Essensentzug und Zwangsaufenthalte in einem Raum ohne Tageslicht und Toilette

Landesjugendamt schließt nach „Team Wallraff"-Reportage Einrichtung in der Eifel

08. Oktober 2019 - 15:44 Uhr

Im Video: Ehemaliger Heimbewohner spricht über die Zustände in der Jugendhilfeeinrichtung

Das Landesjugendamt Rheinland-Pfalz hat nach einer "Team Wallraff"-Reportage eine Einrichtung der Jugendhilfe in der Eifel geschlossen. Die sechs von der Entscheidung betroffenen Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren sollen in andere Orte verlegt werden, teilte eine Sprecherin des Landesamts für Soziales, Jugend und Versorgung am Montag in Mainz mit.

„Wohl der Menschen nicht mehr gewährleistet"

Die Einrichtung in Baar-Wanderath (Kreis Mayen-Koblenz) wurde vom Unternehmen "Case Project" GmbH betrieben. In der "Team Wallraff"-Reportage, die im März erstmals bei RTL ausgestrahlt wurde, haben Undercover-Reporter über Maßnahmen wie Essensentzug und Zwangsaufenthalte in einem Raum ohne Tageslicht und Toilette berichtet.

Das Landesamt ging den Vorwürfen nach und gelangte schließlich zu dem Befund, dass der in der Einrichtung verfolgte Ansatz "sich als würde- und menschenrechtsverletzend erweist". Dies sei weder mit der zu beachtenden UN-Behindertenrechtskonvention noch mit der gleichermaßen zu beachtenden UN-Kinderrechtskonvention vereinbar. Das Wohl der Menschen in der gesamten Einrichtung sei nicht mehr gewährleistet.

Die am gleichen Ort betriebene Einrichtung für die Betreuung von 38 Erwachsenen mit psychischen Erkrankungen soll an einen neuen Träger vergeben werden. Hierzu gebe es bereits Gespräche, teilte die Sprecherin mit. Zu den Vorfällen in der Einrichtung laufen auch Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft. Bei einer Hausdurchsuchung wurden Unterlagen sichergestellt.


Quelle: DPA/RTL.de