"Egal was passiert, ich halte den Kopf hin"

Kramp-Karrenbauer denkt über persönliche Konsequenzen nach Afghanistan-Mission nach

Bundesverteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer erwägt persönliche Konsequenzen nach dem Afghanistan-Debakel.
Bundesverteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer erwägt persönliche Konsequenzen nach dem Afghanistan-Debakel.
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23. August 2021 - 13:26 Uhr

Opposition fordert Konsequenzen

Die Evakuierung deutscher Botschaftsangehöriger und afghanischer Ortskräfte ist kein Ruhmesblatt der Bundesregierung. Besonders aus der Opposition kommt auch die Forderung nach persönlichen Konsequenzen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer denkt nun offenbar über genau diese nach.

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AKK: Werde mir genau überlegen, welche Verantwortung ich getragen habe

Inzwischen fliegt die Bundeswehr täglich mehrere hundert Menschen pro Tag vom militärischen Teil des Kabuler Flughafens in die usbekische Hauptstadt Taschkent. Spezialkräfte der Bundeswehr sollen außerdem mit Hubschraubern Deutsche und afghanische Ortskräfte evakuieren, die es nicht zu Flughafen geschafft haben.

Doch das alles kommt viel zu spät, sagen viele Kritiker. Deshalb überlegt die Oberbefehlshaberin der Bundeswehr, Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, nach dem Ende des Einsatzes Konsequenzen zu ziehen. "Wenn diese Mission zu Ende ist, dann werde ich für mich selbst sehr genau überlegen, welche Verantwortung ich getragen habe, welcher Verantwortung ich gerecht geworden bin, wo vielleicht auch nicht - und welche Schlüsse ich persönlich daraus ziehen muss", sagte sie am Montag bei "Bild TV". "Egal was passiert, ich halte den Kopf hin."

Erst Evakuierungsmission beenden

Sie machte aber deutlich, dass sie sich nun zunächst auf die Evakuierungsmission konzentrieren wolle. "Ich bin die Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt, und die muss vorne an Bord stehen in dem Moment, wo eine so gefährliche militärische Mission läuft, in die ich die Leute ja auch geschickt habe." Bei einem Krisengespräch im Kanzleramt unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntagabend sei es nicht um Personalfragen gegangen. "Es ging genau um die Frage: Wo stehen wir mit der Evakuierung, was machen die politischen Bemühungen." Außerdem sei es um die Verlängerung des Evakuierungseinsatzes gegangen.

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AKK will für Evakuierungen mit Taliban verhandeln

Oberste Priorität habe aber jetzt die Evakuierung der Ortskräfte, so Kramp-Karrenbauer. Sie bekräftigte noch einmal, dass alle deutschen Staatsbürger und afghanische Ortskräfte evakuiert werden sollten. Allerdings könne dies schwierig werden, da sich nicht alle in der Hauptstadt Kabul befinden. Man müsse deshalb die Evakuierung weiter denken – bis in einem Monat, in einem halben Jahr oder vielleicht in einem Jahr. "Wenn ich mich dazu mit Taliban an den Tisch setzen muss - auch als Regierung - dann tue ich das, weil das unsere Verpflichtung ist auch gegenüber diesen Ortskräften."

Kramp-Karrenbauer hat wie auch Merkel (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) Fehleinschätzungen der Lage in Afghanistan eingeräumt. "Noch zu Beginn der letzten Woche hat niemand in der internationalen Gemeinschaft damit gerechnet, dass Kabul bereits am Ende der Woche kampflos fallen würde", schrieb sie in einem Brief an Abgeordnete des Bundestags, der am Wochenende bekannt wurde. "Unsere Lageeinschätzung war falsch, unsere Annahmen über die Fähigkeiten und die Bereitschaft zum afghanischen Widerstand gegen die Taliban zu optimistisch."