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"Mama, ist das eklig!": Jennifer Hölkers dritte Schwangerschaft mit Hyperemesis gravidarum

Wenn die Übelkeit einen 24/7 begleitet

"Mama, ist das eklig!": Jennifers dritte Schwangerschaft mit Hyperemesis gravidarum

Jennifer Hölker aus Rheinland-Pfalz hat Hyperemesis gravidarum.
Die 25-jährige Jennifer Hölker ist aktuell zum dritten Mal schwanger. Und erneut hat sie mit extremer Übelkeit zu kämpfen, die man auch Hyperemesis gravidarum nennt.
Jennifer Hölker / privat

von Vera Dünnwald

Wassereinlagerungen oder Übelkeit – all das können typische Symptome sein, die werdende Mütter während der Schwangerschaft begleiten. Doch was, wenn man sich nicht nur morgens übergeben muss oder im ersten Trimester? Was, wenn das flaue Gefühl im Magen zum Dauerzustand wird, und alltägliche Aufgaben schwer werden? Jennifer Hölker aus Rheinland-Pfalz macht das jetzt schon zum dritten Mal durch. Denn im Oktober erwartet die 25-Jährige ihr drittes Kind. Sie leidet an Hypermeseis gravidarum. Aber was ist das eigentlich? Im RTL-Interview erzählt sie uns ihren Leidensweg.

Hyperemesis gravidarum: So äußert sich die extreme Übelkeit während der Schwangerschaft

Jennifer Hölker, die als Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeitet, ist 25 Jahre alt und hat seit ihrer ersten Schwangerschaft mit extremer Übelkeit und mit Erbrechen zu kämpfen: „2019 war ich das erste Mal schwanger. Da hat es angefangen. Mir war die ganze Zeit über übel, aber es war aushaltbar. Ich dachte halt, das gehört dazu und wusste es nicht besser. Abends wurde es am schlimmsten“, erzählt sie im RTL-Interview. Bis kurz vor ihrem Entbindungstermin geht sie weiter arbeiten, denn es geht ihr den Umständen entsprechend gut.

Dann wird sie – nur ein Jahr später – erneut schwanger. Und die Hyperemesis gravidarum schlägt abermals zu: „Bei meiner zweiten Schwangerschaft war es viel schlimmer – alleine schon, weil es viel früher angefangen hat. Wir waren in Österreich im Urlaub und ich habe mich die ganze Fahrt über, etwa fünf Stunden lang, nur übergeben müssen.“ Auch Zuhause geht es monatelang weiter. „Das war der pure Horror“, erzählt die Krankenschwester.

Eine richtige Behandlungsmöglichkeit findet Jennifer nicht

Jennifer Hölker aus Rheinland-Pfalz.
Die Schwangerschaften waren - und sind - für die 25-Jährige aus Rheinland-Pfalz mehr als anstrengend.
Jennifer Hölker / privat

Hilfe bekommt sie laut eigener Aussage nicht: „Mein damaliger Frauenarzt hat das Ganze nicht wirklich ernst genommen, sodass ich viel auf eigene Faust im Internet recherchiert habe. Ich wollte einfach wissen, was man dagegen tun kann. Gibt es Medikamente? Kann man nicht irgendetwas dagegen machen?“ Jennifer ist verzweifelt. „Irgendwann habe ich Vomex-Tabletten eingenommen. Die haben mir an sich auch geholfen, aber ich wurde davon so ultra müde, was natürlich kontraproduktiv war, weil ich für meinen sechs Monate alten Sohn da sein musste. Ich konnte da ja schlecht Medikamente nehmen, die mich so umhauen.“

Über die Plattform „Embryotox, ein Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin, und dank des Austauschs mit Gleichgesinnten via Facebook kommt sie zum Medikament Agyrax, das ihr sogar hilft. „Das Problem war nur, dass es hier in Deutschland nicht mehr zugelassen ist und man es auf eigene Verantwortung einnehmen muss. Mit Embryotox hab ich dann abgesprochen, wie hoch die Dosis höchstens sein darf und dann hab ich sie genommen, bis zur 23. Schwangerschaftswoche etwa.“

Bei ihrer dritten Schwangerschaft stehen die Zeichen zunächst auf Hoffnung: „Ich bin bis zur achten Schwangerschaftswoche verschont geblieben. Da habe ich mich so gefreut. Aber es kam nochmal schlimmer als vorher.“ Die Hypermesis gravidarum zeigt sich so stark, dass Jennifer sich gerade am Anfang der Schwangerschaft fragt, wie sie so weiterleben kann und wie sie sich so überhaupt um ihre Kinder kümmern soll. „Mir war wirklich 24/7 unglaublich schlecht. Selbst mein ältester Sohn sagte schon zu mir, wenn er mich wieder über der Schüssel gesehen hat: ‘Mama, was machst du da? Das ist eklig!’’

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"Ihr seid nicht alleine!"

Zum Glück findet sie in ihrer neuen Frauenärztin endlich einen adäquaten Ansprechpartner: „Sie hat mein Problem sehr ernst genommen und mir das Medikament Cariban verschrieben, was es noch nicht so lange hier bei uns in Deutschland gibt.“ Die 25-Jährige erzählt, dass es ihr jetzt, wo sie in der 23. Schwangerschaftswoche ist, deutlich besser gehe – obwohl die Übelkeit sich leider noch nicht vollständig verabschiedet hat. „Aber ich muss nicht mehr so oft erbrechen. Das ist schon mal ein Anfang“, sagt sie.

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Trotz allem kommt die Dreifach-Mutter nicht um einen Krankenhausaufenthalt herum: „Der Körper verliert so viel Flüssigkeit und Vitamine; auch Nährstoffe fehlen einem, wenn man sich so häufig übergeben muss.“ Deswegen lautet ihr Tipp: „Hört immer auf euren Körper. Wenn nichts mehr geht – oder am besten schon vorher, bevor wirklich gar nichts mehr geht – zieht einen solchen Schritt auch in Erwägung. Im Krankenhaus wird man durchgecheckt und aufgepäppelt, bekommt genug Flüssigkeitszufuhr, damit der Körper nicht dehydriert und noch mehr Elektrolyte verschwinden.“ Hilfe anzunehmen, wenn es einem einfach nur elend geht, sei keine Schande – im Gegenteil. „Ihr könnt nichts dafür, wenn es euch während der Schwangerschaft so schlecht geht. Informiert euch, sucht euch Gleichgesinnte, lasst euch nicht einfach abspeisen von Ärzten und holt euch Unterstützung wenn es hart auf hart kommt. Ihr seid nicht alleine.“