigen Anti-Corona-Maßnahmen gelte es gründlich nachzudenken, sagte Politik-Experte Heiner Bremer im RTL-Interview. "Verschärfungen wie eine allgemeine FFP2-Maskenpflicht in Bahnen oder beim Einkaufen kann man verhängen. Die Frage ist nur, wer dann die Kosten übernimmt. Die sind nicht so ganz billig, diese Masken. Grenzwertig wird es bei Überlegungen zu Ausgangssperren. Die sieht das deutsche Recht bisher nicht vor. Die Berufung, die Markus Söder in Bayern auf das Infektionsschutzgesetz macht, die ist sehr zweifelhaft." Es brauche ein Gesetz, um eine Ausgangssperre zu verhängen, so Bremer im RTL-Interview.

Könnte der Komplett-Lockdown kommen?

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