Technische Voraussetzungen schon geschaffen

Eventim: Aufs Konzert nur mit Impfung?

Der Ticketverkäufer CTS Eventim will, dass Veranstalter die Teilnahme an Konzerten und Veranstaltungen an eine Corona-Impfung binden können.
Der Ticketverkäufer CTS Eventim will, dass Veranstalter die Teilnahme an Konzerten und Veranstaltungen an eine Corona-Impfung binden können.
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08. Februar 2021 - 16:07 Uhr

Konzerte nur für Geimpfte? "Wenn es genug Impfstoff gibt und jeder sich impfen lassen kann...."

Der Ticketverkäufer CTS Eventim will, dass Veranstalter die Teilnahme an Konzerten und Veranstaltungen an eine Corona-Impfung binden können.

"Wenn es genug Impfstoff gibt und jeder sich impfen lassen kann, dann sollten privatwirtschaftliche Veranstalter auch die Möglichkeit haben, eine Impfung zur Zugangsvoraussetzung für Veranstaltungen zu machen", sagt Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg der "Wirtschaftswoche".

CTS Eventim habe bereits die technischen Voraussetzungen geschaffen. "Wir haben unsere Systeme so eingerichtet, dass sie auch Impfausweise lesen können."

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Angela Merkel: "Wer das nicht möchte, der kann vielleicht bestimmte Dinge auch nicht machen"

Kündigt sich so eine "Impfpflicht durch die Hintertür" an? Will heißen: Nur wer sich impfen lässt, kann irgendwann alles wieder machen, wie wir es vor Corona gewöhnt waren? Kanzlerin Angela Merkel hat sich in einem ihrer seltenen TV-Interviews mit der ARD gestern vorsichtig zu diesem Thema geäußert:

"Ich glaube, wenn wir später sehr vielen Menschen ein Impfangebot gemacht haben und dann sagen manche Menschen, wir haben ja keine Impfpflicht, dann sagen manche Menschen, ich möchte nicht geimpft werden, dann muss man vielleicht schon solche Unterschiede machen und sagen: Okay, wer das nicht möchte, der kann vielleicht bestimmte Dinge auch nicht machen."

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Justizministerin sieht kein Problem

 Christine Lambrecht, Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz, aufgenommen im Rahmen der wöchentlichen Kabinettssitzung der Bundesregierung in Berlin.
Bundesjustizministerin Christine Lambrecht
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Bundesjustizministerin Christine Lambrecht sieht kein Problem mit der Forderung von Eventim. Sie sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Es macht einen großen Unterschied, ob der Staat Grundrechte einschränken muss oder ob Private Angebote für bestimmte Personengruppen machen möchten." Privatunternehmen dürften im Grundsatz selbst bestimmen, mit wem sie Geschäfte machen möchten. "Wenn zum Beispiel die Restaurants wieder öffnen dürfen und ein Restaurantinhaber dann ein Angebot nur für Geimpfte machen möchte, wird man ihm dies nach geltender Rechtslage schwerlich untersagen können."

Allerdings seien noch zu wenig Menschen geimpft, dass sich diese Unterscheidung für die Wirtschaft lohnen würde. "Und je weiter die Impfungen voranschreiten, desto eher werden wir alle zur Normalität zurückkehren können. Wir sprechen hier also nur über einen relativ kurzen Übergangszeitraum."

Rechtsanwalt gibt Justizministerin Recht

Der Rechtsanwalt Arndt Kempgens pflichtet Justizministerin Lambrecht bei. Im RTL-Interview sagt er, private Unternehmen könnten diese Regeln durchaus einführen. Kritischer sei es bei staatlichen Leistungen, wie dem öffentlichen Nahverkehr. Die Bürger hätten einen Teilhabeanspruch gegenüber dem Staat. "Wenn da Unterschiede gemacht werden, wird es kritisch. Weil der Staat eine Verpflichtung hat, Leistungen zur Verfügung zu stellen."

Kempgens findet aber, dass Geimpfte irgendwann bevorzugt werden müssten. "Es ist doch klar, dass Geimpfte, die möglicherweise gar keine Gefahr mehr darstellen, nicht mehr in ihren Grundrechten beeinträchtigt werden dürfen. Es muss für Geimpfte eine Lockerung kommen."

Junge Union gegen schnelle Privilegien für Geimpfte

Der Chef der Jungen Union, Tilman Kuban, hat sich gegen eine frühere Aufhebung der Corona-Regeln für Geimpfte ausgesprochen. "Was natürlich nicht sein kann, um das ein bisschen flapsig zu sagen, ist, dass im Sommer die Rentner am Strand liegen, aber die junge Generation weiterhin zu Hause sitzt und sich noch mit einer Person treffen darf. Da wird man am Ende keine Akzeptanz für bekommen", sagte er im Interview mit "Rundblick Niedersachsen".

Gerade die jungen Menschen schränkten sich derzeit erheblich ein, obwohl es in dieser Generation weniger schwere Corona-Verläufe gebe. Die große Mehrheit der Jüngeren halte sich dabei an die Regeln. "Deswegen bitte ich um Verständnis, dass wir als junge Generation auch versuchen wollen, die gleichen Freiheitsrechte im Sommer zu haben, wenn die Todeszahlen ganz andere sind und die schweren Verläufe deutlich stärker zurückgehen, weil die vulnerablen Gruppen geimpft sind."

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