Prozess "Mord ohne Leiche" beginnt

Bundespolizist soll besten Freund im eigenen Garten ermordet haben

Beginn des Mordprozesses gegen einen Bundespolizisten startet in Braunschweig. (Archivbild)
Beginn des Mordprozesses gegen einen Bundespolizisten startet in Braunschweig. (Archivbild)
© dpa, Swen Pförtner, spf

24. November 2021 - 13:38 Uhr

Krankheitsfall war Grund der Verzögerung

Mit zwei Wochen Verzögerung startet heute der Mordprozess gegen einen Bundespolizisten im Landgericht Braunschweig. Der Prozessauftakt war wegen eines Krankheitsfalls verschoben worden. Dem Angeklagten wird der Mord an seinem engsten Freund vorgeworfen. Bisher fehlt jedoch jede Spur von der Leiche.

Eine Affäre mit der Ehefrau des Opfers soll der Grund gewesen sein

10.11.2021, Niedersachsen, Braunschweig: Blick auf das Schild "Landgericht" an dem Gericht vor dem Auftakt im Mordprozess um einen Vermisstenfall im Harz. Dem Angeklagten wird heimtückischer Mord aus niedrigen Beweggründen vorgeworfen. Foto: Swen Pfo
Der Prozess beginnt im Landgericht Braunschweig.
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Obwohl seit Monaten keine Leiche des Vermissten gefunden wurde, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der 50-jährige Bundespolizist seinen engsten Freund ermordet hat. Grund soll die Affäre mit der Ehefrau des Vermissten gewesen sein. Da diese keine Anstalten machte, ihren Mann zu verlassen, soll der Angeklagte ihren Ehemann daraufhin umgebracht haben. Sie und die zwei Söhne des Vermissten treten als Nebenkläger auf. Weder der Angeklagte noch die Nebenkläger werden sich im heutigen Prozessauftakt äußern.

Opfer wollte nur seine Katze in den Garten lassen

10.11.2021, Niedersachsen, Braunschweig: Der Angeklagte (l) steht zum Auftakt im Mordprozess um einen Vermisstenfall im Harz im Landgericht neben seinem Verteidiger Andreas Zott. Dem Angeklagten wird heimtückischer Mord aus niedrigen Beweggründen vor
Er soll seinen engsten Freund wegen dessen Ehefrau ermordet haben. (Archivbild)
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Wie jeden Morgen gegen 4.30 Uhr, soll der Vermisste auch am Tatmorgen seine Katze in den Garten gelassen haben. Da der Täter diese Eigenart seines engen Freundes kannte, soll er dem Opfer laut Staatsanwaltschaft pünktlich zu dieser Zeit im Garten aufgelauert haben. Vermutet wird, dass der Angeklagte sein Opfer mit einer Pistolenarmbrust ermordet hat. Danach soll er in das Haus des Opfer gegangen sein, um sich die Schlüssel des Autos zu holen. Die Familie des Vermissten schlief zu dieser Zeit im Obergeschoss.

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Angeklagter war vorher Zeuge

Knapp zwei Wochen, am 25.April, wurde der jetzige Angeklagte als Zeuge vernommen. Laut Zeugenaussage des Polizisten habe der 50-Jährige noch einige Tage nach der Tat mit der Familie des Opfers Geburtstag gefeiert. Auf die Frage, wo sein Freund den sein könne, antwortete der Angeklagte, dass sein Freund ja so vergesslich sei und vielleicht einfach nicht dran gedacht hat, nach Hause zu kommen. Außerdem half er den Ermittlern noch dabei, den Garten nach Spuren zu untersuchen.

Blutspuren im Garten und Auto

Laut Staatsanwaltschaft scheint dies jedoch nur Schein zu sein. Denn so soll der Angeklagte nach der Tat seinen Freund dann in in dessen Auto geschleift haben und sei danach weggefahren. Obwohl es bis jetzt keine Leiche in dem Fall gibt, fanden die Ermittler im Garten des Vermissten in Liebenburg (Kreis Goslar) Blutspuren – ebenso in seinem Auto, das drei Tage später auf dem Expo-Gelände in Hannover entdeckt wurde. Weil der Mann viel Blut verlor und zudem auf ein blutverdünnendes Medikament angewiesen war, gehen die Ermittler von seinem Tod aus.

Der Angeklagte, der in Untersuchungshaft sitzt, bestritt nach der Festnahme jeden der Vorwürfe. Ein Urteil wird am 22. Februar 2022 erwartet. (dpa/mup)