Kremlkritiker als "fluchtgefährdet" eingestuft

Alexej Nawalny im Knast: Fühle mich wie "Hannibal Lecter"

Nawalny als fluchtgefährdet eingestuft.
Nawalny als fluchtgefährdet eingestuft.
© deutsche presse agentur

20. Februar 2021 - 12:26 Uhr

Nawalny wurde nach eigener Aussage als „fluchtgefährdet“ eingestuft

Der Kremlkritiker Alexej Nawalny hat auch in Haft seinen Sinn für Humor nicht verloren. Nachdem er am Mittwoch auf Instagram sein Leben im russischen Gefängnis scherzhaft mit einer Reise durch das Weltall verglichen hatte, schiebt er einen Tag später ein weiteres Posting hinterher: Er fühle sich zurzeit wie der Kino-Serienkiller "Dr. Hannibal Lecter aus dem Film 'Das Schweigen der Lämmer'". Der Grund: Nawalny wurde nach eigener Aussage als "fluchtgefährdet" eingestuft.

Nawalny fürchtet strengere Bewachung im Gefängnis

Die Haftbedingungen im russischen Gefängnis scheinen für den Oppositionspolitiker strenger geworden zu sein, wie in einem Post auf Nawalnys Instagram-Account am Donnerstag zu lesen ist. Offenbar wurde er von den russischen Behörden als "fluchtgefährdet" eingestuft. Wachen seien in seine Zelle gekommen und hätten ihn in einen anderen Raum gebracht, schreibt der Kremlkritiker. Dort sei ihm mitgeteilt worden, dass bei ihm Fluchtgefahr bestehe. "Natürlich fange ich an zu lachen, Und dann, nicht zum ersten Mal im letzten Monat, frage ich: 'Ist das ein Witz?' Aber sie lachen nicht, sondern geben mir ein Stück Papier zum Unterschreiben", so Nawalny, der dafür keine Erklärung hat.

Früher hätten einfache Sicherheitsmaßnahmen genügt, um ihn zu bewachen. Zuletzt sei der 44-Jährige von "Spezialeinheiten mit Helmen und Maschinengewehren" begleitet worden, nun "werden es Fesseln sein", heißt es auf Nawalnys Account. Weiter schreibt er, er habe das "Stück Papier" unterschrieben und sich in dem Moment wie "Dr. Hannibal Lecter aus dem Film 'Das Schweigen der Lämmer'" gefühlt. "Das ist derjenige, der, wie Sie sich erinnern, über einen seiner Feinde sagte: 'Ich habe seine Leber gegessen und sie mit einem Glas Chianti heruntergespült'. Bei der Leber bin ich mir nicht sicher, aber ein Glas Chianti würde mir nichts ausmachen", schreibt der Politiker – und setzt einen Zwinker-Smiley dahinter.

Nawalny: „Es ist ganz und gar wie in einem Kinofilm über den Weltraum“

Am Mittwoch hatte Nawalny seine Haft noch mit der Reise in einem Raumschiff verglichen. "Es ist ganz und gar wie in einem Kinofilm über den Weltraum: Mit mir kommuniziert die Kommandozentrale eines Raumschiffs", hieß es auf seinem Instagram-Account. "Eine Stimme aus der Wand sagt: 'Drei-null-zwei, machen Sie sich bereit für die Sanitäranlage.' Und ich antworte: 'Aha, okay, in zehn Minuten. Ich trinke nur noch schnell den Tee aus.'"

"Ja, Weltraumausflüge sind auch gefährlich", hieß es weiter. Der Flug könne sich etwa "wegen eines Navigationsfehlers" in die Länge ziehen, schrieb Nawalny - offenbar eine Anspielung auf weitere Gerichtsverfahren, die ihm in Russland noch drohen. Er war vor rund zwei Wochen in einem international heftig kritisierten Prozess zu mehreren Jahren Straflager verurteilt worden.

In brenzligen Situationen bekomme die Raumschiff-Crew in Filmen aber oft Hilfe von außen, erklärte Nawalny in seinem Instagram-Post. Er bedankte sich bei seinen Anhängern, die in den vergangenen Wochen mehrfach landesweit für seine Freilassung demonstriert hatten – unter den Demonstranten war auch Nawalnys Frau Julia.

Der einzige große Unterschied zu einem Science-Fiction-Film sei: "Ich bin komplett unbewaffnet", schrieb Nawalny. "Und wenn Aliens das Raumschiff angreifen? Ich bezweifle, dass man sie mit einer Teekanne vertreiben kann."