Probleme bei der Organspende

Sie streicht sich wegen Corona von der Warteliste: Laura (33) hofft seit 12 Jahren auf eine Spender-Niere

11. Januar 2022 - 16:27 Uhr

von Kim Friedrichs und Lina Johannsson

Seit 12 Jahren schon hofft die 33-jährige Laura Nitsch aus dem niedersächsischen Hankensbüttel auf eine neue Niere. So wie ihr geht es laut Eurotransplant mehr als 9.000 Patientinnen und Patienten in Deutschland. Doch Organe sind knapp. Nicht mal 3.000 von ihnen konnten vergangenes Jahr transplantiert werden. Jetzt verschärft die Corona-Pandemie auch noch die Lage und hat einen starken Einfluss auf das Leben von Laura.

Wie heute ihr Alltag aussieht und was sie am liebsten in ihrem Leben gemacht hätte, sehen Sie im Video.

Ohne die Dialyse würde sie vergiften

Seit zwölf Jahren ist die junge Niedersächsin fünf Mal in der Woche in medizinischer Betreuung. Laura muss dreimal die Woche zur blutreinigenden Behandlung. Ihre Niere arbeitet nicht mehr ausreichend und ihr Körper würde ohne die Dialyse vergiften. Zudem muss sie zweimal in der Woche zur Physiotherapie. "Mein Herz schlägt schneller, ich habe einen komischen Geschmack im Mund und das lähmt auch die Muskeln. Dann werden die Beine schwerer, die Arme werden schwerer. Also das merkt man schon, wenn man vergiftet ist", erzählt die Patientin unserer RTL-Reporterin Kim Friedrichs.

Veränderung ihres Transplantations-Status wegen Corona

Jetzt zu Zeiten der Pandemie ist aber nicht nur die Gefahr einer Ansteckung für Laura eine große Sorge, auch ihr Transplantations-Status auf der Warteliste hat sich durch Corona verändert. Laura wurde von ihrem zuständigen Transplantationszentrum empfohlen, sich auf den Status nicht transplantabel setzen zu lassen. Eine Sicherheitsmaßnahme, um der Pandemie nicht noch mehr Intensivbetten abzuverlangen. Schweren Herzens hat sie zugestimmt. "Die Hospitalisierung ist da so hoch, die haben viel zu wenig Intensivbetten und auch kein Personal. Und ich brauche definitiv, wenn ich transplantiert bin, ein Intensivbett. Es ist anstrengend diese Warterei, frustrierend. Es nützt nichts, da müssen wir alle durch und irgendwann wird das auch wieder besser, hoffe ich", erzählt sie RTL-Reporterin Kim Friedrichs.

Und auch wenn Laura mit dem Blutreinigungsverfahren noch einige Jahre leben kann, hat sie nur einen Wunsch: Endlich unabhängig von der Dialyse werden.

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Knapp neun Jahre Wartezeit für eine Organspende

Mit Laura Nitsch warten knapp 9000 weitere Menschen alleine in Deutschland auf ein neues Organ. Ein Interview mit dem Transplantations-Experten Professor Vedat Schwenger zeigt das Problem: "In Deutschland haben wir leider die Problematik, dass wir leider sehr lange Wartezeiten auf ein Organ haben. Das heißt neun Jahre sind etwa der Durchschnitt, das variiert von Jahr zu Jahr. Das ist gerade für jüngere Menschen ein großes Problem."

In einer Umfrage der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung kam heraus, dass knapp zwei Drittel bereit wären, ein Organ zu spenden. Doch nur knapp ein Drittel einen Ausweis bei sich trägt. "Das heißt, dass viele potentiell bereit sind, aber keine Entscheidung treffen. In Eurotransplant Raum ist es so, wenn jemand verstirbt, und nicht zu Lebzeiten widersprochen hat, qualifiziert er sich (...) als Organspender. In Deutschland ist das anders, da ist die sogenannte Entscheidung-Lösung. Das heißt sie sollten eine Entscheidung treffen, wenn die aber nicht dokumentiert ist, sind sie kein Organspender."

Heute noch einen Organspendeausweis bestellen

Fast jeder Mensch kann Organspender werden – Nur wenige Erkrankungen schließen eine Organspende nach dem Tod aus, etwa bei bestimmten Infektionen oder bei akuten Krebserkrankungen. Außerdem gibt es kein Höchstalter, bis zu dem eine Spende möglich ist. Wichtig ist nur, dass man den Ausweis immer bei sich trägt, zum Beispiel im Portemonnaie.

Wenn Sie noch keinen Organspendeausweis haben, können Sie den ganz einfach in vielen Apotheken und Arztpraxen beantragen. Ganz bequem und kostenlos können Sie sich auch einen Ausweis über die offizielle Homepage der Organspende bestellen.