Hochwasser-Katastrophe

Materialmangel & ausgelastete Bauunternehmen: Wie schnell kann ein Wiederaufbau überhaupt gelingen?

Flutkatastrophe, NRW, Aufräumarbeiten in Bad Münstereifel  (210717) -- BAD MUENSTEREIFEL (GERMANY), July 17, 2021 -- Peo
Flutkatastrophe, NRW, Aufräumarbeiten in Bad Münstereifel (210717) -- BAD MUENSTEREIFEL (GERMANY), July 17, 2021 -- Peo
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20. Juli 2021 - 14:45 Uhr

Zerstörte Infrastruktur

Die Infrastruktur in vielen betroffenen Flutgebieten ist zerstört – die Verkehrsinfrastruktur sowie die Strom- und Wasserversorgung müssen wieder hergestellt werden. Doch die Bauindustrie klagte bereits vor der Hochwasserkatastrophe über Materialmangel – viele Bauunternehmen sind überlastet. Kann ein schneller Wiederaufbau überhaupt gelingen?

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Gute Koordination von Krisenstäben notwendig

Um einen schnellen Wiederaufbau zu gewährleisten, ist laut Hauptverband der Deutschen Bauindustrie eine gute Zusammenarbeit der Krisenstäbe von Ländern und Kommunen notwendig. "Die öffentlichen Auftraggeber müssen sagen, was wo zuerst erledigt werden muss. Das können die einzelnen Unternehmen nicht selbst entscheiden. Wir brauchen hier den Wink mit dem Zaunpfahl," erklärt Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller.

Wichtig sei laut Müller vor allem eine Umschichtung, sodass dringende Maßnahmen wie die Wiederherstellung der Verkehrsinfrastruktur, die Sicherung von Brücken oder die Wiederherstellung von Strom- und Wasserversorgung vorgezogen werden können.

Große Mittelständler könnten auch Bauzusatzleistungen erbringen – etwa im Zusammenspiel mit Planungs- und Ingenieurbüros. "Sie können alles aus einer Hand leisten", sagte Müller. "Wenn es durch viele verschiedene Hände geht, droht Zeitverlust."

Einsatz von Schadholz verringert Holzmangel

Bereits vor der Flutkatastrophe klagten Bauunternehmen über Materialmängel – insbesondere der Preis für Holz explodierte geradezu. Gründe für die hohen Preise sind steigende Nachfrage aus China sowie der Schädlingsbefall beim großen Holzproduzenten Kanada. Laut Müller haben sich die Unternehmen mit diesen Problemen jedoch arrangiert: "Die Knappheiten sind da. Aber wir gehen davon aus, dass das Thema beherrschbar ist."

Um dem Rohstoffmangel entgegenzuwirken, kann laut Müller auch Schadholz eingesetzt werden. Schadholz wird aufgrund seiner Farbe seltener als Frischholz verwendet. Siedelt sich zum Beispiel ein Pilz in dem toten Baum an, verfärbt sich das Holz bläulich. Für den Wiederaufbau der Infrastruktur eignet sich das Schadholz laut Müller dennoch: "Es hat die gleichen statischen Eigenschaften und kann zum Beispiel bei Schalungen für Brücken eingesetzt werden oder in Bauleistungen wie Dachstühlen, wo es ohnehin verdeckt wird."

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