Hat die Reederei falsche Zertifikate ausgestellt?

"Mein Schiff" testet Passagier negativ auf Corona - ohne einen Test zu machen

20. August 2021 - 9:50 Uhr

Besatzungsmitglieder des Kreuzfahrtschiffes „Mein Schiff 2“ von TUI Cruises haben sich mit Corona infiziert

Wie geht das bitte? Steffen Gleim ist während seiner Kreuzfahrt von "Tui Cruises" negativ auf das Coronavirus getestet worden – obwohl der Passagier der "Mein Schiff 2", auf dem nun mehrere Corona-Fälle bekannt wurden, gar keinen Test gemacht hat. RTL-Reiseexperte Ralf Benkö hat sich den Fall näher angesehen und ist auf einige Ungereimtheiten gestoßen.

Steffen Gleim hatte nie einen Corona-Test gemacht

Auf dem TUI-Cruises-Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 2" gab es Corona-Fälle. (Symbolbild)
Auf dem TUI-Cruises-Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 2" gab es mehrere Corona-Fälle.
© picture alliance

Um bei ihrer Kreuzfahrt nach Korsika einreisen zu können, bekamen die Passagiere Selbsttests auf ihre Kabinen geliefert. Auch Steffen Gleim aus Dinslaken. Passagier Gleim dachte, er müsste den Corona-Selbsttest nicht machen. Schließlich hatte er sich noch am Vortag zu Hause testen lassen (negativ). Außerdem ist er geimpft. Also tat Steffen Gleim nichts – und bekam vom Bordarzt der "Mein Schiff 2" ein Zertifikat auf die Kabine gelegt – mit einem Nachweis über ein negatives Testergebnis. Der Test hatte ja so aber gar nicht stattgefunden.

Und noch etwas beunruhigt den Reisenden: Das genaue Test-Produkt, das auf seiner Kabine gelegen habe, stimme auch nicht mit dem auf dem Zertifikat überein. Da seien unterschiedliche Testhersteller genannt und eine Uhrzeit für einen Testzeitpunkt, den es so gar nicht gegeben habe. Auf dem Schiff hatte Steffen Gleim nach eigenen Aussagen bereits auf das Problem aufmerksam gemacht. Dennoch habe er das Gefühl bekommen, man nehme das Ganze nicht ausreichend ernst.

"Ich wurde jetzt echt hier negativ getestet vom Bordhospital, sehr merkwürdig, obwohl ich gar nicht getestet bin. Und wenn das alle 950 Passagiere hier gemacht haben, will ich nicht wissen wie viele positive Menschen hier gerade rumlaufen", so Steffen zu RTL.

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Dann kam der Nach-Test im Bordhospital - aber auch hier gibt's Fragezeichen

Am nächsten Tag hat Steffen Gleim zusammen mit seinem Mitreisenden die Tests in der Bordklinik des Schiffes nachgeholt. Diese seien negativ gewesen. Das wiederum hätten sie nicht bescheinigt bekommen. Unverständlich für den 41-Jährigen! Denn beruflich betreibt er ein Testzentrum in Deutschland und ist deshalb selbst Profi in diesem Bereich.

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TUI Cruises gibt Fehler zu

RTL-Reiseexperte Ralf Benkö
RTL-Reiseexperte Ralf Benkö

Wir haben bei TUI Cruises nachgefragt, wie es zu falschen Testergebnissen kommen konnte. Schriftlich teilt die Reederei mit:

"Allen Gästen wurde ein Schreiben auf die Kabine gelegt. Dieses besagt, dass sich die Gäste bis 18 Uhr mit dem beigefügten Selbsttest getestet haben müssen. In diesem Schreiben steht auch, dass sich die Gäste umgehend bei uns melden sollen, falls der Test positiv ist. Ansonsten gehen wir davon aus, dass ihr Test negativ ist, und stellen ihnen das benötigte medizinische Attest aus. Dieses wird dann nach 18 Uhr auf die Kabine gelegt. [...] Auf der aktuellen Reise ist uns dabei ein administrativer Fehler unterlaufen. Wir haben leider einen falschen Testhersteller bei den medizinischen Nachweisen eingetragen. Das hätte nicht passieren dürfen und tut uns leid."

Generell sei es nichts Besonderes, dass Selbsttests im Rahmen von Kreuzfahrten auf Vertrauensbasis eingesetzt würden. "Das stimmt", ergänzt RTL-Reisereporter Ralf Benkö, aber, "das Entscheidende bei solchen Selbsttests ist oft, dass man dabei eine verbindliche Erklärung der Passagiere hat, dass sie einen solchen Test nach der Vorschrift vorgenommen haben und dass er eben negativ gewesen sei. In diesem Fall wird nach neuen Regelungen für Tests an Bord aber offenbar vorausgesetzt, dass man als Passagier automatisch dem Test zustimmt und automatisch dafür gerade steht, ihn zu machen und sich zu melden, sollte er positiv sein."

Steffen Gleim sagt, er habe die in die Kabine gelegte Einverständniserklärung für den Test aber gar nicht unterschrieben, dennoch seien Testdaten für ihn erfasst worden. Es habe also keinerlei Überprüfung stattgefunden.

Aufregung statt Entspannung

Steffen Gleim ist noch bis zum 23.8. an Bord, wenn das Schiff wieder Mallorca erreicht. Er habe gezögert, ob er mit der Sache an die Öffentlichkeit gehen soll, erklärt er. Er wollte sich ja eigentlich entspannen. Doch die Sache habe ihm einfach keine Ruhe gelassen. (rbe/lel/jar)