Lohnt sich das neue Bonusprogramm wirklich?

RTL-Reporterin testet Lidl Plus-App

16. September 2020 - 10:20 Uhr

Rabattcodes gegen persönliche Daten

Die Lidl Plus-App runterladen, Namen und Handynummer eingeben – und schon kann beim nächsten Einkauf jede Menge gespart werden. Denn für die Daten erhält man die digitale Kundenkarte, Coupons und Rubbellose. Unsere Reporterin hat den Test gemacht und zeigt im Video, ob sich der Tausch Daten gegen Angebote wirklich lohnt.

Was kann die Lidl Plus-App?

Der Discounter wirbt damit, dass seine Kunden durch die digitale Kundenkarte von Rabatten und Vorteilen profitieren. Und wie soll das funktionieren? Die App analysiert das Kaufverhalten der Lidl-Kunden und wertet dieses aus. Also kurz gesagt: Lidl beobachtet, was Sie einkaufen und bietet Ihnen danach entsprechende Produkt-Angebote an. 

Den Kunden winkt nach erfolgter Online-Registrierung in der "Lidl-Plus"-App auf dem Smartphone ein Willkommensrabatt ab einem Einkauf von 30 Euro, zudem soll es direkte Preisvorteile für einzelne Produkte und Gewinnspiele in Form digitaler Rubbellose geben. Ein System, das sich bei Tests des Bonusprogramms in Berlin und Brandenburg bewährt habe, heißt es. Zunächst müssen die Rabattcodes auf dem Handy aktiviert werden. Um dann auch von günstigeren Angeboten zu profitieren, müssen Kunden - ähnlich wie bei der Konkurrenz - an der Kasse ihre App öffnen und dort einen automatisch generierten Code abrufen. Dieser wird vor einen Scanner gehalten.

Das Motto beim Discounter: Wer mehr einkauft, bekommt auch mehr Preisnachlässe bei mehr Produkten. Ein klarer geldwerter Vorteil also vor allem für Stammkunden? Nicht unbedingt, sagen Verbraucherschützer. Denn was auf den ersten Blick nach dem ganz großen Sparanreiz klingt, kann sich für die Kunden schnell auch als teures Vergnügen entpuppen. Es stelle sich die Frage, ob durch "geschicktes Bewerben" nicht mehr gekauft werde als eigentlich benötigt, sagt die Landesbeauftragte für Datenschutz in Schleswig-Holstein, Marit Hansen. Sie betont, Rabattsysteme seien aus Sicht der Unternehmen letztlich kein Zuschussgeschäft.

Maßgeschneiderte Angebote für einzelne Kunden

Bei Lidl will man bis Jahresende "mehrere Millionen" registrierte Nutzer beim Bonusprogramm haben, genauere Zielmarken nennt das zur Schwarz-Gruppe gehörende Unternehmen nicht. Bereits jetzt sei die App unter anderem dank der Tests in Berlin und Brandenburg rund eine Million Mal heruntergeladen worden, hieß es.

Auch wenn die Bonusprogramme sich im Detail unterscheiden, ist das Geschäftsprinzip immer dasselbe: Die Kunden erkaufen sich Rabatte oder Prämien, indem sie ihre Daten an Dritte geben - etwa Name, Mailadresse und Shopping-Präferenzen. "Platt könnte man sagen: Mehrwerte gegen Daten", sagt Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln. Mit den Daten könnten die Unternehmen einerseits maßgeschneiderte Angebote für einzelne Kunden erstellen, zum anderen aber auch Marketing- und Vertriebsmaßnahmen besser an die Gesamtkundschaft anpassen.

Datenschützerin Hansen sieht die Gefahr, durch die Sammelwut der Unternehmen könnten Bürger zu gläsernen Kunden werden. "Mit Kundenprogrammen, die auf der Analyse des Einkaufsverhaltens basieren, ermöglicht man einen Blick nicht nur in seinen Einkaufskorb, sondern auch in den Haushalt oder sogar in die eigene Persönlichkeit." Wer über eine längere Zeit Einkaufsdaten einer Person sammle, könne Rückschlüsse auf die Größe des Haushalts, Feierlichkeiten und Gäste, Markenbewusstsein, Ess- und Konsumgewohnheiten, selbst auf den Gesundheitszustand ziehen.

Bietet nach Lidl auch Aldi ein Bonusprogramm an?

Die Programme tragen dazu bei, dass die Bindung zwischen einem Unternehmen und dem Kunden tendenziell steigt - denn diese wollen ja von Rabatten profitieren. Die Vorteile für die Unternehmen sind also offenkundig. Trotzdem wird Lidl erst jetzt aktiv, Aldi verzichtet auch weiter auf ein festes Bonusprogramm. Was auch damit zu tun hat, dass der Aufbau, der Betrieb und die ständige Verbesserung von Kundenprogrammen teuer sind. Nicht zufällig kooperieren bei großen Programmen wie Payback oder der Deutschlandcard mehrere Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen.

Kritiker sehen noch einen weiteren Punkt: Sonderangebote - bis jetzt meist für die gesamte Kundschaft - sind bei Aldi oder Lidl sowieso an der Tagesordnung. Ob das bei Lidl so bleibt? Der Hamburger Landesdatenschutzbeauftragte Johannes Caspar sagt, aus einer Privilegierung von Mitgliedern eines Bonusprogramms könne schnell auch eine "latente Benachteiligung" von allen anderen werden, die dann stets höhere Preise zu zahlen hätten.

Ob Aldi nun mit einem eigenen Bonusprogramm nachzieht, bleibt offen. Eine Sprecherin von Aldi Nord teilte mit, man prüfe ständig, wie man das Angebot verbessern könne. Man wolle jedoch aus Wettbewerbsgründen zu Planungen keine Auskunft geben.

Quelle: DPA / RTL.de