Er klagt über falsche Stifte, fehlenden Kaffeeweißer und Morddrohungen

Maddie-Verdächtiger Christian B. beschwert sich über Haftbedingungen- auf 14 Seiten!

Mugshot von Christian B.
Christian B. soll Maddie McCann getötet haben.
Spiegel TV

Ganze 14 Seiten lang ist der Brief, den Christian B. – Verdächtiger im Vermisstenfall Maddie McCann – an den Landtag Niedersachsen geschrieben hat. Der Inhalt: Beschwerden über die Haftbedingungen. Von fehlendem Kaffeeweißer ist zu lesen, von Zeiten über 23 Stunden in der Zelle, bis hin zu Morddrohungen, die gegen den Verdächtigen geäußert würden.

Der 45-Jährige sitzt in Oldenburg eine mehrjährige Haftstrafe für die Vergewaltigung einer US-Amerikanerin im Jahr 2005 im portugiesischen Praia da Luz ab. Rund anderthalb Jahre nach dieser Tat verschwand die damals dreijährige Madeleine McCann aus einer Apartment-Anlage in der Nähe.

Maddie-Verdächtiger Christian B. klagt über Haftbedingungen

ARCHIV - 12.05.2007, Portugal, Lagos: Blumen stehen vor einem Bild, das die verschwundenen Madeleine McCann (Maddie) auf einem Foto zeigt, das ihre Eltern im Zusammenhang mit dem Verschwinden des Kindes veröffentlich haben. (zu dpa "Verdächtiger im F
Christian B. wird verdächtigt, der Täter im Fall Maddie zu sein.
mpc sh pt pzi sab, dpa, Luis Forra

Weil Christian B. in seiner Haftbeschwerde, die dem „Spiegel“ vorliegt, auf 14 Seiten so viele Punkte anspricht, ordnete das Justizministerium die Beschwerden sogar in einer Liste. Und die hat es in sich: von a) Haftbedingungen geht es bis Punkt p), der die Beschwerden B.’s über das Verhalten der Mitarbeiter umfasst.

B. bezeichnet es beispielsweise als „Folter“, dass er etwa 23 Stunden am Tag in seiner Zelle verbringt. Denn auch wenn er laut „Spiegel“ auf den Flur gehen oder sich im Gemeinschaftsraum aufhalten kann: Christian B. bleibt lieber in seiner acht Quadratmeter großen Zelle – aus Angst, dass Mitgefangene ihn angreifen könnten. Bei einem Hofgang habe er Morddrohungen erhalten. Auch in der Schlosserei der Justizvollzugsanstalt Oldenburg, über die er in den Arbeitsalltag integriert werden sollte, fühlt er sich unsicher:

Mutmaßlicher Maddie-Täter Christian B. sollte in Arbeitsalltag integriert werden- doch das scheiterte

ARCHIV - 02.05.2012, Großbritannien, London: Kate und Gerry McCann, Eltern der vor 13 Jahren verschwundenen Britin Madeleine "Maddie" McCann halten bei einem Such-Aufruf das Foto ihrer Tochter. (zu dpa "Spekulation um Maddies Tod: Eltern dementieren
Maddies Eltern mit dem Bild ihrer verschwundenen Tochter.
ihe sab, dpa, John Stillwell

„Sollte irgendein Mitgefangener aufgrund von Halbwissen oder warum auch immer der Meinung sein, mich ernsthaft körperlich verletzen oder gar töten zu wollen, so ist die Schlosserei der idealste Ort dafür.“ Überall liege Werkzeug herum und es sei möglich „in wenigen Sekunden eine scharfe Klinge anzufertigen.“

Er sei zwar nicht angegriffen worden, aber das „abweisende Verhalten der dort arbeitenden Gefangenen war derart bedrohlich für mich, dass ich um die Beendigung des Arbeitsverhältnisses bat“. Laut „Spiegel“ sagt die JVA dazu, B. habe sich mit „seiner Medienpräsenz gebrüstet.“ So oder so, nach vier Tagen war die Integration von Christian B. in den Arbeitsalltag gescheitert.

Lesetipp: Der mutmaßliche Maddie-Mörder: Wer ist Christian B.?

Falsche Stifte und keine Rasierer- auch über alltägliche Dinge beschwert sich Christian B.

Christian B. mit seiner Exfreundin
Christian B. mit seiner Ex-Freundin.
bereitgestellt

Aber auch viele alltägliche Dinge in der JVA sind nicht nach dem Geschmack des mutmaßlichen Mörders der kleinen Maddie. Eigentlich sollte er Stifte von seinem Verteidiger bekommen. Der durfte sie ihm laut „Spiegel“ allerdings nicht übergeben.

Probleme gab es ebenfalls mit Einwegrasierern. Erst nach mehreren Tagen habe er neue bekommen, schreibt Christian B. Der Grund: B. hatte den alten Rasierer ohne Klinge zurückgegeben. Bei einer Durchsuchung seiner Zelle fand sich die Klinge schließlich versteckt in einem Anspitzer. Auch „acht stabile Holzspieße“ entdeckten die Beamten. Schwierig bei einem Mann, bei dem sich laut einer internen JVA-Einschätzung „psychopathische Züge“ andeuten sollen.

Ändern wird sich trotzt der Haftbeschwerde von B. wohl nichts. Denn der Petitionsausschuss des Landtags folgte der Beurteilung in der 26-seitigen Stellungnahme des Justizministeriums. Der letzte Satz lautet: „Es besteht im Ergebnis kein Anlass, im Rahmen der Dienst- und Fachaufsicht tätig zu werden.“

SPIEGEL TV Doku auf RTL+

Das Verschwinden von Maddie McCann vor fast 15 Jahren gehört zu den größten Rätseln der Kriminalgeschichte. Bislang konnte nicht geklärt werden, wer das dreijährige Mädchen in Portugal entführte. Doch jetzt ist sich die Staatsanwaltschaft sicher, den wahren Täter zu kennen, und steht kurz davor, Anklage zu erheben: Es soll Christian B. (45) sein. Der sitzt aktuell in Oldenburg im Knast. Unter anderem wegen der Vergewaltigung einer 72-jährigen Amerikanerin.

Für die Dokumentation "Verdächtig im Fall Maddie – Wer ist Christian B.?" (hier auf RTL+ anschauen) hat sich SPIEGEL TV ein Jahr lang auf Spurensuche begeben und exklusiv mit Freunden und Weggefährten des Tatverdächtigen gesprochen. Dabei wurden neue Erkenntnisse über den Mann gewonnen, der möglicherweise ein Verbrechen begangen haben soll, das die ganze Welt erschüttert hat. (jmu)