Verstappen nach Dschidda-GP ein weiteres Mal bestraft

Kommt es jetzt nur Crash-Entscheidung im WM-Kampf?

Runde 37: Max Verstappen lässt Lewis Hamilton auflaufen
Runde 37: Max Verstappen lässt Lewis Hamilton auflaufen
© Getty Images, Bongarts, AJB / WTM

06. Dezember 2021 - 1:27 Uhr

Weitere Zeitstrafe für Verstappen

So spannend war der Kampf um die Formel-1-Krone seit Jahren nicht mehr. Nach dem kompromisslosen Fight der WM-Rivalen bei der Formel-1-Premiere in Saudi-Arabien biegen Dschidda-Sieger Lewis Hamilton und Max Verstappen punktgleich auf die Saisonzielgerade ein – obwohl das Ellenbogen-Duell in der Wüste ein Nachspiel für Verstappen hatte. Die Rennkommissare brummten dem Red-Bull-Star nach dem Rennen eine weitere Strafe auf – seinen Trumpf für das Finale in Abu Dhabi behielt der 24-Jährige trotzdem.

Die verflixte 37. Runde

Kurz nach dem Rennen hatten die FIA-Stewards Verstappen und Hamilton zu einer Anhörung einbestellt. Redebedarf gab es reichlich, vor allem über die Vorfälle in Runde 37: Los ging es mit einer Attacke von Hamilton, die Verstappen in bekannter Manier kompromisslos konterte. Um einen Crash zu verhindern, wich Hamilton neben die Strecke aus – aber auch Verstappen verließ den Asphalt und behauptet so seine Führung. Ein regelwidriges Manöver des Niederländers, mit dem er sich einen Vorteil verschafft hat?

Bei Red Bull befürchtete man offenbar eine Strafe, forderte Verstappen per Funk zum Positionstausch auf. Tatsächlich verlangsamte der Niederländer kurz darauf plötzlich das Tempo, Hamilton krachte fast ins Heck des Red Bull. Im letzten Moment gelang es ihm auszuweichen, doch er berührte den linken Hinterreifen seines Kontrahenten und zerstörte dabei die Endplatte seines Frontspoilers. Verstappen gab wieder Gas und zog davon.

Verstappen angefressen: "Es ging es mehr um Strafen als um das Rennen"

"Er hat versucht eine Bremstest mit mir zu machen", beschwerte sich Hamilton via Funk. Die Verantwortlichen in der Mercedes-Box schäumten. Fünf Runden später dann der nächste Aufreger: Nach ausführlichem Funkverkehr zwischen der Rennleitung, Mercedes, Red Bull und den Fahrern ließ Verstappen seinen Verfolger dann doch vorbei – konterte aber sofort in der folgenden Kurve. Im Mercedes-Lager büßte er damit weitere Sympathiepunkte ein. Schließlich trat Verstappen die Führung doch kampflos ab, kassierte aber fast zeitgleich eine 5-Sekunden-Zeitstrafe.

Nicht die einzige Sache, die Verstappen wurmte. "Was passiert ist, ist unglaublich. Wir versuchen, Rennen zu fahren, und diesmal ging es mehr um Strafen als um das Rennen. Für mich ist das nicht die Formel 1", motzte er nach dem Rennen und beschrieb die Kollision mit Hamilton so: "Ich bin langsamer gefahren, dann nach rechts, er sollte überholen, dann haben wir uns berührt. Ich verstehe nicht, was da passiert ist."

Hamilton behauptete zwar nach dem Rennen: "Er ist ziemlich hart auf die Bremse gestiegen." Relativierte seine Aussage jedoch gleich darauf: "Das war ziemlich verwirrend. Ich weiß nicht, was da passiert ist." Zumindest darin waren sich beide Protagonisten einig.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Wird es jetzt schmutzig?

Für Rennkommissare war die Sache klar: Verstappen habe auf eine Art gebremst, die zum Zusammenstoß geführt habe, teilten sie nach der Anhörung mit und sprachen nachträglich eine weitere 10-Sekunden-Zeitstrafe aus. Da Verstappen als Zweiter aber rund 16 Sekunden vor dem Dritten Valtteri Bottas im zweiten Mercedes lag, änderte das an seiner Platzierung nichts.

Beim finalen Showdown in Abu Dhabi hält Verstappen damit weiter einen Trumpf in der Hand. Denn dank eines Sieges mehr ist er trotz Punktegleichstand weiter WM-Spitzenreiter. Heißt: Er kann beim Saisonfinale wieder ebenso kompromisslos zu werke gehen wie in Dschidda – vielleicht sogar ganz bewusst einen Crash provozieren. Denn bei einem Ausfall von Hamilton wäre Verstappen auf jeden Fall Weltmeister – auch wenn er selbst nicht ins Ziel käme. Und für diese Art der WM-Entscheidung hat der 24-Jährige sogar prominente Vorbilder: Alain Prost (1989), Ayrton Senna (1990) und Michael Schumacher (1994). (wwi)