Essen und Trinken verweigert - keine Medikamentenversorgung

Mallorca: Im Quarantäne-Hotel um Wasser betteln - Corona-infizierte Urlauberin berichtet

Mallorca, wie auch der Rest Spaniens, gilt derzeit als Hochinzidenzgebiet und wurde vom Auswärtigen Amt mit einer Reisewarnung versehen (Symbolbild)
Mallorca, wie auch der Rest Spaniens, gilt derzeit als Hochinzidenzgebiet und wurde vom Auswärtigen Amt mit einer Reisewarnung versehen (Symbolbild)
© dpa, Clara Margais, axs

20. August 2021 - 11:52 Uhr

Engländerin berichtet von schlimmsten Bedingungen in Quarantäne-Hotel

Eine junge Engländerin hat sich auf sich auf der spanischen Insel Mallorca mit Corona infiziert und musste daraufhin in ein Quarantäne-Hotel. Dort habe sie die schlimmsten Bedingungen vorgefunden, berichtet sie. Dabei habe sie sogar um Wasser betteln müssen.

Frau infizierte sich auf Mallorca mit Coronavirus

Eine junge Engländerin hat sich während eines Aufenthalts auf der spanischen Insel Mallorca mit dem Coronavirus infiziert. Die Regularien in Großbritannien sehen vor, dass sich doppelt Geimpfte nach ihrer Ankunft aus Spanien nicht in Quarantäne begeben, aber vor Abflug einen negativen PCR-Test nachweisen müssen. Haben sie sich vor Ort infiziert, müssen sie für zehn Tage in ein Quarantäne-Hotel – und genau das ist der jungen Frau passiert.

Infizierte Engländerin: "Ich wäre lieber im Gefängnis"

Die junge Frau erzählte der BBC, dass sie lieber im Gefängnis wäre, da die Bedingungen unzumutbar seien. Vorab hätte das Hotel ihr versichert, dass sie dort mit Essen und Wasser versorgt werden würde. Abgeholt wurde die Frau allerdings erst 24 Stunden nach ihrem positiven Coronatest, um circa 21 Uhr Ortszeit.

"Sie sagten dann, weil ich so spät gekommen sei, könne ich nichts mehr zu essen bekommen, also war ich wirklich hungrig", sagte sie der BBC. Bis um 13 Uhr am nächsten Tag habe sie immer noch kein Essen bekommen, also habe sie sich entschlossen, bei einem Lieferdienst zu bestellen, so die 22-Jährige. "Ich habe bei McDonald's bestellt und sie haben es mir nicht gegeben, sondern weggenommen. Dann habe ich versucht, bei einem anderen Unternehmen zu bestellen, und auch das haben sie mir nicht gegeben", erzählt die junge Frau weiter.

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Quarantäne-Hotel: Essen und Trinken sei ihr verweigert worden

Die Auszubildende berichtet, dass sie die ganze Zeit vor Hunger geweint habe. Aber auch Wasser habe man ihr nicht gegeben. Sie sagt: "In meiner ersten Nacht kam ich an und hatte kein Wasser. Ich dachte: 'Ich bin hungrig , aber Wasser ist wichtiger.'" Sie habe immer wieder geläutet und um Wasser gebettelt, aber es passierte nichts. Auch habe sich niemand nach ihr erkundigt, ob es ihr trotz des positiven Tests überhaupt gut ginge.

Andere Gäste des Hotels hätten derweil damit begonnen, sich gegenseitig mit Bettlaken zu versorgen, um diese zusammenzubinden. Mit diesen Seilen würden sie sich gegenseitig über die Balkone versorgen oder ließen sich das Essen von den Lieferdiensten anbinden. "Ein Junge schnitt ein Bettlaken auf, band es zusammen und wickelte es um eine Flasche Wasser, damit ich endlich trinken konnte", so die Engländerin.

Kein Kontakt zum Hotelarzt - notwendige Medikamente gingen aus

Die junge Frau berichtet zudem, dass sie auf die Einnahme von Psychopharmaka angewiesen sei und nur Medikamente für einen siebentägigen Aufenthalt eingepackt hätte. Sie bekäme aber keinen Kontakt zum Hotelarzt, weswegen ihr jetzt auch die Medikamente ausgegangen seien – die sie eigentlich nicht absetzen dürfe.

"Es gibt keinen Wäscheservice. Mir sind die Schlüpfer ausgegangen, also habe ich sie im Waschbecken gewaschen – klingt schlimm, aber ich hatte keine Wahl", meint sie außerdem. Eigentlich habe sie nur eine Woche entspannen wollen, nachdem das letzte Jahr sehr stressig gewesen sei. Die 22-Jährige macht eigenen Angaben zufolge eine Ausbildung zur Krankenpflegerin und hat im vergangenen Jahr ihren Partner verloren.

Das Hotel dementiert

Das Hotel Palma Bellver dementiert und teilte der BBC mit, dass das Essen von einem ansässigen Krankenhaus und nicht vom Hotel angeboten wird. Allen Gästen soll auf Anfrage Wasser zur Verfügung gestellt worden sein.

In einer Erklärung schreibt das Hotel: "Der Betrieb ist hygienisch (ähnelt eher dem eines Krankenhauses als dem eines Hotels), und daher werden die Mahlzeiten (vier am Tag) von der Krankenhausgastronomie unter Aufsicht von Diätassistenten des Krankenhauses serviert."

Die Gäste dürften dennoch Mahlzeiten sowie andere Grundnahrungsmittel außerhalb des Krankenhauses bestellen, aber keine Fertiggerichte, weil ein Arzt es so verordnet habe. "Das Personal unseres Unternehmens verwaltet nur das Inventar der Zimmer, wir reagieren auf den Kunden/Patienten und dienen als 'Bindeglied' zwischen den verschiedenen beteiligten Akteuren", heißt es weiter in der Erklärung.

Spanien gilt als Corona-Hochrisikogebiet

Auch für Deutschland gilt Spanien derzeit als Hochrisikogebiet, weshalb Reiserückkehrer mit Folgen rechnen müssen: In Deutschland gilt eine zehntägige Quarantäne-Pflicht, von der man sich frühestens am fünften Tag freitesten kann. Zusätzlich zur digitalen Einreiseanmeldung ist bereits vor der Einreise nach Deutschland ein Corona-Test verpflichtend. Geimpfte und Genesene sind allerdings von der Test- und Quarantäne-Pflicht befreit. (stern.de/yak)

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst bei stern.de.