Alternatives Projekt im Westerwald

Kuhstall statt Altenheim: So leben Senioren auf dem Pflegebauernhof

31. Januar 2019 - 17:25 Uhr

Alle fühlen sich gebraucht

Von diesem Projekt haben alle etwas: In Marienrachdorf (Rheinland-Pfalz) gibt es einen Hof, auf dem nicht nur die Bauernfamilie mit ihren Tieren lebt, sondern auch noch 14 Senioren aufgenommen wurden. Die alten Menschen leben in zwei WGs und packen mit an, wo sie noch können. Statt im Altersheim wollen sie ihren Lebensabend lieber auf dem Land im Westerwald verbringen. RTL-Reporterin Lisa Stryer hat sich das alternative Pflegekonzept angeschaut.

Senioren, die mithelfen, bleiben länger fit

Der eine hilft im Stall aus, der andere hilft in der Küche bei der Vorbereitung des Mittagessens, bei der Feldarbeit oder am Angelteich – auf dem Hof von Guido Pusch gibt es immer etwas zu tun. Es geht für die älteren Hofbewohner nicht darum, schwere körperliche Arbeit zu leisten. Jeder macht nur dass, was noch geht. Anders als in einem regulären Pflegeheim, wo die Senioren rund um versorgt werden, können sie in Marienrachdorf noch aktiv am Alltag teilnehmen. Im Video erzählen die Bewohner, wie es ihnen auf dem Hof geht.

In anderen Ländern, zum Beispiel in Dänemark oder den Niederlanden, gibt es schon viele solcher Pflegehöfe. In Deutschland ist das Konzept noch relativ neu. Doch schon jetzt sind Experten überzeugt.

"Das, was die Leute können, sollen sie beitragen und dadurch trainieren sie im Grunde genommen auch ihre Fähigkeiten", erklärt Pflegeexperte Johannes Gräske im RTL-Interview. Das hält die Bewohner länger fit. Außerdem profitieren die Senioren dadurch, "dass sie eine Motivation haben, etwas in die Gemeinschaft beizutragen", meint Gräske. "Sie sind keine reinen Pflegeleistungsempfänger, sondern sie geben auch etwas zurück."

Mit den Senioren kann Guido Pusch mit seinem kleinen Hof überleben

Wer in einer der Senioren-WGs auf dem Bauernhof der Puschs einziehen will, zahlt im Schnitt 1.600 Euro pro Monat. Davon gehen rund 450 Euro als Miete an den Bauern. Mit dem Rest werden die Kosten für die 24-Stunden-Betreuung und die Verpflegung gedeckt.

Für den Landwirt hat es sich gelohnt, die Senioren auf den Hof zu holen. Er bekommt nicht nur tatkräftige Unterstützung von denen, die noch fit sind. Ohne die zusätzlichen Einnahmen könnte er seinen Kleinbauernhof kaum halten. So kommt er auch ohne Massentierhaltung über die Runden.

Auch den Tieren geht es besser

Am Ende haben also auch die Tiere etwas davon. Denn es ist immer jemand da, der sich um sie kümmern kann und sich Zeit nimmt, sie zu streicheln und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht. Rinder, Schweine und Hühner gibt es auf dem Hof von Guido Pusch schon – ab dem Sommer sollen auch noch Alpakas dazukommen.

Auch wenn die Senioren irgendwann nicht mehr in der Lage sind, auf dem Hof mitzuhelfen, müssen sie nicht ausziehen. Jeder Bewohner darf bleiben und wird bis zum Schluss versorgt.