Der Schlüssel zum Neuanfang

Pärchen entkommt der Obdachlosigkeit in Hamburg

23. Juni 2021 - 16:13 Uhr

Erst ein Hotelzimmer, jetzt eine eigene Wohnung

Für Jeanette und Tobi ist es ein kleines Wunder: Sie halten einen Wohnungsschlüssel in der Hand, der Zutritt zu einem Leben in Sicherheit, Ruhe und Stabilität. Zuvor lebten sie lange auf den Straßen Hamburgs. Während der Coronapandemie haben sie großes Glück und dürfen in ein Hotelzimmer ziehen. Daraufhin schaffen sie den Sprung aus der Obdachlosigkeit.

Den Umzug in ein neues Leben für Jeanette und Tobi zeigen wir im Video.

Die Rettung: Eine Spende

15 Jahre lebte Tobi auf der Straße, seine Lebensgefährtin Jeanette mehrere Monate. Tobi ist früher häufig betrunken, Jeanette in schlechter Verfassung, sie hat Wunden und offene Finger als sie im November vergangenen Jahres eine unglaubliche Chance bekommen: Sie und Tobi dürfen ein Zimmer im Bedpark Hostel in Hamburg-Altona beziehen. Dank Streetworker Julien Thiele von der Hamburger Caritas und einer Großspende, mit der plötzlich mehrere Hotelzimmer für Obdachlose zur Verfügung stehen.

Hotelaufenthalt gibt Kraft für mehr

Pärchen entkommt der Obdachlosigkeit in Hamburg
Der Streetworker Julien Thiele hilft den ehemals Obdachlosen beim Papierkram.
© RTL Nord

Im Hotel kommen beide zur Ruhe. Sie beginnen sogar, sich nett einzurichten und Dinge zu sammeln, die man für ein normales Leben braucht. "Also da waren wir schon froh, als er uns sagte, ihr könnt hier in das Hostel", erzählt die 46-jährige Jeannette. "Na, sagen wir mal so, wir waren froh, dass Julien uns als Chaoten eigentlich aufgenommen hat", ergänzt der 38-jährige Tobi. Streetworker Julien Thiele kennt die beiden schon lange.

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Wohnungssuche mit Angst im Nacken

Mit Juliens Hilfe schreiben sie fast 500 Wohnungs-Bewerbungen. Immer die Angst im Nacken, dass das Hotelprojekt zu Ende geht. "Da ging einem schon der Arsch auf Grundeis. Wieder zurück auf die Straße, wieder das ganze Zeug. Gut, im Sommer geht's ja vielleicht, aber dann im Winter wieder draußen", erklärt Tobi seine Befürchtung.

Streetworker: „Ein Fall von Tausenden“

Doch das Glück ist auf ihrer Seite: Am 8. April bekommen Jeanette und Tobi ihren Mietvertrag für eine eigene Wohnung der städtische Wohnungsbaugesellschaft Saga und beide können im Juni dort einziehen. Auch Streetworker Julien Thiele kann es kaum fassen: "Ich würde sagen, das ist irgendwie ein Fall von Tausenden" und weiß aus Erfahrung: "Selbst die Hilfen der Stadt können kaum noch Wohnraum vermitteln." Denn in Hamburg gibt es seit Jahren viel zu wenig bezahlbare Wohnungen.

Schritt für Schritt in ein normales Leben

Jetzt genießen beide 46 Quadratmeter mit Balkon. Die Miete trägt das Jobcenter, die Kaution müssen Jeanette und Tobi abstottern, über ein Darlehen. Beide bekommen Hartz IV. Streetworker Julien hilft dem Paar beim Papierkram. In einem nächsten Schritt wollen sie sich Arbeit suchen. Dazu kümmert sich Tobi um einen Therapieplatz, um vom Alkohol wegzukommen. Den Kontakt zu Julien werden sie aber weiterhin halten. Der Streetworker ist längst ein Freund für sie geworden.

Streetworker durch Spenden finanziert

Die Arbeit, die Julien Thiele im Auftrag der Caritas als Streetworker leistet, ist nicht von der Stadt, sondern komplett durch Spenden finanziert. Jeanette und Tobi hätten den Absprung ohne Julien Thiele von der Caritas vermutlich nie geschafft.

Wenn Sie finanziell helfen möchten und damit Menschen wie Jeanette und Tobi eine Chance auf ein besseres Leben in Hamburg gegeben möchten, dann können Sie sch an den Caritasverband für das Erzbistum Hamburg e.V. wenden. Spenden unter dem Stichwort "Straßenvisite" kommen direkt der Odachlosenhilfe zugute. (nid)